Fußballstar Jamal Musiala hat nach seinen jüngsten Aussetzern von „Absencen“ gesprochen - zurückzuführen auf eine „neurologische Dysfunktion“. Fachleuten zufolge können solche Absencen, also Bewusstseinsaussetzer, eine Form epileptischer Anfälle sein.
Der Fall des Profisportlers, der beim FC Bayern München unter Vertrag steht, lenkt den Blick damit auch auf eine Frage, die Menschen mit Epilepsie umtreibt: Was ist mit Epilepsie im Hobbysport möglich und wo liegen Risiken?
Grundsätzlich gilt: Eine Epilepsie bedeutet in nicht automatisch, dass jemand auf Sport verzichten muss. Regelmäßige Bewegung kann vielmehr auch bei Menschen mit Epilepsie zu einer Verbesserung der Fitness, Koordination, des psychischen Wohlbefindens und allgemein der Lebensqualität beitragen.
Welche Sportart geeignet ist, hängt dabei neben persönlichen Präferenzen stark vom Einzelfall und den individuellen Voraussetzungen ab. Entscheidende Faktoren sind zum Beispiel die Form und Häufigkeit der Anfälle, wie gut man einen Anfall und damit einhergehende Risiken selbst einschätzen kann, welche Medikamente man einnimmt sowie die Risiken der jeweiligen Sportart. Das erklärt die gemeinnützige Stiftung Michael in einer Broschüre zum Thema Sport bei Epilepsie.
Beim Joggen, Wandern, Nordic Walking, Skilanglauf oder vielen Ballspielen kann die Situation anders aussehen als beim Klettern, auf dem Fahrrad im Straßenverkehr oder im Wasser.
Wer sich unsicher ist, findet in der kostenlosen Broschüre der Stiftung Michael eine Orientierungshilfe: Für mehr als 60 Sportarten zeigt eine Tabelle, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen Menschen mit Epilepsie bestimmte Sport- und Bewegungsarten mit welchem Risiko ausüben können.
Besondere Vorsicht ist Fachleuten zufolge beim Schwimmen nötig. Wer noch nicht länger anfallsfrei ist, sollte laut Broschüre nur unter enger Aufsicht schwimmen - in einer Gruppe oder eins zu eins mit einer qualifizierten Begleitperson. Eine Schwimmhilfe kann zusätzliche Sicherheit bieten, schützt aber nicht zuverlässig vor dem Ertrinken und darf nur unter Aufsicht verwendet werden.
Außerdem wichtig: Wer eine neue Sportart beginnt, nach längerer Pause wieder einsteigt oder häufig Anfälle hat, bespricht die Belastung am besten zuerst mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Zusätzlich sollte man beim Sport auch immer auf Faktoren achten, die epileptische Anfälle fördern können - und daher vermieden werden sollten. Dazu können unter anderem Unterzuckerung, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel oder bei bestimmten Sportarten und Epilepsien auch die Lichteinwirkung zählen.
Bei einer Absence, also einem meist kurzen Bewusstseinsaussetzer, sind nach Angaben der Broschüre normalerweise keine besonderen Hilfsmaßnahmen nötig. Der Anfall ist oft vorbei, bevor die Umgebung ihn bemerkt. Wichtig ist, auf Verletzungen zu achten und die betroffene Person anschließend über das Geschehen zu informieren.
Bei einem größeren Anfall mit Sturz und Krämpfen sollten gefährliche Gegenstände aus dem Weg geräumt und die Dauer des Anfalls gemessen werden. Die betroffene Person darf nicht festgehalten werden. Sobald es möglich ist, kann sie in die stabile Seitenlage gebracht und der Kopf weich gepolstert werden.
Der Rettungsdienst unter 112 sollte gerufen werden, wenn die Krämpfe länger als fünf Minuten anhalten, der Anfall deutlich länger dauert als sonst, schwere Verletzungen entstanden sind oder vermutet werden, Wasser oder Erbrochenes eingeatmet wurde oder kurz danach ein weiterer Anfall auftritt.
Wer Sport in Gruppen macht, kann einen persönlichen Notfallplan bereitstellen. Der Plan kann Umstehende auf, wie die Anfälle aussehen, wann Hilfe nötig ist und ob die betroffene Person anschließend etwa eine Pause oder Unterstützung auf dem Heimweg braucht.
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