Es ist nie zu spät: Wer sein Englisch verbessern möchte, kann dies auch mitten im Arbeitsleben angehen. Wenig Zeit, Lernfrust oder negative Vorerfahrungen? Schluss mit Ausreden. Zwei Coaches erklären, wie es trotzdem klappt.
Oftmals lernen Erwachsene nicht mehr so mühelos wie noch in ihrer Jugend, sagt Business-Coachin Ute Gietzen-Wieland. Daneben gibt es noch weitere Hürden:
Warum es wichtig ist, die Gründe für mangelnde Englischkenntnisse zu kennen? Ganz einfach: Wer seine Hürden kennt, weiß, woran es hakt, und kann gezielt daran arbeiten.
Manchmal entspricht die subjektive Wahrnehmung nicht den objektiven Englisch-Fähigkeiten. Deshalb empfiehlt sich ein Selbsttest. Vielleicht sind Sie ja besser als Sie denken?
Es gibt online Plattformen mit Selbsttests, über die Lernwillige den Stand der eigenen Englischkenntnisse ausloten können, rät Ute Gietzen-Wieland. „Eine weitere Möglichkeit ist, ganz praktisch im Alltag auszuloten, welches Niveau die eigenen Englischkenntnisse haben“, sagt Karrierecoach Walter Feichtner.
Schauen Sie sich Filme in englischer Sprache an, lesen Sie Bücher auf Englisch oder nutzen Sie englischsprachige Hörbücher. Oder nehmen Sie sich Fachliteratur vor und schauen Sie, ob Sie das auf Englisch Geschriebene verstehen.
Wer nun Defizite feststellt und sich vornimmt, seine Englischkenntnisse für den Job zu verbessern, sollte für sich konkrete Lernziele formulieren. Das kann etwa sein, sich beim Small Talk vor und nach Meetings sicher zu fühlen oder fehlerlose E-Mails auf Englisch abzufassen. Oder eben, dass man in der Lage ist, Fachliteratur zu lesen.
Jetzt steht eine schwierige Entscheidung an: Auf welchem Weg wollen Sie Englisch lernen? „Kurse und Workshops in Präsenz oder online haben den Vorteil, dass sie klar strukturiert sind“, sagt Ute Gietzen-Wieland. Zudem gebe es eine systematische Anleitung mit Rückmeldung. Für Kurse zum Thema „Business English“ spreche, dass sie sich an realen Aufgaben in der Berufswelt orientieren. Auch denkbar: Einen Urlaub mit einem Sprachkurs zu verbinden.
Apps und digital gestützte Tools können dabei helfen, sich Vokabular und Grammatik anzueignen. Der Vorteil: Das ist immer und überall möglich.
Daneben ist es auch über ein Sprach-Tandem möglich, sein Englisch zu verbessern. Das geschieht durch den direkten Austausch mit einem Muttersprachler. „Das Grundprinzip hierbei ist, dass zwei Personen mit unterschiedlichen Muttersprachen sich gegenseitig helfen, die Sprachen des anderen zu lernen“, so Walter Feichtner. So lassen sich Sprachkenntnisse effektiv und zugleich ohne Druck verbessern.
Feichtner empfiehlt, Fachartikel auf Englisch zu lesen und für alle Fälle ein Wörterbuch parat zu haben. Ebenfalls hilfreich: Podcasts hören. Eine weitere Option: Auf dem Weg zur Arbeit im Bus oder in der Bahn ein Hörbuch auf Englisch hören. Von Vorteil sind auch sogenannte Micro-Learnings. Das sind kurze, zum Beispiel zehn Minuten lange Lerneinheiten, um Vokabeln zu pauken – es gibt sie beispielsweise als Audioclips.
„Hilfreich ist, sich Lernzeiten zu setzen, also feste Termine im Kalender zu haben“, so Gietzen-Wieland. Das erhöhe die Verbindlichkeit und auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Lernen erfolgt.
Es gehört einfach zum Lernprozess, Fehler zu machen – und genau diesen Grundsatz sollten Sie verinnerlichen. Feichtner empfiehlt, das Englischsprechen zunächst mit Menschen zu üben, die im Hinblick auf Fehler in aller Regel kulant sind – also etwa Freunde oder Angehörige. Sobald Lernwillige sich dann beim Englischsprechen selbstsicherer fühlen, können sie ihre Kenntnisse auch im beruflichen Umfeld anwenden.
Das Motto heißt: Üben, üben und nochmals Üben. Lernwillige können etwa englischsprachige Rundfunksender hören und das Gehörte nachsprechen. Oder sie sprechen unabhängig davon mit sich selbst Englisch und machen sich auf Englisch Gedanken.
Eine weitere Option: Telefonate regelmäßig auf Englisch führen. „Das kann dazu führen, dass Lernende Sicherheit beim Sprechen gewinnen, womit sie dann auch Selbstbewusstsein aufbauen“, so Ute Gietzen-Wieland.
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