Neuer Vertrag, neue Wege: Darauf haben zahlreiche Akteure in der Region für die dieselbetriebenen Nebenstrecken der Bahn gehofft. Nun bereitet die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) die Ausschreibung des Zugbetriebs auf jenen Linien für die Zukunft vor. Wer allerdings auf eine Abkehr vom Verbrenner gehofft hat, dürfte enttäuscht werden.
Am 31. März veröffentlichte die BEG auf dem digitalen Vergabeportal der EU die Vorinformation, 2026 den „Regionalverkehr Nürnberger Umland” ausschreiben zu wollen. Der neue Vertrag soll von 2031 bis mindestens 2037 oder noch bis zu drei Jahre länger gelten. Darunter fallen unter anderem die Verbindungen Fürth–Markt Erlbach, Neustadt/Aisch–Steinach, Steinach–Rothenburg, Wicklesgreuth–Windsbach und Pleinfeld–Wassertrüdingen. Sollte die Strecke Dombühl–Wilburgstetten reaktiviert werden, fiele sie auch in das Paket.
Bislang betreibt die Deutsche Bahn (DB) den Regionalverkehr auf diesen nicht elektrifizierten Nebenstrecken, allesamt mit Dieseltriebzügen. Wer auch immer die Ausschreibung gewinnt, muss die Vorgaben einhalten, die von der BEG vorgegeben werden. Die Gesellschaft des Freistaats organisiert den Nahverkehr auf der Schiene in Bayern. Die Gelegenheit also, künftig eine klimaneutrale Antriebsart einzuführen. Sowohl Wasserstoff- als auch Akkutriebzüge sind inzwischen in anderen Regionen Deutschlands im Einsatz.
Für die BEG kommt das allerdings erst einmal nicht in Frage, wie es auf FLZ-Nachfrage heißt. Eine Abkehr vom Diesel sei „im Zeitraum der genannten Ausschreibung nicht vorgesehen”. Dabei hatte genau auf die neue Ausschreibung die Lokalpolitik ihre Hoffnung gesetzt.
Die BEG will im nächsten Jahr die Ausschreibung für das frühere „Dieselnetz Nürnberg” starten. Darin sind quasi alle Nebenstrecken in Mittelfranken enthalten. Konkret sind das:
Betriebsstart wäre im Juni 2031. Der Vertrag läuft dann bis 2037 mit der Möglichkeit, dreimal um ein Jahr zu verlängern.
Die Strecke nach Markt Erlbach etwa ist schon seit Jahren in der Diskussion für einen Wasserstoff-Betrieb. Eine ganze Riege an Politikern aus der Region hatte sich dafür ausgesprochen, darunter auch der hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Träger.
Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel wiederum hatte vor zwei Jahren beklagt, dass auf der Aischgrundbahn bis 2031 – also bis zum neuen Vertrag – „alles beim Alten bleibt”. Er hoffte auf Akku-Züge zur Landesgartenschau 2027. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) versprach damals: „Mein Haus wird gemeinsam mit der BEG prüfen, ob im Zuge der Folgeausschreibung lokal emissionsfreie Akku-Züge zum Einsatz kommen können.“ Das Ergebnis lautet nun also schlicht: nein. Beziehungsweise: Man werde das für den Zeitraum nach 2037 prüfen.
Die BEG begründet das mit zahlreichen Ausbauplänen für die Bahn im Nürnberger Umland. Dabei geht es um vom Bund gesteuerte Elektrifizierungsbemühungen und andere Vorhaben. Die sorgen schon seit Jahren für Ungewissheit. Konkret hängt etwa die Elektrifizierung der Zenngrundbahn nach Markt Erlbach am dritten Gleis zwischen Fürth und Siegelsdorf. Eine Elektrifizierung der Aischgrundbahn und mögliche Einbindung in die S-Bahn Nürnberg werde noch geprüft, berichtet die BEG.
Die Eisenbahngesellschaft verweist in diesen Dingen darauf, dass vom Bund „weder konkrete Planungen noch verlässliche Zeitpläne” vorlägen. Sie seien aber Voraussetzungen für die Angebotsplanung. Heißt: Ohne geklärte Ausbautermine gehe auch kein Verzicht auf den Diesel.
Zumindest in einer Hinsicht ist der „Regionalverkehr Nürnberger Umland” in Zukunft aber emissionsfrei unterwegs: im Namen. In der Vorgänger-Ausschreibung hieß das Paket noch „Dieselnetz Nürnberg”.