Idealerweise im November möchte CSU-Kreisvorsitzender Jan Helmer gern den Kandidaten für die nächste Bundestagswahl nominieren lassen. Seinen Hut in den Ring hierfür hat bereits der amtierende Abgeordnete Artur Auernhammer aus Weißenburg geworfen. Einen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht.
Ob der Zeitplan so funktioniert, wie ihn sich Helmer wünscht, ist allerdings noch nicht ganz klar. Denn es gilt die Interessen und Terminpläne von drei Kreisverbänden unter einen Hut zu bekommen. Neben der CSU im Landkreis Ansbach haben auch noch die CSU in der Stadt Ansbach und im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ein Wörtchen mitzureden. Das ist das Gebiet des Bundeswahlkreises 241.
Bei der Nominierungsversammlung hat der Kreisverband Ansbach-Land 96 Stimmen, der Kreisverband Ansbach-Stadt 16 und Weißenburg-Gunzenhausen 48. Ansbach-Land dominiert also klar. Und so mancher CSUler hat es noch immer nicht verwunden, dass die interne Zerrissenheit im flächengrößten Landkreis Bayerns 2016 dazu geführt hatte, dass plötzlich ein Weißenburger als Kandidat nominiert worden war.
Mit Christine Reitelshöfer und Manfred Scholl hatte es zwei weitere Bewerber aus dem Landkreis Ansbach gegeben. Doch Auernhammer, der zuvor schon über die Liste in den Bundestag gekommen war, setzte sich durch und holte auch das Direktmandat für den Wahlkreis.
Vier Jahre später ein ähnliches Spiel. Der Dinkelsbühler CSU-Ortsvorsitzende Manfred Scholl forderte den Weißenburger Landwirtschaftsmeister erneut heraus. Das ist in der CSU sehr ungewöhnlich. Ein amtierender Abgeordneter genießt eigentlich den Erstzugriff auf die Kandidatur – ein ungeschriebenes Recht in der Partei. Scholl wollte die Gunst der Stunde nutzen, weil damals die Bauernschaft, also Auernhammers Kernklientel, gegen ihn aufgebracht war.
Bei der Nominierung selbst lag Scholl abgeschlagen hinten. Bei der Bundestagswahl 2021 setzte sich Auernhammer erneut durch. Und nun will er es noch einmal wissen. Bis zu 18 Monate vor einer Wahl darf die Nominierung erfolgen. Der Termin für die Bundestagswahl ist noch nicht fixiert, im Raum stehen bislang der 21. oder der 28. September 2025.
Artur Auernhammer hat in den vergangenen Monaten mehrfach deutlich gemacht, dass er eine weitere Amtszeit anstreben wird. Ob das seine letzte Kandidatur sein wird, lässt er auf Nachfrage bewusst offen. Aber in Parteikreisen gehen viele davon aus, dass 2029 ein anderer Name auf dem Wahlzettel stehen wird.
Offiziell hat sich noch kein weiterer Bewerber aus der Deckung gewagt. Angeblich soll es in Weißenburg-Gunzenhausen noch jemanden geben, der gern antreten würde. Doch mehr als Gerüchte-Charakter hat das bislang nicht.
In den vergangenen Wochen haben alle drei Kreisverbände die Delegierten für die Nominierungsversammlung gewählt. Derzeit läuft hinter den Kulissen die Suche nach einem Termin. Die gestaltet sich nicht so ganz einfach, wie Jan Helmer bei der Delegiertenversammlung in Wassertrüdingen anklingen ließ.
Er selbst würde das gerne im November oder alternativ im Januar machen. Eine Veranstaltung in der zweiten Dezemberhälfte kommt für den Kreisvorsitzenden definitiv nicht in Frage, machte er deutlich. Andreas Schalk, der Vorsitzende der CSU in Ansbach-Stadt, geht davon aus, dass die Bundeswahlkreiskonferenz im September Klarheit bringen wird. „Wir sollten das möglichst bald machen, auf jeden Fall noch heuer“, sagte Schalk zur FLZ.
Bei der Veranstaltung in Wassertrüdingen kritisierte Auernhammer die „konsequente Politik gegen den ländlichen Raum“, die die aktuelle SPD-FDP-Grüne-Regierung aus seiner Sicht fährt. Dabei finde hier die Energiewende statt. Er sprach sich klar für den weiteren Ausbau der A6 aus. Denn Autobahnen seien noch immer die „Schlagadern für unsere Wirtschaft“. Sein Ziel ist ein durchgängiger sechsspuriger Ausbau von Nürnberg bis zum Kreuz Feuchtwangen.
Auch in Sachen Gesundheitsversorgung sieht der CSU-Abgeordnete die Ampel in der Pflicht. „Wir brauchen hier Antworten. Gesundheitsversorgung ist eine Grundversorgung für eine Gesellschaft – auch im ländlichen Raum.“ Obwohl er nur ein kurzes Redefenster zur Verfügung hatte, schaffte es der 61-Jährige auch noch über das Bürgergeld und die Belastungen für die Landwirte zu schimpfen und Bahnreaktivierungsaktivitäten zu loben.
Andreas Schalk hat bereits angekündigt, demnächst eine größere Veranstaltung mit Artur Auernhammer zu machen, nachdem dieser bei der Versammlung des Kreisverbandes Ansbach-Stadt verhindert war.
Die Stimmenzahl bei der Nominierungsversammlung ist abhängig von der Größe des jeweiligen Kreisverbandes. Ansbach-Land hat aktuell 1992 Mitglieder und kommt damit auf 96 Delegierte. Wie fast alle politischen Parteien kämpfen auch die Christsozialen im Landkreis Ansbach mit einem Schwund bei den Mitgliedern und einer Überalterung. 60,8 Jahre alt ist das durchschnittliche CSU-Mitglied. Wobei, mit 182 Personen in der Altersspanne von 16 bis 35 Jahren kratzen die Konservativen zumindest an der Zehn-Prozent-Marke. Frauen sind bei den Christsozialen mit 16,3 Prozent deutlich unterrepräsentiert.