Einen kräftigen Wumms mit Druckwelle und Pulvergeruch erlebten die Rothenburger Stadträtinnen, Stadträte und Verwaltungsmitarbeitenden bei ihrer jüngsten Unternehmensbesichtigung. Das war aber auch so geplant, denn Sprengungen sind im Bettenfelder Standort der SHF Steinbruchbetriebe GmbH & Co. KG Routine.
Nachdem die Gruppe um Oberbürgermeister Dr. Markus Naser in Begleitung des geschäftsführenden Gesellschafters Klaus Schneider zu einem sicheren Platz mit perfekter Aussicht auf die Kalksteinschicht gefahren worden war, wurde die Explosion ausgelöst, in deren Folge sich über 6500 Tonnen Stein lösten und nach unten fielen – eine Menge, die für Radlader und Muldenkipper etwa zwei Arbeitstage bedeute und letztlich Futter für den Steinbrecher sei, hieß es in der Mitteilung des Rathauses zu dem Ortstermin.
Was nur wenige Sekunden dauere, müsse vorher sorgfältig geplant werden, hätten Klaus Schneider und Betriebsleiter Markus Frenzel erklärt, hieß es. Mit einer Tonne Sprengstoff sei ein sehr präzises Ergebnis erzielt worden. „Wichtig ist hier, dass die Bohrlöcher bis zum Fuß der Kalksteinschicht reichen, dann wird der Wandabschnitt gerade herausgesprengt“, so Schneider.
Der herausgesprengte Kalkstein wird dann zur Vorbrechstation transportiert, bevor es in die 32 Meter hohe Siebanlage gelangt. Dort wird das Gesteinsmaterial schließlich für die verschiedenen Anforderungsprofile der Kunden, sprich Größen, vorbereitet, bevor es in einem eingespielten Bestell- und Ladeprozess auf einen Lkw geladen wird.
Ab da wüssten die Fahrer, wo das Schüttgut, der Schotter oder der Splitt gebraucht werde, und lieferten nach Bedarf aus, wurde weiter erklärt. Neben klassischen Verwendungen für den Straßenbau, den Hoch- und Tiefbau sowie den Betonbau würden die Produkte auch in anderen Branchen eingesetzt.
Muschelkalk finde zum Beispiel im Garten- und Landschaftsbau Verwendung. Künftig solle auch entstehender Sand effizienter während des Prozesses gewonnen werden, da dieses wichtige Baumaterial in der Region eher Mangelware sei.
Im Wasserbau würden größere Brocken und Quader aus Muschelkalk für die Errichtung von vielfältigen Wassereinrichtungen benötigt. Darüber hinaus werde auch zertifizierter Düngekalk, den Landwirte abnähmen, gewonnen und aufbereitet.
Großes Thema für den Betrieb sei auch die Renaturierung der Landschaft bis hin zur Verfüllung der eigentlichen Brüche. Überdies würden Altbaustoffe angenommen, aufbereitet und weiterverwertet. Auf dem Gelände würden wichtige Pionierpflanzen angesiedelt und Teiche als Biotope angelegt. Regelmäßig brüteten beispielsweise seltene Uhus in den Felsvorsprüngen auf dem Gelände, berichtete Klaus Schneider.
Frühere Abbaubereiche würden teilweise auch wieder aufgeschüttet, verfüllt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Heute werde also teilweise wieder an Stellen für Feldfruchtanbau geackert, wo vorher ein tiefes Abbau-Loch war.
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser dankte im Namen der Runde für die spannenden Einblicke und sprach von einem „hochinteressanten Betrieb im Stadtgebiet“.