An den internationalen Finanzmärkten herrscht derzeit die Sorge, dass der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) eine Blase erzeugt hat, die bald mit einem lauten Knall platzen könnte. Auf der Techmesse CES in Las Vegas ist von dieser Angst jedoch wenig zu spüren.
Kaum eine Präsentation auf der CES kam ohne das Kürzel „AI“ („Artificial Intelligence“ - die englische Bezeichnung für Künstliche Intelligenz) aus. Jensen Huang, Vorstandschef des KI-Chip-Spezialisten Nvidia, war nicht nur bei seiner eigenen Keynote der gefeierte Star der Messe, sondern auch ein gefragter Ehrengast auf zahlreichen CES-Events.
Die KI-Anwendungen auf der CES 2026 haben wenig mit dem Rummel um Chatbots wie ChatGPT oder KI-Bildprogramme wie Nano Banana von Google zu tun. Stattdessen liegt der Fokus auf KI, die physisch handelt.
Beispiele auf der CES sind vielfältig: Samsung präsentierte eine KI, die in Waschmaschinen automatisch erkennt, welche Wäsche eingelegt wurde und das ideale Waschprogramm auswählt. LG zeigte einen humanoiden Roboter, der mit Hilfe von KI die getrocknete Wäsche ordentlich faltet. Bosch demonstrierte eine KI-gesteuerte Herdplatte, die Steaks wie ein Meisterkoch zubereitet.
Den größten Überraschungserfolg auf der CES 2026 erzielte der dänische Spielzeugkonzern Lego. In Las Vegas stellte Lego interaktive Bausteine vor. Der Smart Brick sieht aus wie ein herkömmlicher Lego-Stein im Standardformat 2 × 4, ist jedoch üppig mit Miniaturtechnik ausgestattet - darunter ein Akku, Sensoren für Licht, Beschleunigung und Geräusche, ein Lautsprecher und ein winziger Synthesizer. Das Publikum reagierte begeistert, obwohl Lego das Kürzel KI auffällig vermied. Vielleicht auch wegen der KI-Abstinenz.
Viele KI-Szenarien auf der CES richteten sich ohnehin nicht an private Verbraucher, sondern an die Industrie. Siemens-Chef Roland Busch eröffnete gemeinsam mit Nvidia-CEO Huang die Messe mit einer Keynote.
Busch demonstrierte ein neues Tool, mit dem Unternehmen virtuelle Abbilder (Digitale Zwillinge) ihrer Fabriken und Produkte erstellen können. Ingenieure sollen damit ganze Fabriken in Echtzeit simulieren, Roboter virtuell trainieren und Probleme lösen, bevor die echte Fabrik gebaut wird.
Siemens setzt bei seinen KI-Produkten auch die neue Plattform Cosmos von Nvidia ein, die physikalische Gesetze versteht. Cosmos wird auch in der Robotik und in autonomen Fahrzeugen verwendet.
Die Messe in Las Vegas ist nicht nur für echte Innovationen bekannt. Viele CES-Aussteller greifen erfolgreiche Neuheiten des vergangenen Jahres auf und versuchen, daraus ein Geschäft zu machen. Aktuell haben die smarten Ray-Ban-Brillen des Facebook-Konzerns Meta einen Goldrausch ausgelöst.
Hersteller, vornehmlich aus China, verfolgen unterschiedliche Strategien, um mit ihren „Smart Glasses“ Verkaufserfolge zu erzielen. Einige kopieren das Meta-Konzept, eine Brille mit eingebauter Kamera und Audio-KI, aber ohne Display. Dazu gehört die Solos AirGo V2, die nicht an die Meta-KI Llama gebunden ist. Nutzer können in der Begleit-App wählen, ob sie mit ChatGPT, Google Gemini oder der Claude-KI sprechen möchten.
Andere Meta-Konkurrenten versuchen, das ursprüngliche Konzept durch echte Bildschirme zu übertreffen und bieten AR-Brillen („Augmented Reality“) an. Diese Brillen blenden digitale Inhalte wie Texte, Bilder oder 3D-Objekte in das Sichtfeld ein und ergänzen die reale Welt um virtuelle Informationen.
Zu dieser Gruppe gehört die TCL RayNeo Air 4 Pro, die fast wie eine normale Sonnenbrille aussieht, aber ein riesiges, virtuelles Display vor die Augen des Nutzers projiziert.
Das Metaverse, ein Hype-Trend aus dem Jahr 2022, spielt bei den aktuellen smarten Brillen-Modellen kaum noch eine Rolle. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg propagierte das Metaverse damals als digitalen Raum mit unendlichen Möglichkeiten, in dem Menschen als Avatare in einer virtuellen Realität interagieren können. Auf der CES spricht kaum noch jemand davon.
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