Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh (CSU), der in eine vierte Amtszeit starten will, und sein parteiloser, von drei Parteien und Gruppierungen unterstützter Herausforderer Dr. Ulrich Grünwald sind sich weiter uneins über das Format eines direkten Gesprächsformats. Ruh wirft Grünwald jetzt vor, die „sachliche Ebene verlassen” zu haben.
Konkret geht es um einen Podcast. Bei diesem Medium zeichnen Gesprächspartner ein Gespräch zu bestimmten Themen auf, das dann im Internet abrufbar ist. Amtinhaber Ruh hatte diese Version der Diskussion als geeignetere Version vorgeschlagen, nachdem er eine Einladung zu einer Podiumsdiskussion, die von Grünwald und seinen Unterstützenden initiiert werden sollte, nicht angenommen hatte.
Ruh wiederum schickte an seinen Herausforderer in der vergangenen Woche eine Einladung. Als Moderator brachte er einen CSU-Kommunalpolitiker aus einem Nachbarlandkreis ins Spiel, der eine „neutrale Abfolge von Themen gewährleisten” sollte, wie er Grünwald in einer E-Mail versicherte. Da dieser in Ansbach berufstätig sei, habe er einen geeigneten Aufnahmeraum in Ansbach in der CSU-Geschäftsstelle reserviert. Als Termin schlug er den 26. Februar vor. Die Themenabfolge sollte Grünwald vorab zur Verfügung gestellt werden.
Grünwald findet, dass sich Ruh mit dem Terminvorschlag viel zu lange Zeit gelassen hat und schreibt in seiner Antwort: „Zwei Monate sind ein bemerkenswert langer Zeitraum für diese doch überschaubare Aufgabe.” In seinem, Grünwalds, „professionellen Umfeld” sei es indes selbstverständlich, dass Ort, Termin und Gesprächspartner für ein gemeinsames Treffen zunächst abgestimmt und anschließend vereinbart würden.
„Da Ihnen diese einfachsten Umgangsformen im Geschäftsleben gewiss vertraut sind, kann ich Ihre Einbestellung in die Geschäftsstelle der CSU zu einem von Ihnen vorgegebenen Termin, zu einem Interview mit von Ihnen vorgegebener Themenfolge, das von einem mir unbekannten CSU-Kandidaten für den Stadtrat von Gunzenhausen durchgeführt werden soll, nur als eine geplant nicht annehmbare Einladung verstehen”, hat Grünwald Ruh geantwortet.
Dieses „Vorgehen” stehe „evident im Widerspruch” zu der vom Feuchtwanger CSU-Ortsvorsitzenden Herbert Lindörfer Anfang Februar vorgeschlagenen Vorgehensweise, nämlich dass unter anderem ein neutraler Sprecher zur Verfügung gestellt, werde. Ein solches Vorgehen setze voraus, dass „Themenauswahl, Ablauf und Veröffentlichung gemeinsam abgestimmt werden und nur dann umgesetzt werden, wenn alle Beteiligten das Gesamtkonzept mittragen”, schreibt der Herausforderer.
Patrick Ruh liest an dieser Kritik am Podcast-Format ab, dass es Grünwald „von Anfang an nicht um eine sachliche Auseinandersetzung” gegangen sei. Während er Sachthemen in den Vordergrund stelle, sehe er „bei dem politischen Wettbewerb in den letzten Wochen” aber zunehmend ein „unter die Gürtellinie“ gehen. Informationen würden weggelassen, so Ruh in seiner Stellungnahme, persönliche Angriffe würden „geritten“.
Und kontert: Zunächst sei ihm ein Termin für eine Kandidatendiskussion am 2. Februar ohne Abstimmung hierzu vorgegeben worden, dann einer zum 24. Februar, wieder ohne Abstimmung. Dies, obwohl alle Stadträte seit dem 16. Dezember zur Vorbereitung des Haushaltes 2026 am Abend des 24. Februar eingeladen seien. Ruh weist Grünwalds Vorwurf zurück, dieser sei vom Amtsinhaber zu einem Podcast am 26. Februar „einbestellt” worden.
Zur Veranstaltung von SPD, „Wir”/Grünen und Wir wollen Wandel am Dienstag, 24. Februar, werde der Eindruck erweckt, der Seniorenbeirat und der Jugendbeirat würden sich beteiligen. Der Seniorenbeirat hat laut Ruh diese Einladung jedoch mit dem Hinweis auf seine politische Neutralität im Wahlkampf abgelehnt.
Das Format eines Podcast sei als „strukturiertes Gesprächsangebot” zwischen ihm und Grünwald konzipiert gewesen. Maßgeblich dabei sei vielmehr die Fähigkeit, „ein solches Format selbstständig inhaltlich fundiert, präzise und argumentativ tragfähig” zu gestalten. Darin erweise sich, ob die „fachliche Tiefe, die Konsistenz der Positionen und die kommunikative Klarheit” vorhanden seien, „die für die Führungsverantwortung eines Rathauschefs unerlässlich sind”.
Für einen Herausforderer, „der bislang keine operative politische Verantwortung getragen hat und zugleich von unterschiedlichen politischen Gruppierungen unterstützt wird, ist eine solche Konkretisierung zweifellos herausfordernd”, ist Ruh überzeugt.