Deutsch-amerikanisches Freundschaftskonzert im Ansbacher Onoldiasaal | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.05.2025 09:00

Deutsch-amerikanisches Freundschaftskonzert im Ansbacher Onoldiasaal

Liebt den extrem präsenten, scharf konturierten Sound: die U.S. Army Europe and Africa Band. (Foto: Martin Stumpf)
Liebt den extrem präsenten, scharf konturierten Sound: die U.S. Army Europe and Africa Band. (Foto: Martin Stumpf)
Liebt den extrem präsenten, scharf konturierten Sound: die U.S. Army Europe and Africa Band. (Foto: Martin Stumpf)

Swing zum Doppeljubiläum: 250 Jahre US-Armee und 80 Jahre Deutsch-Amerikanische Freundschaft wurden mit einem Konzert gefeiert, für das die U.S. Army Europe and Africa Band auf Einladung der Ansbacher Garnison im Onoldiasaal gastierte.

Die Big Band mit dem militärinternen Kürzel USAREUR-AF Band ist eine von insgesamt nur vier Vollzeit-Bands der US-Armee weltweit und hat jährlich über 200 Auftritte in mittlerweile mehr als 32 Staaten Europas, des Mittleren Ostens und Afrikas. Zuletzt war in Ansbach 2015 das große Armee-Orchester zu hören; ein für 2021 geplantes Konzert wurde wegen der Pandemie abgesagt. Die Plätze in den Ensembles sind begehrt und die Mitglieder leisten damit ihren in der Regel zweijährigen Militärdienst.

Die 15 Musiker und eine Musikerin machen Big-Band-Musik im Sound des Digitalzeitalters. Das bedeutet harte Kontraste, messerscharfe Akzente und eine extreme Präsenz. Einige Nummern haben auch ein mild gesteigertes Tempo gegenüber den Originalen.

Musik aus Omas Schulzeit

Fünf Saxophone, vier Posaunen, vier Trompeten, ein Kontrabass, ein Schlagzeug und ein Keyboard zelebrieren als „Swinging Soldiers“ eine Musik aus der Zeit, als ihre Großeltern zur Schule gegangen sind. Wenig junge Leute haben den Weg als Besucher ins Konzert gefunden, das gut besucht war.

„In the Mood“ macht den Anfang und man schrieb den 1. August 1939, als Glenn Miller den Titel aufnahm, vier Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Schon ein Jahr später wurde das Stück auch in Europa auf Schellack gebannt, so groß war der Drang, diese Musik auch hier zu haben. Sie steht herausragend für die transatlantische Leitkultur im 20. Jahrhundert. Bis heute wird Swing als Musik der Freiheit und der Lebensfreude empfunden und hat über die Musik hinausgehende Bedeutung.

Das Programm läuft straff und regelrecht zackig durch, aber nie hat man den Eindruck von Routine. Es ist eine Wiedersehensshow mit hohem Begeisterungswert auf beiden Seiten der Bühnenrampe.

Schlagzeug als Bandleader

Mit Taylor Patak und Justin Stowe sind auch zwei Gesangssolisten zu hören, etwa bei „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“ oder „Beyond the Sea“ und gemeinsam bei „It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing)“.

Das Schlagzeug hat den prominentesten Platz im Bühnenarrangement und das nicht von ungefähr. Es fungiert als Bandleader und ist für die maßgeblichen Überleitungen und Wechsel zuständig. Zu Beginn des zweiten Teils dürfen vermehrt die Besen zum Einsatz kommen, bei Titeln wie „Smoke Gets in Your Eyes“ und „String of Pearls“.

Das Publikum feiert die Army-Combo und erhebt sich am Ende zum Applaus, um noch einmal „In the Mood“ zu hören, aber als up-tempo-Version, mit entfesselten Trompeten und einer Extraportion Lebensfreude. Die goldene Ära des Swing leuchtet noch einmal kurz diamantenhell auf.


Von Martin Stumpf
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