Feuchtwangen bekommt ein Filmfestival | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.10.2023 23:15

Feuchtwangen bekommt ein Filmfestival

Erläuterten die Idee hinter dem Filmfestival Beyond: der Filmemacher Ludger Pfanz (links), Kulturbüroleiterin Dr. Maria Wüstenhagen und Wolfgang Grebenhof vom Verein KulturKino Feuchtwangen. (Foto: Thomas Wirth)
Erläuterten die Idee hinter dem Filmfestival Beyond: der Filmemacher Ludger Pfanz (links), Kulturbüroleiterin Dr. Maria Wüstenhagen und Wolfgang Grebenhof vom Verein KulturKino Feuchtwangen. (Foto: Thomas Wirth)
Erläuterten die Idee hinter dem Filmfestival Beyond: der Filmemacher Ludger Pfanz (links), Kulturbüroleiterin Dr. Maria Wüstenhagen und Wolfgang Grebenhof vom Verein KulturKino Feuchtwangen. (Foto: Thomas Wirth)

Eine Festspielstadt ist Feuchtwangen seit 75 Jahren. Jetzt kommt zum Theater der Film dazu. „Beyond“ heißt das Filmfestival, das vom 10. bis 12. November im KulturKino stattfinden wird. Der Filmemacher und Medienkünstler Ludger Pfanz bringt es nach Feuchtwangen. Für ihn ist das eine Rückkehr zu seinen Anfängen.

Beyond – der Festivalname ist Konzept. Er meint „darüber hinaus“, erklärt Ludger Pfanz, „über die Grenzen hinausdenken“. Beyond versteht sich als „kreativer Zusammenschluss von Wissenschaft, Technologie und Medienkunst“, als Laboratorium für neue Kunstformen und „neue Narrative für die Zukunft“.

Festival 2011 in Karlsruhe gegründet

Zusammen mit der Regisseurin Gülsel Özkan hat Ludger Pfanz das Festival 2011 im Karlsruher ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien, gegründet. Jetzt will er es in Feuchtwangen etablieren. Die erste Auflage im November soll ein „Appetithäppchen“ sein, sagt der Filmemacher und Hochschullehrer. Er will damit das Festival und sein „Future Design Institute“ vorstellen.

Elf Filme, kurze und abendfüllende, stehen in den drei Tagen auf dem Programm. Mit drei Schlagworten bringt es der preisgekrönte Filmemacher auf den Punkt: Utopie, Dystopie und Comedy.

Anders gesagt: Es geht um die Zukunft, darum, wie sie zu hoffen wäre und darum, wie sie hoffentlich nicht wird. Schwere Themen also, von Klimawandel bis hin zu Bevölkerungspolitik. Für Ludger Pfanz gehört daher „Comedy“ unbedingt dazu, „denn Lachen befreit“. Es macht frei, um über die Grenzen hinauszudenken.

Filmleute zu Gast

Noch etwas ist ihm sehr wichtig: das Erlebnis, einen Film zusammen mit anderen im Kino zu sehen und sich darüber auszutauschen. Ein Event soll das Festival werden. Dass Menschen, die an einem Film mitgewirkt haben und darüber mit dem Publikum sprechen, beim Festival auftreten, gehört für ihn ebenfalls dazu. Das war bei Beyond bisher die Regel und soll es auch in Feuchtwangen werden. Ein Filmwettbewerb soll außerdem in Zukunft damit verbunden sein.

Dass das Festival in den ehemaligen Regina-Lichtspielen stattfinden kann, freut Ludger Pfanz besonders. Er kennt das kleine Filmtheater, in dem seit eineinhalb Jahren der Verein KulturKino Feuchtwangen ein ambitioniertes Programm zeigt, schon lange.

Ludger Pfanz stammt aus Schopfloch, dort ist er 1958 geboren und aufgewachsen. In Dinkelsbühl machte er sein Abitur. In Feuchtwangen etablierte er als Schüler mit seinen Freunden in den Regina-Lichtspielen ein Montagsprogramm – eine Tradition, die das KulturKino fortführt.

Pfanz kehrt nach Schopfloch zurück

Derzeit lebt Ludger Pfanz in Ettlingen bei Karlsruhe. Im nahen Ruhestand sieht der weit gereiste Künstler seinen Lebensschwerpunkt wieder mehr in Schopfloch. Ein Filmstudio habe er sich in seinem Elternhaus schon eingebaut. Da lag die Idee nahe, Beyond nach Feuchtwangen zu verlegen.

Der KulturKino-Verein ist da gerne dabei. Er kann damit sein Profil schärfen – und das der Stadt. „Ein Filmfestival ist ja auch immer mit dem Namen der Stadt verbunden“, sagt Vorstandsmitglied Wolfgang Grebenhof, „insofern könnte es auch ein großes Aushängeschild für Feuchtwangen werden.“

Dr. Maria Wüstenhagen, die Leiterin des Feuchtwanger Kulturbüros, ist von Beyond begeistert, weil es sehr gut zu dem einzigartigen KulturKino passe: „Wir sind bestimmt schon seit zwei Jahren in Kontakt und haben überlegt, wie kann man dieses tolle Festival mit diesem tollen Konzept, das weit über Film hinausgeht und viel in die Zukunft denkt, wie kann man das am besten nach Feuchtwangen bringen?“

Sehr froh ist die Kulturbüro-Leiterin daher, dass der Kulturausschuss der Stadt schon Anfang des Jahres beschloss, das Festival mit 2000 Euro als Starthilfe zu unterstützen.

Vom Tanzfilm bis zur Satire

Was wird zu sehen sein? „Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“, Wim Wenders Tanzfilm-Dokumentation über die epochemachende Choreographin Pina Bausch (10. November, 20.15 Uhr).

Ludger Pfanz schildert eine legendäre Boykott-Aktion, mit der die Versenkung einer Öllager-Plattform im Meer verhindert wurde: „Brent Spar – Greenpeace gegen Shell“ (11. November, 19.30 Uhr). Gülsel Özkan setzt sich in „Heimatweh“ mit dem Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei vor 100 Jahren auseinander, einer in aller Härte betrieben Zwangsumsiedlung (11. November, 21.30 Uhr).

Mit „The Great Green Wall“ stellt Jared P. Scott ein besonderes Zukunftsprojekt vor: Quer durch Afrika soll eine 8000 Kilometer lange grüne Mauer aus Bäumen gepflanzt werden (12. November, 19.30 Uhr).

Außerdem werden Filme von Jens Willms, Dominik Thiel, Alena Pfanz, Gerrit Kuge und Victor van Wetten gezeigt. Und auch der Kurzfilm „Der Schwarzarbeiter“ ist darunter. Die preisgekrönte Satire stammt von Gülsel Özkan und Ludger Pfanz.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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