Ein spritziger Citrusduft trifft auf weiche Vanille oder cremigen Moschus: Wer nicht riechen will, wie alle anderen, verwendet mehrere Düfte gleichzeitig. Das nennt sich Parfum-Layering - und ist der Dufttrend der Stunde.
„Im Kern geht es beim Layering um Individualität“, sagt Franziska Rudolph vom VKE-Kosmetikverband in Berlin. Darum, „etwas Eigenes zu schaffen“, eine Art „olfaktorische Handschrift“.
Praktisch bietet Layering die Möglichkeit, einen Duft gezielt zu verändern oder aufzuwerten. Ein Duft kann dadurch frischer, wärmer oder weicher wirken. Auch die Haltbarkeit lässt sich beeinflussen, wenn man gezielt mit Basisnoten arbeitet, so Rudolph.
Der Trend fügt sich ein in einen größeren Wandel: Duft wird als etwas Gestaltbares verstanden. „Menschen möchten situativ entscheiden. Je nach Stimmung, Anlass oder Jahreszeit“, sagt Rudolph. Besonders stark käme das bei jüngeren Zielgruppen zum Ausdruck, der Gen Z und den Millennials, sowie bei sehr duftaffinen Konsumentinnen und Konsumenten. Social Media spielt eine Rolle: Plattformen wie TikTok treiben die Experimentierfreude voran.
Auch für Joachim Mensing ist Layering mehr als ein Spiel mit Duftnoten. Das Tragen mehrerer Düfte mache den Menschen zum eigenen „Privat-Parfümeur“,sagt der Diplom-Psychologe und Berater des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) mit jahrzehntelanger Berufspraxis in der Parfümerie.
Oft entstünden überraschende Kunstwerke, die sich deutlich von der Masse abheben. Zum Beispiel, wenn man gegensätzliche Duftfamilien mischt, also etwa Gourmand/Fruchtig mit Ledrig/Rauchig.
Für Einsteiger empfehlen die Parfum-Experten einen vorsichtigen Start mit zwei Düften. „Bewährt hat sich mit vertrauten Duftfamilien zu arbeiten. Also etwa floral mit floral oder frisch mit holzig“, so Franziska Rudolph.
Häufig wird erst ein leichter Duft aufgetragen, dann ein intensiverer. „So können sich die flüchtigeren Moleküle des leichten Dufts durch die schwere Schicht hindurcharbeiten, wodurch sich beide Düfte besser verheiraten“, erklärt Joachim Mensing.
Da Parfümeure aber oft gegen die Regeln arbeiten, lohnt sich ihm zufolge auch der umgekehrte Test: „Wenn man den intensiven Duft zuerst aufträgt, wird der leichtere Partner nicht sofort verschluckt.“
Mensing rät, zunächst beide Parfums im Verhältnis 1:1 aufzusprühen. „Später kann das Verhältnis auf 2:1 zugunsten des leichteren Dufts verschoben werden.“ Auch ein „Profi-Mix“ im Verhältnis 3:2 (dreimal leicht, zweimal schwer) kann überraschende Ergebnisse bringen. „Damit das Mischverhältnis ein Erfolg wird, ist es empfehlenswert, mit einem Teststreifen zu starten, um die Nase zu schonen“, sagt Mensing. Ein dritter Duft sollte, wenn überhaupt, nur als Akzent hinzukommen.
Aus Sicht des Parfum-Profis funktionieren diese Duft-Kombinationen gut:
Sehr frische, ozonische oder aquatische Noten – also Nuancen, die an Meeresluft, Algen oder Regen erinnern – vertragen sich hingegen oft schlecht mit üppigen, essbaren Gourmand-Akkorden wie Zuckerwatte, Karamell oder Schokolade, so Mensing: „Der harte Bruch zwischen kühler Luft und süßer Nahrung kann im Gehirn Assoziationen von verdorbenem Essen oder chemischer Künstlichkeit hervorrufen.“
Unabhängig davon, welche Kombination es dann wird: Wichtig ist, Geduld mitzubringen. „Düfte brauchen Zeit, sich zu entwickeln“, sagt Franziska Rudolph.
Auch die Hautchemie spielt ihr zufolge eine Rolle: Der pH-Wert beeinflusst die individuelle Duftentwicklung. Vermeiden sollte man außerdem zu viele stark parfümierte Pflegeprodukte. Schonender für die Haut ist es laut Mensing, zunächst ein Parfum-Öl als Basis aufzutragen und anschließend ein klassisches Eau de Parfum darüber zu sprühen. „Das Öl pflegt und wirkt zugleich als exzellenter Duftanker“, so der Parfum-Profi.
Die Idee des Parfum-Layering ist übrigens nicht neu. Ihre Wurzeln liegen in den Dufttraditionen des Nahen Ostens: Dort ist das Mischen und Schichten von Duftstoffen Teil einer langen Duftkultur.
© dpa-infocom, dpa:260514-930-81588/1