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Veröffentlicht am 18.05.2024 08:00

Kapitän der SpVgg Ansbach will weiter nach oben

Gruß an die Freundin: Tobias Dietrich freut sich über sein Tor zum 4:0 über Türkgücü. (Foto: Martin Rügner)
Gruß an die Freundin: Tobias Dietrich freut sich über sein Tor zum 4:0 über Türkgücü. (Foto: Martin Rügner)
Gruß an die Freundin: Tobias Dietrich freut sich über sein Tor zum 4:0 über Türkgücü. (Foto: Martin Rügner)

Von zwei großen Herausforderungen in diesem Jahr hat Tobias Dietrich nun eine erfolgreich bestanden. Die SpVgg Ansbach bleibt auch Dank seiner Mithile der Fußball-Regionalliga erhalten. Jetzt kann sich der Kapitän der nullneuner auf die Masterarbeit konzentrieren. Thema: Marketing. Spielt ja auch beim Fußball ein Rolle.

Herr Dietrich, ich wollte auf Instagram nachschauen, wie Sie den Klassenerhalt gefeiert haben. Aber dort sieht man Sie zuerst durch ein Museum laufen, die Bilder an der Wand sehen nach deutscher Romantik aus.

Ach, das Foto ist schon älter, das war in der Winterpause. Gefeiert haben wir nach dem 3:1 über den FC Schweinfurt schon gut, aber ich muss gestehen, wir haben schon eine Woche vorher damit angefangen.

Aha. Da war der Klassenerhalt doch noch gar nicht fix.

Rechnerisch nicht, aber der Spieltag lief mit unserem Sieg über Aubstadt und den Ergebnissen der Konkurrenz einfach perfekt, da war klar, dass wir das vollends packen. Ich wollte eigentlich einen Abend mit der Familie bei den Ehrlich Brothers verbringen, bin dann aber vorzeitig gegangen, weil ich unbedingt bei der Mannschaft sein wollte.

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Sie mögen Kunst?

Na ja, Kunsthistoriker bin ich nicht, aber mir gefällt es schon, mal durch ein Museum zu schlendern. Ich probiere gerne Sachen aus, neulich waren wir im Nürnberger Theater bei Romeo und Julia, hat mir gut gefallen.

Der harte Zweikämpfer auf dem Platz lässt sich im Theater von Zauberern und unglücklich Liebenden bewegen, ein schönes Bild. Anders als bei Shakespeare ging die Geschichte mit der SpVgg Ansbach ja wieder gut aus. Hatten Sie zwischendurch Zweifel?

Mir war immer bewusst, dass es noch eng werden kann, aber echte Zweifel hatte ich auch in den Phasen, in denen wir nicht gepunktet haben, nicht. Wir waren uns alle einig darin, dass wir die nötige Qualität haben und dass, wenn wir zusammenhalten und im Training Gas geben, es am Ende reichen wird.


Gegner sind besser abgesichert


Ausschlaggebend für den Erfolg war was?

Wir sind eine Mannschaft, die sehr hungrig darauf ist, Erfolge zu feiern. Man merkt das im Training oder auch nach Niederlagen, wie frustriert die Jungs sind, wenn es nicht gut läuft, wie sehr sie sich das zu Herzen nehmen. Es gibt einfach viele bei uns, denen die Mannschaft und der Verein unglaublich wichtig sind. Da hat sich im Lauf der vielen gemeinsamen Jahre schon ein Spirit entwickelt, das macht viel aus. Außerdem haben sich in unserer relativ jungen Truppe einige auch weiter verbessert. Wenn ich einen Riko Manz anschaue, oder auch Niklas Seefried, die jetzt vorneweg gehen und Kommandos geben. Jeder versucht, eine Schippe drauf zu legen, so wird man besser.

Dennoch hat die SpVgg in dieser Saison bisher im Schnitt etwas weniger Punkte pro Spiel geholt und weniger Tore geschossen als im ersten Regionalliga-Jahr. Warum?

So pauschal lässt sich das nicht sagen. Ein Grund ist vielleicht, dass sich die Gegner besser auf uns eingestellt haben. Wir sind als Umschaltmannschaft bekannt geworden, die viel auf Konter spielt, auch mit langen Bällen versucht, gefährliche Situationen zu kreieren. Mein Eindruck ist, dass die Gegner da mittlerweile besser abgesichert sind.

Verlässlich wird auf der Haupttribüne sofort gemeckert, wenn der erste Pass nicht nach vorne gespielt wird, sondern quer oder zum Torhüter.

Das gehört fest zu unserem Spiel. So versuchen wir, den Gegner herauszulocken in der Hoffnung, dass es mit dem folgenden langen Ball gelingt, die Stürmer in Eins-zu-eins-Situationen mit dem gegnerischen Verteidiger zu bringen und so gefährliche Situationen zu kreieren.


