Seit ihren Anfängen im Jahr 1996 ist die „Resident Evil“-Reihe fester Bestandteil des Horror-Game-Genres. Die Serie erlebte mit dem actionlastigen und genreprägenden vierten Teil 2005 ihr Hoch, Tiefpunkt war der unter Fans umstrittene sechste Teil 2012. Nun hat Entwickler Capcom die Reihe durch eine Rückkehr zu ihren Survival-Horror-Wurzeln quasi wieder verjüngt.
Das aktuelle „Resident Evil: Requiem“ greift zwei erfolgreiche Elemente aus vergangenen Spielen auf:
Doch damit nicht genug. Capcom gewährt Leon zudem Unterstützung durch eine neue Heldin: Grace Ashcroft, eine junge FBI-Analytikerin, die mysteriöse Todesfälle unter Überlebenden des T-Virus-Ausbruchs in Raccoon City untersucht - eine Zombie-Apokalpyse, die seit dem zweiten Teil einen der wichtigsten Grundpfeiler der Serie bildet.
Parallel zu diesen T-Virus-Spätinfektionen muss Ashcroft mit ihrem eigenen Trauma umgehen, dem Tod ihrer Mutter Alyssa, der investigativen Journalistin aus „Resident Evil: Outbreak“ (1998).
Um herauszufinden, was vor sich geht, kehrt sie in das Wrenwood Hotel zurück, in dem ihre Mutter vor acht Jahren starb. Dort trifft sie auf den Wissenschaftler Victor Gideon, der einst für den rücksichtslosen Pharma-Riesen Umbrella arbeitete, sie als „Auserwählte“ bezeichnet und entführt.
Zeitgleich trifft Leon Kennedy mit Sherry Birkin im Hotel ein. Beide arbeiten als Agenten für die US-Anti-Bioterror-Behörde Division of Security Operations (DSO) - und zeigen selbst Symptome einer T-Virus-Infektion.
Als Leon Victor mit Grace flüchten sieht, versucht er den Wissenschaftler aufzuhalten. Doch Victor kann entkommen, weil er auf der Straße einen kleinen T-Virus-Ausbruch auslöst.
Damit sind die Weichen gestellt, um das Geschehen ins Rhodes Hill Chronic Care Centre zu verlagern - ein eindringliches, vielschichtiges Labyrinth, in dem hinter jeder Ecke Gefahr lauert.
Die Spielenden übernehmen die Rolle der Grace, wobei sie die Wahl haben, in der klassischen Third-Person- oder der furchterregenderen und lebensechteren Ego-Perspektive durch die weitläufige, unheimliche Pflegeeinrichtung zu navigieren.
Empfehlenswert ist in jedem Fall die Ich-Perspektive. Verstärkt durch Graces schwerfällige Bewegungen erhöht sie den Überlebensdruck beim Lösen von Rätseln. Die Ressourcen sind knapp, jeder Kampf ist ein Risiko für die eigene Gesundheit. Das zwingt dazu, direkte Konfrontationen gut abzuwägen und stattdessen im Zweifel durch die Abschnitte zu huschen.
Untermalt wird das Ganze von tollen Soundkompositionen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, während Infizierte an Wänden und Decken entlang krabbeln.
Die Spielmechanik erfordert viel Verstecken, das Abpassen des richtigen Moments zum Schleichen oder Werfen von Glasflaschen, um Feinde abzulenken. Die „Residents“ oder auch die „Infizierten“, wie sie im Spiel heißen, sind groß, gefährlich und natürlich böse.
Der Angstpegel wird durch Jump-Scare-Schreckmomente weiter in die Höhe getrieben. Blutige Todesanimationen werden gepaart mit intensivem Licht- und Umgebungsdesign - hier spielen sich fürchterliche Alpträume ab. Doch genau das erwarten die Fans des Survival-Horrors: grauenvoll schöne Momente, die Anspannung und die unsagbare Erleichterung, einem lauernden Infizierten entkommen zu sein.
Um bei den Infizierten zu bleiben, die allesamt ehemalige Patienten der medizinischen Einrichtung sind: Diese haben sich weiterentwickelt und können nun ein wenig sprechen. Die meisten stöhnen und ächzen aber nur, wenn man das Licht einschaltet. Andere singen in ohrenbetäubender Lautstärke und wieder andere wollen die Spielenden schlicht und einfach fressen.
Als Grace muss man ihnen allen entkommen. Und dabei kommt ihr Leon zur Hilfe. Seine Mission(en): Grace retten, Victor Gideon festnehmen, dessen Pläne durchkreuzen und ein Heilmittel gegen das T-Virus finden, mit dem er und Sherry infiziert sind.
Wer sich als Grace allein ohnmächtig fühlte, bekommt nun Schützenhilfe von Leon. Das Gefühl, gejagt zu werden, ist schlagartig Geschichte – mit Leon wird der Spieß umgedreht. Mit seinen bewährten Nahkampffähigkeiten wandelt sich das Spiel vom Survival-Horror hin zum Action-Gameplay.
Neu dabei: eine Axt als tödliche Waffe und sogar dazu geeignet, einen Raketenwerfer-Angriff abzuwehren. Zudem kann Leon nun jede herumliegende Waffe einsammeln und sofort mit den vorhandenenRessourcen nutzen.
Etwas kniffliger wird es, wenn diverse bekannte Gesichter aus derVergangenheit auftauchen – besonders im Police Department von Raccoon City und den umliegenden Ruinen. Da kommen nostalgische Gefühle sowohl bei Leon als auch bei Veteranen der Serie auf.
Das Spiel wartet nicht nur mit einer fesselnden Geschichte und packendem Gameplay auf, auch der schiere Aufwand für Entwicklung und Design stechen ins Auge - etwa bei den atmosphärisch dichten Schauplätzen von den im Regen funkelnden Neonlichtern der Stadt bis zu den Ruinen von Racoon City.
Die Grafik liegt auf höchstem Niveau, dazu hat Capcom das Game sorgfältig an die einzelnen Plattformen angepasst:
„Resident Evil: Requiem“ ist eine Art Zauberformel. Das Game vereint die besten Elemente aus der Vergangenheit und Gegenwart der Serie. Im Ergebnis bekommen es Spielende mit einem 15 Stunden währenden Spiel zu tun - voller Elemente, die selbst erfahrene Gamer ins Schwitzen bringen und vor Schreck nach Luft schnappen lassen dürften.
„Resident Evil: Requiem“ ist für PC, Playstation 5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2 zum Preis von 70 Euro erhältlich. Das Spiel hat keine Jugendfreigabe (USK 18).
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