Hiobsbotschaft in Leutershausen: Kosten der Kläranlage steigen enorm | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.11.2024 11:00

Hiobsbotschaft in Leutershausen: Kosten der Kläranlage steigen enorm

Turnhalle statt Wirtshaussaal: In ungewohnter Umgebung fand die jüngste Bürgerversammlung in Leutershausen statt. Vor rund fünf Dutzend Zuhörern referierten Bürgermeister Markus Liebich (am Mikrofon) und Vertreter der Fachressorts der Stadtverwaltung mehr als dreieinhalb Stunden lang. (Foto: Najib Anjoka)
Turnhalle statt Wirtshaussaal: In ungewohnter Umgebung fand die jüngste Bürgerversammlung in Leutershausen statt. Vor rund fünf Dutzend Zuhörern referierten Bürgermeister Markus Liebich (am Mikrofon) und Vertreter der Fachressorts der Stadtverwaltung mehr als dreieinhalb Stunden lang. (Foto: Najib Anjoka)
Turnhalle statt Wirtshaussaal: In ungewohnter Umgebung fand die jüngste Bürgerversammlung in Leutershausen statt. Vor rund fünf Dutzend Zuhörern referierten Bürgermeister Markus Liebich (am Mikrofon) und Vertreter der Fachressorts der Stadtverwaltung mehr als dreieinhalb Stunden lang. (Foto: Najib Anjoka)

Die Hiobsbotschaft hoben sich die Verantwortlichen bis zum Ende der mehr als dreieinhalbstündigen Bürgerversammlung auf: Statt der zuletzt avisierten 11,3 Millionen Euro wird die Kläranlagen-Sanierung in Leutershausen vermutlich 14,3 Millionen Euro kosten, also etwa ein Viertel mehr als geplant.

Das werden die Bürgerinnen und Bürger, auf die heuer bereits 80 Prozent der bislang angepeilten Kosten per Abschlagszahlungen umgelegt wurden, im Jahr 2026 bei der Endabrechnung spüren. Denn die dann fällige Schlussrate wird nicht wie vorgesehen nur die Hälfte der beiden bisherigen 40-Prozent-Tranchen betragen, sondern mindestens nochmal so viel, kündigte Dietrich Negrea, Vorstand des Kommunalunternehmens KUL, an: 45 statt 20 Prozent.

Den Rest überließ er dem Techniker: Ingenieur Marcus Stieber kam nach 22 Uhr die Aufgabe zu, die Hintergründe der drastischen Planüberschreitung zu erklären. Der wartete mit dem Thema bis ganz zum Schluss seines Vortrages und berichtete zunächst ausführlich über den Baufortschritt, der im Zeitplan liege. Bis zum Jahresende werde das neue Klärwerk seine volle Leistung entfalten: „Die Anlage reinigt so, wie sie soll.“


„Wir haben viel im Trüben gefischt“

Marcus Stieber, Ingenieur

Das war es dann aber auch schon mit den guten Nachrichten. Denn dann kam Stieber auf die Kosten zu sprechen. Mehrere Gründe skizzierte er für das massive Plus: Das Bauen im Bestand, die dafür notwendigen Provisorien, unerwartete Hindernisse, versteckte Schäden und Erweiterungen im Lauf des Baus listete er auf. „Wir haben viel im Trüben gefischt. Teilweise fehlten Bestandspläne, oder sie waren undurchsichtig“, erklärte er zu den Überraschungen, auf die man bei dem Projekt gestoßen sei.

Doch es habe auch Änderungen der ursprünglichen Pläne gegeben, so der Ingenieur. Das Betriebsgebäude habe man erweitern müssen, um eine größere Schlammpresse unterzubringen. In den letzten Jahren sei nämlich immer mehr Klärschlamm angefallen. Weshalb dies nicht von Anfang an berücksichtigt wurde, erläuterte Stieber nicht. Außerdem habe man auf Verlangen des Landratsamtes eine zusätzliche Messstrecke für die von der Färberei TVU eingeleiteten Abwässer in dem Gebäude vorsehen müssen.

Nicht geplant gewesen sei der vom TÜV geforderte Austausch eines maroden Gasbehälters, und auch das Räumschild in einem Vorklärbecken sei unerwartet „nur noch ein Rosthaufen“ gewesen. „Das Zeug ist einfach alt“, lautete das Fazit des KUL-Mitarbeiters. Teurer werde auch das Wiederherstellen der beim Bau in Mitleidenschaft gezogenen Verkehrswege. So sei eben eins zum anderen gekommen – in der Summe samt einer ebenfalls in dieser Form nicht vorgesehenen Photovoltaikanlage rund drei Millionen Euro.

Sparpaket wurde bereits geschnürt

Um die Mehrkosten abzufedern, habe man sich im KUL auch Gedanken über mögliches Einsparpotenzial gemacht und ein „Sparpaket geschnürt“, das rund 800.000 Euro ausmachen würde. Doch der zähneknirschende Verzicht auf einzelne Maßnahmen, etwa die Betonsanierung an einem Vorklärbecken aus den 60er-Jahren, würde später Folgekosten nach sich ziehen, so Stieber – das sei also ein „Abwägungsprozess“.

Weitere größere Unbill drohe beim aktuellen, fortgeschrittenen Stand nicht mehr, betonte der Ingenieur. Man habe jetzt „relativ auf der sicheren Seite gerechnet“. Nicht erneuert werden müsse der bislang unberücksichtigte Faulturm, der „den Ansprüchen genügt“.

Stieber kündigte an, die Mehrkosten würden in einer öffentlichen Sitzung des KUL-Verwaltungsrates noch ausführlich beleuchtet. Die Preisexplosion wurde dem Gremium zwei Tage vor der Bürgerversammlung nichtöffentlich unterbreitet. Inzwischen hat die Fraktion ALL/Grüne beantragt, Ursachen der Kostensteigerung sowie Handlungsoptionen öffentlich im Stadtrat zu behandeln. Dazu sollen dann auch Vertreter des Planungsbüros eingeladen werden.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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