Kroiß hat sich weiterentwickelt


Apropos Stürmer. Aufstiegsheld Patrick Kroiß konnte nach überstandener Kreuzbandverletzung nicht mehr regelmäßig die typischen Kroiß-Momente liefern, für die er einst verehrt wurde. Seine Pässe sind nach wie vor mitunter brillant. Aber ist er noch der Unterschiedsspieler?

Er ist auf einem richtig guten Weg dahin. Ich finde, er hat sich zuletzt immer weiter gesteigert und war an vielen torgefährlichen Situationen beteiligt. Was man von Außen vielleicht nicht so mitbekommt ist, dass er sich als Persönlichkeit sehr weiterentwickelt hat. Er gibt viel für das Mannschaftsgefüge, kümmert sich um junge Spieler.

Und diskutiert gerne unter dem Spiel mal mit dem Trainer.

Ist mir jetzt nicht so aufgefallen, aber ich denke, da geht es darum, ob man den Gegner jetzt hoch anläuft und presst, oder sich wieder in die Ordnung fallen lässt und auf Umschaltmomente hofft. Darüber wird regelmäßig diskutiert, da haben wir unseren Stil ja auch ein bisschen geändert.

Ihr Mittelfeldkollege Jonas Sauerstein sagt, die Mannschaft müsse beim Spiel von hinten heraus besser werden. Sehen Sie das auch so?

Das ist auf jeden Fall ein Punkt, in dem wir uns verbessern können, um mehr Optionen zu haben, auch ohne langen Ball nach vorne zu kommen. Es gab in der Wintervorbereitung das Testspiel gegen den VfB Stuttgart II, da haben wir super und schnell von hinten raus gespielt. In der Liga haben wir das eingestellt, weil wir Ergebnisse brauchten und deshalb auf einen weniger risikoreichen Spielaufbau gesetzt haben.

Im Herbst gab es einen Wechsel auf der Trainerbank. Co-Trainer Niklas Reutelhuber übernahm das Cheftraineramt von Christoph Hasselmeier, der als Sportlicher Leiter nach wie vor eng an der Mannschaft dran ist. Wie hat die Mannschaft den Trainerwechsel erlebt?

Eine große Umstellung war das nicht, Niklas hatte ja vorher schon das eine oder andere Training geleitet oder Ansprachen gemacht. Wir hatten einen sehr guten Trainer und wir haben einen sehr guten Trainer.

Was unterscheidet die beiden?

Trainingswoche und Vorbereitung sind ziemlich gleich, da gibt es kaum Unterschiede. Niklas hat eine etwas andere Idee vom Fußball, er möchte, dass wir Situationen spielerisch lösen, mit Pässen von hinten raus. Das Spiel gegen Stuttgart, das war so sein Ding.

Die Idee, den Mittelfeldspieler Pepe Brekner zum Innenverteidiger zu machen, wohl auch.

Das war eine mutige, aber richtige Entscheidung, vor allem im Hinblick auf die Spieleröffnung. Schade, dass Pepe uns verlässt, er ist einer der Spieler, die von Jahr zu Jahr besser geworden sind. In der Abwehr sind wir grundsätzlich sehr variabel, spielen auch mal mit Fünferkette, da versuchen wir immer, uns genau auf den Gegner einzustellen, um einen Vorteil rausholen zu können.


Vom Gerüst zum Training - bewundernswert


In der Regionalliga trifft Profi- auf Amateurfußball. Sie sind Student, andere arbeiten. Lassen sich Beruf und Hobby auf diesem Niveau auf Dauer sinnvoll vereinbaren?

So wie wir es betreiben mit dreimal Training die Woche ist es machbar. Wobei ich den Michael Belzner schon bewundere. Er steht tagsüber stundenlang auf dem Baugerüst und fährt dann zum Training, hat außerdem Familie. Ich könnte das nicht so durchziehen. Mehr Training wäre schwierig, wobei man sagen muss, dass wir schon versuchen, aus jeder Einheit das Maximale herauszuholen. Da wird schon immer intensiv gearbeitet.

Ein Highlight für Sie war das Tor im Heimspiel gegen Türkgücü zum 4:0, ihr einziges diese Saison. Wem auf der Tribüne haben Sie denn da beim Jubeln so verschwörerisch die Faust gezeigt?

Das war für meine Freundin, die fiebert draußen immer krass mit, weil sie weiß, wie viel mir das bedeutet. Ich schaue öfter mal raus zu ihr.


Nicht Jahr für Jahr den gleichen Stiefel spielen.


Liebende auf Distanz, getrennt durch eine Absperrung und die Konvention, das erinnert an ein berühmtes Theaterstück. Aber bevor aus dem Tobi endgültig der Romeo wird, lassen wir das jetzt lieber auf sich beruhen. #Klassenerhalt steht groß an einer Wand in der Ansbacher Kabine im Xaver-Bertsch-Sportpark. Gilt das auch für die neue Saison wieder, oder strebt man im dritten Jahr in der vierten Liga langsam nach Höherem?

