Nach 16 Monaten Planung und fünf verschiedenen Konzepten war es nun endlich so weit: Unmittelbar neben dem Dinkelsbühler Waldorfkindergarten auf einem Wiesengrundstück am Ulmer Weg fand der symbolische Spatenstich für zwei Jurten statt. 20 Kinder sollen in den zeltähnlichen Rundbauten ab September betreut werden.
Es war ein langer Weg bis die Bagger endlich anrücken können. Sichtlich verblasst hängt das Banner, welches das geplante Bauvorhaben zeigt, seit langer Zeit auf dem Schulcampus zwischen der Georg-Ehnes-Schule und dem Ulmer Weg. Der Entwurf zeigt noch die allererste Idee, die bereits vor rund eineinhalb Jahren entstanden ist.
Wie Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer beim Spatenstich erläuterte, sei der damalige Vorstand des Dinkelsbühler Waldorfkindergartens auf die Stadt zugekommen mit dem Vorschlag, eine Jurte zu bauen, um die Einrichtung, die ihre Räumlichkeiten in der alten Hauptschule hat, mehr in die Natur einzubinden.
Geplant war zunächst nur ein einzelner Rundbau in einfacher Bauweise sowie eine Komposttoilette für zirka 40.000 Euro. Nach mehreren Überarbeitungen des Konzepts und damit einhergehenden gestiegenen Kosten habe sich die Stadt laut Hammer schließlich dazu entschieden, das Bauvorhaben über eine Kindergartenförderung laufenzulassen.
Das finale Konzept beinhaltet nun zwei 50 Quadratmeter große Jurten mit einem Durchmesser von acht Metern. Eine davon soll ab dem kommenden Kindergartenjahr als Aufenthaltsraum für die Mädchen und Jungen der „Wildrosen“-Gruppe dienen. Diese sind aktuell noch zur Überbrückung im Bewegungssaal des Waldorfkindergartens untergebracht.
„In Waldorfkindergarten hat man normalerweise keine rechte Winkel, da ist die runde Jurte natürlich perfekt“, erklärte Melanie Pfau, stellvertretende Stadtbaumeisterin von Dinkelsbühl. Zwei Erzieherinnen und eine Kinderpflegerin werden dort künftig von 8 bis 13 Uhr die Drei- bis Sechsjährigen betreuen.
Der zweite Rundbau soll als Versorgungsraum dienen – dort sind dann die sanitären Anlagen, der Hausanschlussraum und eine Arbeitsplatte mit Spülmöglichkeit untergebracht, teilte Pfau mit. Ein Verbindungsbau zwischen den beiden Jurten dient als Eingangsbereich, von dort geht es dann in die jeweiligen Räume.
Bei der Planung hat Pfau vor allem auf die Verwendung von ökologisch nachhaltigen Bauteilen geachtet. „Nur bei der Plane war das leider nicht möglich“, ergänzte sie. Das Grundgerüst besteht aus Holz, die Dämmung aus Schafwolle. Geheizt wird mit einem Holzofen, der auch zum Kochen genutzt werden kann.
Über 219.000 Euro wird die Baumaßnahme laut Hammer kosten. 180.000 Euro werden mit Fördermitteln des Freistaats Bayern finanziert, so dass ein Eigenanteil von knapp 40.000 Euro übrigbleibt. Zunächst geht es mit den Kanalarbeiten los, danach folgt das Fundament. Die Jurten werden vorgefertigt angeliefert und die erste voraussichtlich im April aufgebaut, berichtete Pfau. Die zweite zirka vier Wochen später.
„Normalerweise wären die Jurten ja jetzt schon fertig“, so Hammer. Aber sie mussten nach der bayerischen Bauordnung als Sonderbau behandelt werden, benötigten also eine Statik und eine Prüfstatik. Kein leichtes Unterfangen, wie Pfau erklärte. Es sei sehr schwer gewesen, jemanden zu finden, der die erforderliche Prüfung für eine derartige Bauform erstellt. Das habe zu einer Bauverzögerung geführt.
Für die Stadt Dinkelsbühl hat die zusätzliche Jurten-Gruppe nun gleich mehrere Vorteile: Zum einen könne der Waldorfkindergarten damit viel wirtschaftlicher arbeiten. Für die Eltern gebe es noch mehr alternative Betreuungsmöglichkeiten. Und: „Wir brauchen diese Plätze ganz dringend für die Stadt“, betonte der OB.
Wer sein Kind in der Jurte unterbringen will, der muss über das zentrale Registrierungsportal der Stadt die Einrichtung „Naturkindergarten Waldorf Jurte“ auswählen. Getragen wird der Kindergarten vom Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik Dinkelsbühl in freier Trägerschaft.