Die SpVgg Ansbach im vierten Jahr: „Es soll weiter nach oben gehen“ | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 19.06.2025 10:00

Die SpVgg Ansbach im vierten Jahr: „Es soll weiter nach oben gehen“

„Der Trend soll weiter nach oben gehen“: Christoph Hasselmeier beim Trainingsauftakt. (Foto: Alexander Keck)
„Der Trend soll weiter nach oben gehen“: Christoph Hasselmeier beim Trainingsauftakt. (Foto: Alexander Keck)
„Der Trend soll weiter nach oben gehen“: Christoph Hasselmeier beim Trainingsauftakt. (Foto: Alexander Keck)

Christoph Hasselmeier führt selbst ganz gerne noch den Ball am Fuß und kann auch etwas damit anfangen. Davon konnte man sich bei Spielen der SG Sachsen/Windsbach überzeugen, für die er in der Kreisklasse vergangene Saison ein paar Mal auflief. Bei der SpVgg Ansbach ist der 34-Jährige nicht mehr am Ball, sondern als Sportlicher Leiter gefordert.

Herr Hasselmeier, die SpVgg Ansbach hat mit Michael Belzner, Jonas Bayerlein und Sebastian Heid drei Leistungsträger in der Abwehr und mit Michael Sperr den besten Torjäger der vergangenen Saison verloren. Dazu kommt die Hängepartie mit Daniel Schelhorn, auch er ein Stammspieler. Wiegen die Neuzugänge diese Verluste auf?

Ja, das glaube ich schon. Die Positionen Bayerlein, Belzner und Heid konnten wir 1:1 ersetzen, sportlich jedenfalls, menschlich möglicherweise nicht. Was die Stürmerposition angeht, haben wir wir mit Noah Zerihun Gebre einen sehr interessanten neuen Mann, Robin Hilpert aus der eigenen Jugend macht einen super Eindruck, Niklas Seefried und Lukas Schmidt haben auch schon ihre Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt.

Einst Spieler, jetzt Trikotsponsor: Matthias Loy (rechts) und Christoph Hasselmeier präsentieren die neuen Hemden der SpVgg Ansbach. (Foto: Alexander Keck)
Einst Spieler, jetzt Trikotsponsor: Matthias Loy (rechts) und Christoph Hasselmeier präsentieren die neuen Hemden der SpVgg Ansbach. (Foto: Alexander Keck)

SpVgg Ansbach mit neuen Trikots zurück auf dem Platz – zwei Spieler verletzt

Vier Wochen nach dem letzten Spiel der alten Saison nehmen die nullneuner das Training wieder auf. Auch ein guter Bekannter trabt die ersten Runden mit.

Dennoch ist die Arbeit des Kaderplaners für die neue Saison offenbar noch nicht abgeschlossen.

Unser Kader umfasst aktuell 21 Feldspieler. Wir schauen uns bis Ende des Monats noch einige Probespieler an. Wenn da ein Kandidat dabei ist, der uns sofort verstärkt, von dem wir überzeugt sind und mit dem wir uns einigen können, dann werden wir ihn verpflichten. Wenn nicht, fühlen wir aus auch sehr wohl mit den Spielern, die wir jetzt haben. Wir haben jede Position doppelt besetzt, die der offensiven Flügelspieler und der Innenverteidiger sogar dreifach, es gibt etliche polyvalente Spieler, die mehrere Positionen beherrschen.


Transformation im Kader ist normal.


13-Tore-Mann Sperr deutete an, unzufrieden mit seiner Rolle im Team zu sein. Hätte man ihn nicht halten können?

Wir hätten Michi gerne behalten. Aus meiner Sicht war der Grund für seinen Abgang die zeitliche Belastung, außerdem hatte er gesundheitliche Probleme, vor allem mit dem Knöchel, da war er ab und an selbst unzufrieden mit sich, das haben wir auch gespürt. Und letztlich macht es nur Sinn mit Spielern, die zu hundert Prozent wollen. Die Transformation in diesem Jahr im Kader sehe ich insgesamt als normal und gesund an. Wenn gestandene Spieler gehen, entstehen Chancen für junge Spieler. Der Altersdurchschnitt der Neuen liegt etwa bei 20,8 Jahren, der der Abgänge bei 28, das muss unser Weg sein.

