Die Playmobil-Produktion in Deutschland ist Geschichte: Eine Woche vor der offiziellen Schließung des Werks in Dietenhofen sind die verbliebenen Beschäftigten gegen Bezahlung freigestellt worden, berichtet die Deutsche Presseagentur. „Die Produktion ruht“, sagte ein Sprecher des Herstellers Horst Brandstätter Group.
In der Spritzerei in Dietenhofen haben sie noch ganz normal gearbeitet, als eine von der Leitung beauftragte Person hereinkam: „Packt eure persönliche Sachen zusammen, ihr habt fünf Minuten Zeit. Wir schließen”, soll sie gesagt haben. So berichtete es eine Mitarbeiterin, die bereits seit einigen Wochen freigestellt ist, gegenüber der FLZ: Kontakt zu den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen hält sie noch, diese haben ihr den Vorfall so geschildert.
Die Produktion der international bekannten Playmobilfiguren soll aus Kostengründen in den Werken in Malta und Tschechien gebündelt werden. Produktentwicklung, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Logistik sollen dem Sprecher zufolge in Deutschland bleiben. „Playmobil bleibt als traditionsreicher Spielzeughersteller in Deutschland verwurzelt“, äußerte sich der Sprecher der Horst Brandstätter Group.
Der Hersteller aus dem mittelfränkischen Zirndorf hatte im Februar überraschend verkündet, das Werk in Dietenhofen zum 30. Juni zu schließen. An welchem Tag genau geschlossen wird, „da hatten wir keine Ahnung”, sagt die Mitarbeiterin gegenüber der FLZ. Auch der 14. Juli sei als letzter Arbeitstag im Gespräch gewesen. Letztendlich ist er dann doch schneller gekommen, als geplant. Die Mitarbeiterin nimmt Abschied mit Wehmut, sie kannte das Unternehmen seit vielen Jahren.
Dass das Werk bereits jetzt dichtmacht, kommt auch für Dietenhofens Bürgermeister Johannes Förthner, der aktuell im Urlaub ist, überraschend. „Das ist mir komplett neu”, sagt er im Telefonat mit der FLZ. Ihm sei seitens der Leitung mitgeteilt worden, dass der Betrieb bis zum 30. Juni laufe, danach sollte am Standort bis Ende des Jahres „aufgeräumt” werden.
Mit der Arbeitnehmervertretung wurde ein Sozialplan mit einer Transfergesellschaft sowie Abfindungen für die rund 350 betroffenen Beschäftigten vereinbart, schreibt die dpa weiter. Die Mitarbeiterin lobt das Engagement der Horst Brandstätter Group in dieser Sache: „Die waren echt bemüht”, sagt sie zur FLZ. Über eine Jobbörse, die zwei Wochen lang lief, seien auch viele Kolleginnen und Kollegen in andere Unternehmen vermittelt worden.
Die Gewerkschaft IGBCE kritisierte damals nicht nur die Schließung als falschen Schritt, sondern auch die Kommunikation. Auf der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg Ende Januar hatte Playmobil-Vorstand Bahri Kurter noch davon gesprochen, dass einiges für eine Trendumkehr bei dem angeschlagenen Hersteller spreche. Eine Woche später wurde die Belegschaft über die Verlagerung der Produktion informiert.
„Das war eine Katastrophe. Für viele von uns ist eine Welt zusammengebrochen“, sagte der Playmobil-Betriebsratsvorsitzende Michael Ulbrich der dpa. Wie viele andere seiner Kolleginnen und Kollegen war er seit vielen Jahren in dem traditionsreichen Werk beschäftigt. Der Betriebsrat sei an dem Tag erst kurz vor der Belegschaft informiert worden, sagte er. „Man hat einen wertschätzenden Umgang absolut vermisst.“
Die Spielwelten von Playmobil verkauften sich in den vergangenen Jahren zunehmend schlechter, der Hersteller verzeichnete wiederholt Umsatzrückgänge. Die Schließung des Werks in Dietenhofen sei aufgrund der hohen Lohn- und Energiekosten unausweichlich gewesen, sagte der Sprecher. Ziel sei es, wieder nachhaltig zu wachsen und das Unternehmen zu stabilisieren.