Eisi Gulp erzählt in Leutershausen aus seinem Leben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.05.2025 07:00

Eisi Gulp erzählt in Leutershausen aus seinem Leben

Blättert im „Tagebuch eines Komikers“: Eisi Gulp. (Foto: Martina Kramer)
Blättert im „Tagebuch eines Komikers“: Eisi Gulp. (Foto: Martina Kramer)
Blättert im „Tagebuch eines Komikers“: Eisi Gulp. (Foto: Martina Kramer)

Geschichten, die das Leben so schreibt, hat am Samstag der bekannte Komiker, Schauspieler und Pantomime Eisi Gulp zum Besten gegeben. Auf Einladung des Kunst-Kulturvereins Aug und Ohr war er in die Alte Turnhalle von Leutershausen gekommen.

Nach 15-jähriger Bühnenabstinenz hat Eisi Gulp mit seinem neuen Programm „Tagebuch eines Komikers“ wieder in den Live-Modus geschaltet. Das grenze wirklich an harte Arbeit, so der agile Entertainer, dagegen sei die Filmerei eine leichte Fingerübung. Und um dies zu untermauern legt sich der bald 70-Jährige gleich zu Anfang mit einer flotten Tanzeinlage ins Zeug.

Aus dem gebrechlichen Eberhofer-Vater mit dem schlurfenden Gang ist wieder jener Bühnenwirbelwind von einst geworden. Topfit, mit einem Body ,von dem manch Jugendlicher nur träumen kann, ist seine Bühnenpräsenz so unmittelbar wie je. Aber kann es sein, dass man früher über seine Darbietungen mehr gelacht hat?

Das eigene Leben in Höhen und Tiefen

Vielleicht ist das Prinzip, das sich Eisi Gulp für dieses Programm erwählt hat, nicht ganz so glücklich. Das eigene Leben mit all seinen Höhen und Tiefen zum Gegenstand der Betrachtung zu machen, kann mitunter heikel sein. Schwer ist es, die nötige Distanz zu wahren, kniffelig ebenfalls die wesentlichen Schwerpunkte zu setzen, gefährlich die Gratwanderung zwischen Erinnerung und Abrechnung.

Bisweilen franst Eisi Gulps Erzählung ziemlich aus und da solch ein reich gespicktes Leben mit all den Schnörkeln und Einschüben kaum in eine Sequenz zu fassen ist, sind mehrere Teile geplant. Bei dieser Folge kommen wir also ungefähr bis zu Eisis Jugend, von der man sagen kann: Traumata pflasterten den Weg.

Das fängt mit der Geburt im grellen Neonlicht und einem heftigen Klatscher auf den Allerwertesten an. Das erste Trauma, an das sich Eisi Gulp, der eigentlich als Werner Eisenrieder in das Geburtsregister eingetragen wurde, natürlich nur via Erzählung erinnern kann.

Es folgt die Schulzeit, die weitere Traumata durch ungnädige Lehrkräfte hervorruft. Es hagelt wieder Schläge. Schließlich die Jugend, der Wehrersatzdienst und das Freiwillige Jahr in einer katholischen Einrichtung. Letzteres hat den Bruch mit der Kirche zur Folge, wieder ein Trauma, das aus dem ambitionierten Katholiken einen Agnostiker macht.

Verspätete Abrechnung

Dass diese Schilderungen bisweilen den Charakter einer Abrechnung haben, macht die Sache nicht unbedingt lustig. Der Bruch mit der katholischen Kirche, so berechtigt er aus persönlicher Sicht auch sein mag, gerät doch sehr in die Nähe einer allgemeinen Anklage. Das gleiche gilt für die ehemaligen Lehrer. Im Vordergrund stehen die gemeinen Erzieher, die mit dem Rohrstock und den sadistischen Tendenzen. Man hat den Eindruck, da muss jemand noch mal richtig Dampf ablassen. Aber ist das witzig?

Eisi Gulp kann den Moralisten in sich nicht wirklich bezähmen. Das fängt mit der Schilderung eines Auftritts vor saturierten Börsianern an und endet bei der Zugabe mit einer flammenden Verteidigung des Cannabis-Gesetzes. Hier fühlt man sich nun in eine SPD-Wahlveranstaltung versetzt. Spätestens an diesem Punkt dürften all jene enttäuscht gewesen sein, die sich einen lustigen Abend erhofft hatten.


Von Martina Kramer
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