Es war eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leben Jesu Christi. Am Ende der rund zweistündigen Aufführung von Georg Friedrich Händels „Messiah“ gab es vom Publikum in der gut besuchten St.-Pauls-Kirche in Dinkelsbühl begeisterten Beifall.
Der hohe musikalische Anspruch und der starke gestalterische Zugriff des Dirigenten waren vom ersten Stück des Oratoriums an zu spüren. Dynamisch klar abgestuft erklangen die einleitenden Akkorde der Ouvertüre. Im Folgenden animierte Julian Hauptmann das Ansbacher Kammerorchester stets zu einem akzentuierten Musizieren, oft in hohem Tempo.
Dabei ist es dem Dirigenten gelungen, die Instrumentalisten und die Sänger der beiden Ensembles Amadeus-Chor aus Neuendettelsau und Kammerchor Acûstico aus Hannover zu einem homogenen Ganzen zusammenzuführen. Offenbar wirkte sein Dirigat, das den Charakter der Musik gleichsam verkörperte, auf alle Mitwirkenden inspirierend. Der leichte Ton, das präzise Musizieren und eine gute Textverständlichkeit kennzeichneten die Aufführung. In vielen Passagen geriet das Oratorium zum Musikdrama.
Wie akribisch im Vorfeld die Artikulation der Sänger und Sängerinnen geprobt worden sein muss, wurde etwa bei dem berühmten „Hallelujah“ am Ende des zweiten Teils hörbar. Hier präsentierte der Chor kein breites „a“, sondern einen nur kurz angerissenen Vokal, was dem festlichen Gesang einen tänzerisch-fröhlichen Charakter verlieh.
Interessant war die Reaktion des Publikums: Nach dem mitreißend dargebotenen Stück hatten offenbar viele Zuhörer das Bedürfnis, ihre Begeisterung kund zu tun. Fast hörbar stand plötzlich die Frage im Raum: Darf man jetzt klatschen? Einige haben sich getraut. Die Intensität des Beifalls entsprach an dieser Stelle allerdings nicht der hohen Qualität der musikalischen Darbietung. Offenbar hatte ein Großteil des Publikums seine Begeisterung bis zum Schluss angestaut. Und so brach sich diese erst nach der finalen „Amen“-Fuge lautstark und in Form von „stehenden Ovationen“ Bahn.
Zuvor waren in der St.-Pauls-Kirche die Geburt, die Passion und die Auferstehung Christi musikalisch erlebbar. In den Stücken zu Beginn des ersten Teils ließ sich der aktuelle Bezug zum realen Kirchenjahr herstellen: zum Warten auf die Ankunft des Erlösers. So handelt es sich hier um Adventsmusik im eigentlichen Sinn.
Sehr schön gelang der Kontrast zwischen der Bass-Arie „Das Volk, das im Dunkeln wandelt“, gesungen von Robert Eller, zum freudigen Chor-Stück „Uns ist zum Heil ein Kind geboren“. Hier änderte sich die Klangfarbe der Musik. Es wurde hell. Der Chor ließ die Zuversicht hörbar werden.
Im Quartett der Solisten – gesungen wurde in englischer Sprache – ragte Adnan Barami heraus, der über einen wunderschön klingenden Tenor verfügt. Isabel Grübl war mit ihrer ausdrucksvollen Alt-Stimme zu hören. Sopranistin Jana Daubner hat trotz Erkältung gesungen und somit die Aufführung – wie man so sagt – „gerettet“.