Viele Talente schaffen es in den Fußballvereinen nicht in die erste Mannschaft. Da ist die SpVgg Ansbach keine Ausnahme. (Foto: picture alliance / dpa)
Viele Talente schaffen es in den Fußballvereinen nicht in die erste Mannschaft. Da ist die SpVgg Ansbach keine Ausnahme. (Foto: picture alliance / dpa)

Ausverkauf bei den U19-Junioren der SpVgg Ansbach

Zehn Talente, oft viele Jahre bei den nullneunern aktiv, schließen sich anderen Vereinen an. Nur Luca Glanz und Robin Hilpert bleiben.

Gutes Thema. Mit Luca Glanz und Hilpert haben Sie zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in den Regionalliga-Kader geholt. Zehn Talente aus der U19, darunter Bayernauswahlspieler, werden die Ansbacher verlassen. Waren die alle nicht gut genug?

Die Plätze im Regionalligakader sind endlich und bei der Auswahl spielt auch das Positionsprofil eine Rolle. Wenn wir vier gute Sechser haben, wird es für den fünften aus der Jugend eben eng. Und dass die Talente nun anderswo in den Männerfußball einsteigen heißt ja nicht, dass sie nie für uns in der Regionalliga spielen. Der Weg zurück ist bei entsprechend guter Entwicklung offen. Es ist nun einmal so, dass wir keine U23-Mannschaft haben, in die wir diese Talente integrieren können.

Würden Sie denn überhaupt wieder wie vor Jahren eine zweite Mannschaften haben wollen?

Ich denke, fast jeder im Verein hätte gerne wieder eine U23, aber wir haben schlicht die Ressourcen nicht. Wir stoßen ja jetzt schon bei den Kabinen und bei der Platzbelegung an Grenzen. Auch wirtschaftlich wäre das eine weitere Herausforderung. Aber perspektivisch sollte unser Ziel sein, wieder eine zweite Mannschaft zu melden.

Thema Torhüter: Da gibt es den erfahrenen Heiko Schiefer, Neuzugang Lukas Peterson und den sehr talentierten U19-Keeper Tim Lierhammer, der vom 1. FC Nürnberg zurück in den Nachwuchs der SpVgg Ansbach gewechselt ist und auf den nicht nur Torwarttrainer Steed Ray große Stücke hält. Wird das Rennen um die Nummer eins nun zum Dreikampf?

Es ist geplant, das Tim die Vorbereitung beim Regionalligakader mitmacht und dann Stammtorhüter der U19 wird, die ja in die Bayernliga aufsteigen soll. Bei Lukas und Heiko ist es so, dass der am ersten Spieltag zwischen den Pfosten steht, der in der Vorbereitung überzeugt hat.

Als Gastgeber für das Eröffnungsspiel am 24. Juli steht Ansbach besonders im Blickpunkt. Gegen wen geht es dann eigentlich?

Das steht noch nicht fest. Ich hätte mir sehr gut den VfB Eichstätt vorstellen können, das wäre ja so etwas wie ein Derby gewesen. Der Verband allerdings wünscht sich einen Gegner mit größerer Fanbasis.

Drittliga-Absteiger SpVgg Unterhaching zum Beispiel.

Zum Beispiel. Aber egal gegen wen es dann geht, es wird auf jeden Fall ein großer Tag für die SpVgg Ansbach.


Platz acht ist unser Ziel.


15-13-10. Wofür steht die Zahlenfolge?

Da bin ich im Moment überfragt.

Es sind die Endplatzierungen der SpVgg Ansbach in den vergangenen drei Jahren. Der Trend zeigt klar nach oben. Welches Ziel hat man sich für das vierte Jahr in der Regionalliga gesetzt?

Der Trend soll weiter nach oben zeigen, wir wollen erneut eine bessere Platzierung erreichen, Platz acht ist unser Ziel.

