So manch einer der Anwohner in Geisengrund darf sich seit ein paar Tagen verwundert die Augen reiben und den Amtsschimmel wiehern hören: Nach der Einrichtung einer Baustelle im Auftrag des Staatlichen Bauamtes ist nun auch die letzte offizielle Zufahrt in den kleinen Stadtteil dicht.
Wer in dem malerisch gelegenen Fleckchen wohnt und in Ansbach arbeitet, fährt zumeist über Schalkhausen in die Stadt. Doch die kürzeste Verbindung ist bereits seit Wochen dicht: Die städtische Baubehörde stellt gerade die Sanierung des zweiten Abschnitts der Verbindungsstraße fertig. Noch fehlen Markierungen, weshalb die Straße ab Höhe des Sportplatzes gesperrt ist. Frühestens Ende dieser Woche sollen nach Auskunft der Bauverwaltung die Arbeiten fertig sein.
Bislang mussten die Anwohner deshalb über den Zeilberg ausweichen und am Abzweig Elpersdorf nach rechts in Richtung Geisengrund abbiegen. Doch auch diese Möglichkeit besteht inzwischen nicht mehr – zumindest nicht, wenn man sich an gültige Regularien der Straßenverkehrsordnung hält.
Auf einem großen Hinweisschild etwa hundert Meter vor dem Kreuzungsbereich wird auf die Abbiegemöglichkeit nach Geisengrund hingewiesen. Ein paar Meter weiter im Baustellenbereich wird just diese Möglichkeit aber wieder ausgeschlossen. Das dazugehörige Schild ist eindeutig: Der weiße Pfeil auf blauem Untergrund weist Verkehrsteilnehmer an, an dieser Stelle nur geradeaus zu fahren. Was im Umkehrschluss heißt: Eine Zufahrt nach Geisengrund ist momentan nur aus Richtung Aurach möglich.
Auf diesen Umstand hatte Ansbachs Baudirektor Jochen Büschl die Fach-Kollegen im Staatlichen Bauamt bereits Anfang vergangener Woche in einem Schreiben hingewiesen. Da ging Büschl noch davon aus, dass die Arbeiten zum Bau der provisorischen Ampel nur im Seitenraum stattfinden und somit keine Sperrung erforderlich wird.
Doch das Gegenteil war der Fall, wie BAP-Stadtrat Manfred Stephan bemerkte und noch am Dienstagabend die städtische Verwaltung inklusive Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) informierte. „Die Geisengrunder sind nicht Menschen zweiter Klasse“, zeigte sich Stephan in einem Schreiben an die FLZ sehr befremdet vom Vorgehen des Staatlichen Bauamtes. Von einem Bauträger könne man erwarten, dass er sich um die eigene Baustelle kümmere und die Örtlichkeit kenne, monierte der Fraktionschef der Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser im Stadtrat nach einem Telefonat mit dem für die Baustelle zuständigen Mitarbeiter.
Doch verbessert hat sich die Situation nicht. Auch nicht, nachdem Baudirektor Büschl tags darauf zwei weitere, unmissverständlich formulierte Mails an das Staatliche Bauamt richtete.
Darin bat Ansbachs Baudirektor darum, sicherzustellen, dass bis zum Abschluss der städtischen Straßenarbeiten und der dazugehörigen Freigabe der Ortsverbindungsstraße zwischen Geisengrund und Schalkhausen sämtliche Abbiegemöglichkeiten an der Kreuzung aufrecht erhalten bleiben. Büschl machte darin ebenfalls deutlich, dass eine Umleitung nach Geisengrund über Wüstenbruck nicht infrage kommen könne. Dabei handelt es sich um einen Schotterweg, der für einen Normalbetrieb nicht geeignet ist.
Doch auch diese Mail hatte keine Antwort zur Folge – auch am Montag blieb die Zufahrt über die Staatsstraße 1066 offiziell gesperrt. Das Staatliche Bauamt sieht das jedoch anders, wie eine Nachfrage ergab. „Die Zufahrt nach Geisengrund ist aktuell noch über die St 1066 bei Elpersdorf möglich“, schreibt die Behörde.
Auch das Links-Abbiegen nach Elpersdorf soll laut Staatlichem Bauamt derzeit noch erlaubt sein. Allerdings war der entsprechende Hinweis an der großen Verkehrstafel am Montagmorgen durchgestrichen.
Dieser Text wurde erstmals am 7. Oktober 2024 veröffentlicht.