Haustierwunsch bei Kindern – worauf Familien achten sollten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.01.2026 00:07

Haustierwunsch bei Kindern – worauf Familien achten sollten

Haustiere sind keine Kuscheltiere und sollten Kindern nur unter Aufsicht nahekommen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Haustiere sind keine Kuscheltiere und sollten Kindern nur unter Aufsicht nahekommen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Haustiere sind keine Kuscheltiere und sollten Kindern nur unter Aufsicht nahekommen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Neues Jahr, neues Haustier? Wenn es nach den jüngsten Familienmitgliedern geht, ist der tierische Neuzugang schon beschlossene Sache. Doch ab welchem Alter können Kinder tatsächlich Verantwortung übernehmen? Und wie finden Eltern heraus, ob ein Tier wirklich zum Alltag passt?

Verantwortung liegt bei den Eltern

 „Unabhängig davon, ob es sich um jüngere Kinder oder Teenager handelt – den Eltern muss klar sein, dass die Verantwortung immer bei ihnen liegt“, sagt Nadia Wattad, Pressereferentin beim Deutschen Tierschutzbund. Selbst wenn Kinder versprechen, sich zuverlässig zu kümmern, halte das oft nicht lange an.

Man dürfe sich nie darauf verlassen, dass zum Beispiel das Katzenklo oder das Gehege der Meerschweinchen von allein gesäubert wird. Eltern müssten im Zweifel bereit sein, diese Aufgaben selbst zu übernehmen. Wie viel Kinder letztendlich beitragen können, hängt stark vom Alter ab. 

Kinder müssen Umgang lernen

Kindergartenkinder können die Bedürfnisse eines Tieres oft noch nicht richtig einschätzen. Sie wissen zum Beispiel nicht, wann ein Hund nach draußen muss oder ein Gehege gereinigt werden sollte. „Kinder müssen erst lernen, mit dem jeweiligen Tier umzugehen“, sagt Wattad. Die Eltern sollten immer dabei sein, um sowohl das Kind als auch das Tier zu schützen. 

Trotzdem können Kinder früh in die Versorgung eingebunden werden. Sie können etwa beim Füttern helfen oder mit Unterstützung Näpfe und Gehege saubermachen. Dadurch entwickeln sie ein Bewusstsein für die Bedürfnisse des Tieres.

Passt ein Tier in den Familienalltag?

Ob der Wunsch nach einem Tier dauerhaft bleibt, lässt sich schwer vorhersagen. Wattad rät, den Kontakt zu Tieren zuerst auszuprobieren: „Wenn das Kind begeistert davon ist, zum Beispiel als Gassigeher oder Katzenstreichler gemeinsam mit den Eltern ein Tierheim zu besuchen, dann ist das schon mal ein guter Hinweis.“

Auch die Urlaubsbetreuung für ein Tier zu übernehmen, kann ein realistisches Bild vermitteln. Vor einer Anschaffung sollten Familien grundlegende Fragen klären:

  • Reicht die Zeit für tägliche Pflege?
  • Können laufende Kosten getragen werden?
  • Was ist, wenn ein Tier krank wird?
  • Gibt es eine Urlaubsbetreuung?
  • Hat jemand Allergien?

Und klar ist: Verliert ein Kind später das Interesse, bleibt die Verantwortung bei den Erwachsenen. Tiere seien schließlich keine Sachen, die man einfach so bei Nichtgefallen zurückgeben kann, so Wattad. 

Ein Haustier als Geschenk?

Von Haustieren als Geschenk, etwa zum Geburtstag, Ostern oder Weihnachten, raten Tierschutzorganisationen grundsätzlich ab. Nadia Wattad weist ebenfalls darauf hin, dass ein Tier ein Lebewesen ist und kein Spielzeug oder Pullover, den man wieder umtauschen kann. 

Nur wenn die Entscheidung lange vorbereitet wurde, käme ein Haustier als Geschenk infrage. Auch, weil viele Menschen sich dann extra freinehmen beziehungsweise über die Feiertage ohnehin freihaben. Gleichzeitig könne der Trubel dann aber auch zu viel sein. 

Sind Kleintiere besser geeignet?

Auch die Wahl der Tierart wird häufig unterschätzt. Die falsche Vorstellung, dass bestimmte Tiere gut für Kinder geeignet seien, hält sich hartnäckig. „Prinzipiell ist kein Tier dazu da, um uns zu bespaßen“, sagt Sabrina Karl, Heimtierexpertin bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. 

Jedes Tier habe seine eigenen Bedürfnisse, die gesehen und erfüllt werden müssen. Kinder könnten zwar manche Tiere mitbetreuen, aber immer nur unter Aufsicht. Gerade Kleintiere gelten oft als unkompliziert, allerdings zu Unrecht.

 Bei Kleintieren wie Hamster und Co. werde oft vergessen, dass sie dämmerungs- und nachtaktiv sind und am Tag schlafen, wenn die Kinder wach sind, so Karl. Auch Kaninchen und Meerschweinchen wollen weder ständig hochgehoben noch ausgiebig gekuschelt werden.

Stress beim Tier vermeiden

Viele Tiere reagieren zudem empfindlich auf Lärm, hastige Bewegungen oder spontane Annäherungen. Laut Sabrina Karl führt aufdringliches Verhalten dem Tier gegenüber immer zu Stress. Selbst bei gut erzogenen Hunden gilt: Kinder und Heimtiere sollten nie allein zusammengelassen werden. Ein erschreckter Hund kann schnappen. 

Damit Kinder und Tiere sicher zusammenleben, sollten Eltern früh lernen, die Körpersprache ihres Tieres zu lesen. „Jede Tierart zeigt subtile und eindeutige Stresssignale“, sagt Karl. Kinder könnten mithilfe bebilderter Bücher lernen, wann ein Tier Nähe möchte und wann Abstand. 

Kind und Haustier: So gelingt das Zusammenleben

Wenn Erwachsene zu viele Aufgaben an Kinder abgeben, kann das schwere Folgen haben. Die Gefahr liege darin, dass die artgemäßen Bedürfnisse des Tieres nicht gesehen und befriedigt werden, so Karl. Das könne zu Krankheiten und Konflikten führen, etwa wenn ein bedrängtes Tier kratzt oder beißt. Kinder könnten sich wiederum überfordert oder frustriert fühlen. 

Damit das Zusammenleben gelingt, braucht es Vorbereitung, Wissen und klare Regeln. Karl empfiehlt, über Bedürfnisse verschiedener Tierarten zu sprechen, sich mit erfahrenen Tierhaltern auszutauschen und erste Tierkontakte behutsam und begleitet zu gestalten. Dann kann das Zusammenleben für Kinder und Tiere zu einer wertvollen Erfahrung werden.

© dpa-infocom, dpa:260128-930-611365/1


Von dpa
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