Es wäre schon wichtig, dass wir als als Team und Verein den nächsten Schritt gehen, um nicht jedes Jahr um den Klassenerhalt zittern zu müssen. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre aus meiner Sicht ganz schön, aber über die genaue Zielsetzung werden wir nochmals intern reden. Mal schauen, was nächstes Jahr an die Wand kommt.

Das Umfeld entwickelt sich ja. Flutlicht ist geplant, über eine VIP-Lounge soll mehr Geld reinkommen und in Sachen Zuschauerzuspruch steht Ansbach wieder in der oberen Tabellenhälfte. Sich da auch sportlich neue Ziele zu setzen, würde ja ganz gut passen.

Sich neue Ziele zu setzen, ist auf jeden Fall sehr wichtig, und wir wollen ja nicht Jahr für Jahr den gleichen Stiefel spielen, sondern dass sich die Entwicklung in unserem Spiel auch in der Tabelle niederschlägt. Ich denke, dass uns da die Neuzugänge ganz gut tun und frischen Wind in unsere eingeschworene Truppe bringen.

Die SpVgg Ansbach hat jetzt über Monate hart und letztlich erfolgreich um den Klassenerhalt gerungen. Jetzt stellt sich heraus, dass viele Bayernligisten null Interesse daran haben, in der vierten Liga zu spielen. Wie fühlt sich das an für einen, der hart um etwas gekämpft hat, was andere nicht einmal geschenkt haben wollen?

Das fühlt sich schon etwas komisch an, muss ich sagen. Wir stecken da so viel Herzblut rein und anderen wollen gar nicht aufsteigen. Auf der anderen Seite sind wir echt froh, diesmal alle Eventualitäten ausgeschlossen zu haben.


Schlechte News für den Verband


Als BWL-Student sind Ihnen die Begriffe Angebot, Nachfrage und Bewertung geläufig. Die Nachfrage nach Plätzen in der Regionalliga ist unter den Bayernligisten in diesem Jahr nicht besonders hoch, teilweise sogar nicht vorhanden. Das mindert doch den Wert des Produkts Regionalliga, oder wie würden Sie die jüngste Entwicklung bewerten, so als Marketing-Fachmann?

Das waren jetzt schon sehr schlechte Nachrichten für den Verband, der ja immer versucht, die Regionalliga als Aushängeschild zu verkaufen und nun merkt, dass sich viele Vereine einen Aufstieg nicht mehr leisten können oder wollen. Das ist kein gutes Zeichen. Es ist ein Zwiespalt: Auf der einen Seite wird versucht, die Liga professioneller zu machen, auch im Vergleich mit den anderen Regionalligen, was ja nicht falsch ist, auf der anderen Seite fühlen sich damit manche Vereine offenbar überfordert.

Sie wurden als einer von hundert Stakeholdern (Interessent, Beteiligter/d. Red) des deutschen Fußballs für eine Studie der Hochschule Ansbach ausgewählt. Dabei werden mehrfach Einstellungen und Erwartungshaltungen rund um den Deutschen Fußball-Bund abgefragt. Welche Erkenntnisse bringen Sie in die auf mehrere Jahre angelegte Untersuchung mit ein?

Ich bin grundsätzlich nicht so unzufrieden mit dem DFB und auch keiner, der alles schlecht redet. Mir ist das Thema Fans wichtig, die Kooperation zwischen Zuschauern und DFB, denn die Fans machen den Sport ja erst zu dem, was er ist. Das ist mein Themenschwerpunkt.


Die Rezatbande ist wertvoll für uns


Auch die SpVgg Ansbach hat ja jetzt eine kleine Fanszene, die zum Stadionerlebnis beiträgt, die allerdings nicht überall positiv gesehen wird. Sie fühlen sich ja aber offenbar ganz wohl, so auf dem Zaun, mit Megafon.

Die Mannschaft findet es richtig gut, wie die Fans hinter uns stehen, auch wenn es nicht läuft. Gerade in Auswärtsspielen ist die Unterstützung der Rezatbande wertvoll und wichtig, das gibt uns viel. Die negativen Begleiterscheinungen der Ultraszene muss man dann eben aushalten, finde ich.

Zur Person

Tobias Dietrich (27) aus Sachsen bei Ansbach spielte im Nachwuchs des FC Sachsen und der SpVgg Ansbach, zu der er nach Stationen bei der SG Quelle Fürth, Jahn Forchheim und ASV Neumarkt 2017 zurückkehrte. Der BWL-Student ist Kapitän der Regionalligatruppe und zweikampfstarker Defensivspieler.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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