Er ist der, der immer spielt: Riko Manz (rechts), hier mit Alexander Gordok (Burghausen). (Foto: Martin Rügner)
Er ist der, der immer spielt: Riko Manz (rechts), hier mit Alexander Gordok (Burghausen). (Foto: Martin Rügner)

Die große Bilanz: SpVgg Ansbach spielt die beste Saison seit dem Aufstieg

Während es in der Tabelle nach oben geht, sinkt der Zuschauerschnitt. Manz und Kroiß waren immer dabei. Jetzt läuft die Bewerbung für das Eröffnungsspiel.

Wie fällt Ihre Analyse der vergangenen Saison aus?

Wir hatten ein schwierige Sommervorbereitung, bedingt auch durch Verletzungen, zum Teil wurde da zu eindimensional gearbeitet, zu sehr auf Kleinigkeiten gesetzt. Entsprechend schwierig war der Saisonstart. Anders war es im Winter, da hatten wir eine super Vorbereitung, konnten gut arbeiten und unser Punkteschnitt ging im zweiten Halbjahr deutlich nach oben. Hätten wir diesen Schnitt konstant gehabt, wären wir auf Rang fünf ins Ziel gegangen.

Bei den Zahlen fällt auf, dass die Ansbacher weniger Tore bekommen und weniger geschossen haben.

Defensiv haben wir auf jeden Fall einen Riesenschritt nach vorne gemacht, das fängt schon bei den Stürmern an, die mit ihrer Laufarbeit die Abwehr unterstützen. Offensiv wird es darum gehen, uns noch zu verbessern wenn der Gegner presst, um schneller und besser den Weg zum Tor zu finden.


Bei den Zuschauerzahlen hoffe ich auf einen positiven Effekt durch das neue Flutlicht.


Der Zuschauerschnitt bei der SpVgg ist dagegen auf unter Tausend Besucher gesunken. Gewöhnung nach drei Jahren Regionalliga?

Grundsätzlich ist es so, dass wir schon auf großes Interesse stoßen, was man auch an der Nutzung unserer Online-Aktivitäten merkt und im Ligavergleich stehen wir mit unserer Zuschauerquote immer noch sehr gut da. Beim Stadionbesuch hat eine Rolle gespielt, dass wir die zugkräftigen Gegner oft zu einem von der Jahreszeit her schwierigen Zeitpunkt hatten. Und man muss schon auch sagen, dass wir gerade zu Saisonbeginn manchmal schlecht Fußball gespielt und so keine Werbung für uns betrieben haben. Bei den Zuschauerzahlen hoffe ich auf einen positiven Effekt durch das neue Flutlicht. Es gibt uns bei der Spielplangestaltung die Chance auf Abendtermine auszuweichen, wenn zum Beispiel parallel der 1. FC Nürnberg spielt oder viele Spiele im Kreis angesetzt sind.

Es laufen wieder ernsthafte Bestrebungen, die Regionalligen zu reformieren. Ein Szenario sieht vor, die Anzahl der Regionalligen von fünf auf vier zu reduzieren mit der wahrscheinlichen Folge, dass Bayern dann keine eigene Regionalliga mehr hat und eventuell mit Baden-Württemberg oder den östlichen Bundesländern zusammengelegt wird. Bereitet sich die SpVgg Ansbach auf solche Szenarien vor, würde das die Liga eventuell sogar aufwerten?

Wir verfolgen die Diskussionen um die Reform interessiert, aber auch entspannt. Sollte es so kommen, dass aus 90 Regionalligisten in fünf Ligen vier Ligen mit je 20 Vereinen gebildet werden traue ich uns schon zu, zu diesen 80 Vereinen zu gehören. Was uns da eher umtreibt ist die Tatsache, dass der Reiseaufwand höher wird.

Zur Person

Christoph Hasselmeier (34) aus Sachsen bei Ansbach war als Spieler seit 2010 viele Jahre lang für die SpVgg Ansbach aktiv, führte sie als Trainer in die Regionalliga und gehört mittlerweile als Sportlicher Leiter dem Vorstand an. Der verheiratete Familienvater arbeitet bei einer Bank.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
north