Heimische Jäger mahnen: Auf keinen Fall wilde Jungtiere anfassen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.03.2025 09:00

Heimische Jäger mahnen: Auf keinen Fall wilde Jungtiere anfassen

Vor allem junge Feldhasen werden häufig „Opfer“ von gut gemeinter Tierliebe, weil sie ohne das Muttertier vermeintlich verlassen auf Wiesen oder Feldern hocken. (Foto: Carmen Frisch)
Vor allem junge Feldhasen werden häufig „Opfer“ von gut gemeinter Tierliebe, weil sie ohne das Muttertier vermeintlich verlassen auf Wiesen oder Feldern hocken. (Foto: Carmen Frisch)
Vor allem junge Feldhasen werden häufig „Opfer“ von gut gemeinter Tierliebe, weil sie ohne das Muttertier vermeintlich verlassen auf Wiesen oder Feldern hocken. (Foto: Carmen Frisch)

Um den Nachwuchs heimischer Wildtiere zu schützen, sollten Besucher in Wald und Flur Rücksicht nehmen. Man sollte der Versuchung widerstehen, die Kleinen anzufassen und mitzunehmen, wenn sie allein angetroffen werden.

Die Problematik ploppt jedes Jahr auf. In der Brut- und Aufzuchtzeit bringen Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt. Norbert Wanka, Vorsitzender des Neustädter Jägervereins (300 Mitglieder), bekam kürzlich wieder einen dieser Anrufe, bei dem er klar machen musste, dass die Mitnahme von Jungtieren aus der freien Natur und ihre Aufzucht in Privathaushalten verboten ist.

„Man macht sich keine Vorstellung, wie viel Menschen glauben, dass es sich bei einem entdeckten Junghasen oder Rehkitz um ein verwaistes Tier handelt“, erzählt er. „Dann wird es auch noch unsachgemäß mit den bloßen Händen angefasst.“

Die Rolle des Geruchssinns

Der Wildtierhilfe Mittelfranken würden immer wieder „vermeintliche Waisen übergeben“, so Norbert Wanka. Falsch verstandene Tierliebe mache die Wildtiere dann tatsächlich zu Waisen und führe schlimmstenfalls zum Tod. „Haftet menschlicher Geruch am Nachwuchs, verstoßen Häsin oder Ricke ihr Junges – und es muss verhungern.“

Zum Schutz vor natürlichen Fressfeinden wie Füchsen werden Rehkitze und Junghasen in den ersten Lebenswochen von ihren Müttern im hohen Gras oder am Waldrand abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht. Die Jungen haben noch keinen Eigengeruch und sind dank ihrer Färbung gut getarnt. Droht Gefahr, flüchten sie nicht, sondern ducken sich instinktiv. Ein angeborener Schutzreflex, der Rehkitze oder Junghase dann zum Verhängnis wird, wenn Menschen ihnen zu nahe kommen und sie berühren.

Ein fremder Geruch auf dem Fell könne dazu führen, dass Eltern ihre Jungtiere aufgeben. Vor allem junge Feldhasen würden häufig „Opfer“ von gut gemeinter Tierliebe, weil sie ohne das Muttertier vermeintlich auf Wiesen oder Feldern hocken, betont der Jägervereinsvorsitzende.

Regungslos am Boden

Dieses Verhalten sei für Feldhasen jedoch normal. Die Jungen seien Nestflüchter und die Häsin komme nur ein- bis zweimal täglich – meist in der Dämmerung – zum Säugen. Hasenmütter würden ihre Jungen nicht mehr zum Säugen annehmen, wenn sie einen menschlichen Geruch an sich tragen.

Feldhasen graben keine Bauten. Ähnlich wie das Rehwild bevorzugen sie „deckungsreiche Lebensräume“ mit frischem Grün und vielen Kräutern. Die Jungtiere werden in flachen Erdkuhlen (Sassen) abgelegt, wo sie gut getarnt sind. Auch Küken von Stockente, Feldlerche oder Fasan bevölkern im Frühjahr Wiesen und Äcker.

Bachen verteidigen den „Wurfkessel” für ihre Frischlinge vehement

Auch die Wildschweine bekommen im Frühjahr Nachwuchs. Hier kümmert sich ebenfalls ausschließlich das Muttertier, die Bache, um die Frischlinge. Anders als bei Rehen und Hasen baut die Bache einen gut versteckten Unterschlupf, wo sich die Kleinen zusammen mehrere Wochen lang aufhalten.

Verein

Wildtierhilfe Mittelfranken

Die Wildtierhilfe Mittelfranken ist eine Anlaufstelle für Notfälle heimischer Wildtierarten. Der gemeinnützige Verein agiert als Bindeglied zwischen Jägern, Landwirten, Natur- und Tierliebhabern.

Verletzte, verwaiste oder kranke Wildtiere werden sachkundig versorgt, damit sie – in Absprache mit den jeweiligen Jagdpächtern – aufgepäppelt und wieder ausgewildert werden können. Mit Drohnen, ausgebildeten Hunden und freiwilligen Helfern werden vor der Mahd die Wiesen nach Jungtieren abgesucht.

Schwieriger wird es, wenn Bachen, Geißen oder Alttiere mit prallem Gesäuge bei Verkehrsunfällen getötet wurden. Dann geht es darum, mit speziell ausgebildeten Nachtsuchhunden die zugehörigen Jungtiere aufspüren. Der Verein kümmert sich um die Versorgung und Unterbringung der Tiere.

Das Notfalltelefon der Wildtierhilfe ist rund um die Uhr unter der Rufnummer 0151/42077888 erreichbar.

    Dieser „Wurfkessel“ wird von der Bache vehement verteidigt. Sowohl gegen Artgenossen, als auch gegen Hunde und Menschen. Eine Begegnung erfordert „maximale Aufmerksamkeit“, da eine falsche Bewegung oder ein verräterisches Quieken die Bache alarmieren und zum Angriff animieren könnte. Man sollte sich langsam entfernen und die Jungtiere keinesfalls berühren.

    Nur ein offensichtlich krankes, verletztes oder nachweislich verwaistes Tier sei hilfebedürftig. Im Zweifelsfall sollten Tierfreunde den örtlich zuständigen Jagdpächter informieren, der den Zustand des Jungtieres einschätzen kann, oder sich an die Gemeinde beziehungsweise Polizei wenden. Frei laufenden Hunden sind Wildtierkinder in der Brut- und Aufzuchtzeit schutzlos ausgeliefert. Jeder Hund hat einen Jagdtrieb, auch wenn er bei verschiedenen Rassen unterschiedlich ausgeprägt und bei vielen Hundehaltern nicht mehr erwünscht ist.

    Die bloße Anwesenheit von Hunden kann Wildtiere gefährden

    „Ich habe selbst einen Hund“, sagt Norbert Wanka. Für einen Hund gebe es zwar nichts Schöneres, als ohne Leine in der Natur herumzutollen. Aber schon seine bloße Anwesenheit kann dazu führen, Wildtiere zu gefährden. Allein der Geruch eines Hundes kann bewirken, dass das Muttertier den Nachwuchs verlässt.

    Bodenbrüter wie Feldlerchen, Rotkehlchen oder Rebhühner verlassen bei Gefahr fluchtartig ihren Brutplatz. Während ihrer Abwesenheit kann das Gelege auskühlen oder Nesträubern zum Opfer fallen. Man könne nur immer wieder an Naturbesucher appellieren, ihre Hunde an der Leine zu führen und besonders in der Brut- und Setzzeit die Wege nicht zu verlassen.

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