Energiespar-Tipps aus Ansbach für die TVU: Woran es noch hapert | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 04.09.2025 10:00

Energiespar-Tipps aus Ansbach für die TVU: Woran es noch hapert

TVU-Geschäftsführer Christoph Heubeck, Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Jörg Kapischke, Projektverantwortlicher Jan Ninow, TVU-Leiter Betriebstechnik Thomas Strauß und Masterand Nicolas Schafmann (von links) arbeiten zusammen für eine bessere Energienutzung bei der TVU. (Foto: Marc Postler)
TVU-Geschäftsführer Christoph Heubeck, Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Jörg Kapischke, Projektverantwortlicher Jan Ninow, TVU-Leiter Betriebstechnik Thomas Strauß und Masterand Nicolas Schafmann (von links) arbeiten zusammen für eine bessere Energienutzung bei der TVU. (Foto: Marc Postler)
TVU-Geschäftsführer Christoph Heubeck, Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Jörg Kapischke, Projektverantwortlicher Jan Ninow, TVU-Leiter Betriebstechnik Thomas Strauß und Masterand Nicolas Schafmann (von links) arbeiten zusammen für eine bessere Energienutzung bei der TVU. (Foto: Marc Postler)

Die Textilveredlungsunion (TVU) aus Leutershausen ist ein Unternehmen, das sich auf die Veredelung und Weiterverarbeitung von Stoffen spezialisiert hat. Mit Unterstützung der Hochschule Ansbach soll der Energieverbrauch in der Produktion effizienter und nachhaltiger gestaltet werden.

Seit zwei Jahren arbeitet die Hochschule gemeinsam mit der TVU an dem Innovationsprojekt zur „Optimierung der Energieeffizienz und Energiebilanzierung“. Die Leitung liegt bei Prof. Dr.-Ing. Jörg Kapischke, Projektverantwortlicher ist Jan Ninow. Die Hochschule erstellte eine Energiebilanz, die den gesamten Energieverbrauch der TVU erfasst und auswertet. Dadurch können potenzielle Einsparungen mit digitalen Werkzeugen überprüft werden.

Wärmeenergie aus dem Abwasser

Im Rahmen des Projekts entwickelte Nicolas Schafmann, Masterstudent im Bereich Energiemanagement und -technik, ein Konzept zur Integration einer Hochtemperatur-Industriewärmepumpe. Bei der TVU entstehen während der Veredelung von Garnen für Industriezweige wie Heimtextilien und Medizin jährlich rund 160 Millionen Liter warmes Abwasser. Die Pumpe soll dieses Abwasser nutzen, um die darin gespeicherte Wärmeenergie zurückzugewinnen. Das ist die Theorie.

6,8 Millionen Kilowattstunden (KWh) pro Jahr Wärme benötigt das Unternehmen in Leutershausen im Jahr. Sie werden bislang durch Holzverbrennung gewonnen. Nach den Berechnungen Schafmanns ließen sich bis zu 1,2 Millionen KWh effektiver und ökologischer durch eine Wärmepumpe erzeugen. Die Folge wäre zwar auch ein höherer Stromverbrauch. Doch mit rund 320.000 KWh fiele dieser deutlich geringer aus.

Die Wettbewerbsfähigkeit der TVU könne mit dieser Maßnahme erheblich steigen, zeigte sich der Student überzeugt. Wenn das Unternehmen zudem grünen Strom nutze, würde das die CO₂-Einsparung noch deutlich verbessern.

Strompreise sind noch zu hoch

Kleine und mittelständische Unternehmen könnten solche Innovationsprojekte oft nicht alleine umsetzen, gab Kapischke zu bedenken. Aus seiner Sicht ist das Transferprojekt, das mit Mitteln der EU gefördert wird, ein gutes Beispiel, wie die Hochschule hier unter die Arme greifen kann. Sowohl Kapischke als auch Christoph Heubeck, Geschäftsführer bei der TVU, erwarten von der Bundesregierung mehr Unterstützung für mittelständische Unternehmen, vor allem bei der Gestaltung der Strompreise.

Denn: Aktuell würde sich eine Umsetzung des Konzepts für die TVU nicht lohnen – so spannend das Projekt auch wäre. Nach aktuellem Stand wäre die Implementierung der Wärmepumpe aufgrund der Strompreise in Deutschland nicht wirtschaftlich. Zwar stehen Strompreissenkungen im Raum, doch noch sind zu viele Details ungewiss, um bereits jetzt in die Planung einzusteigen.

Stellschrauben bei der Bilanzierung

Alle Beteiligten äußerten sich bei einem Pressegespräch sehr zufrieden über die Fortschritte des Innovationsprojekts. Als Nächstes steht die Lösung für die Unregelmäßigkeit in den Daten an. Bisher beruhte die Energiebilanzierung hauptsächlich auf Werten aus der Vergangenheit. Sinnvoller wäre es, auf aktuelle Daten zugreifen zu können, um den Energieverbrauch genauer und flexibler im Auge behalten zu können.

Für Donnerstag, 9. Oktober, lädt die Hochschule Ansbach zum dritten Forschungs- und Innovationstag ein. Dort werden in Zehn-Minuten-Vorträgen weitere Projekte, Forschungen und Institutionen vorgestellt.


Von Marc Postler
north