Veröffentlicht am 23.11.2022 21:07

Das nächste Etappenziel des Gebhardt-Hauses

Der alte Putz ist von der Fassade verschwunden, das Dach ist notdürftig mit einer Folie abgedeckt. Die Transformation des Gebhardt-Hauses zum Kaspar-Hauser-Zentrum schreitet voran. Die Arbeiten auf der Großbaustelle im Herzen der Altstadt liegen im Zeitplan. Bis zum Jahresende soll die Außenansicht fertiggestellt sein.

Projektleiter Stephan Weber ist die Begeisterung über den Baufortschritt anzusehen, wenn er noch etwas vorsichtig durch die verschiedenen Räume des dreiteiligen Anwesens in der Pfarrstraße 16 bis 20 schreitet. Überall wird gehämmert, gesägt und gewerkelt. Wer hier den Überblick behält, muss vom Fach sein.

1200 Quadratmeter Geschossfläche verteilen sich auf die drei Häuser, die den Komplex am Eck zum Montgelasplatz bilden. „Mit Überraschungen können wir umgehen“, sagt Weber inzwischen augenzwinkernd zu dem historischen Bau, an dem im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder herumgedoktert worden war. „Abenteuerlich“ nennt er so manche Begebenheit früherer Tage, „die waren da sehr erfinderisch“. So fehlte im Dachstuhl schon mal das Stück eines Balkens, der sich dann verbaut eine Etage tiefer wiederfand.

Doch Weber sieht hier weniger Probleme, als vielmehr Lösungen. Und die haben sich in den zurückliegenden Monaten seit Beginn der Entkernung Anfang des Jahres tatsächlich immer wieder finden lassen. „Wir kommen langsam auf die Zielgerade“, sagt er. Glauben mag man das noch nicht ganz bei einem Blick in das Herz des künftigen Kaspar-Hauser-Zentrums.

Der Untergrund changiert zwischen schwarz-weißen Fliesen und Holzböden, die gleich nebenan, jedoch ein paar Zentimeter darüber liegen. Dabei sollen die drei Häuser zu einer Einheit mit einer gemeinsamen Ebene werden. Barrierefreiheit gilt es aber ohne Rampen zu erreichen, insofern müssen die unterschiedlichen Höhenprofile ausgeglichen werden.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst steht als Etappenziel bis zur nahenden kalten Jahreszeit die Aufgabe an, das für einen Übergangszeitraum mit Stahlträgern stabilisierte Dach fertigzustellen und die neuen Fenster einzubauen. Oben im Giebel ist durch einen schmalen Schlitz noch der Himmel zu sehen, eine Seite ist aber bereits mit Brettern verschalt. „Spätestens zum Jahresende sind wir damit fertig, sodass wir vom Wetter unabhängig sind“, erklärt Weber den Plan.

Vier Gauben geplant

Im Gegensatz zum historischen Vorbild sollen auch vier Gauben eingesetzt werden, um die Lichtverhältnisse im durch einen Lift erschlossenen obersten Stockwerk zu verbessern. Dort werden vier Gruppenräume mit je fünf Betten entstehen, in denen bei Bedarf auch Familien für eine begrenzte Zeit Zuflucht finden könnten.

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Zuvor allerdings werden im nächsten Arbeitsschritt die Vorbereitungen für den Innenausbau angegangen. Viele Meter an Kabeln und Leitungen müssen gezogen und verlegt werden. Sanitärarbeiten gilt es zu erledigen und die Lüftung muss installiert werden, ehe die Trockenbauer ans Werk dürfen. „In etwa einem Jahr“ soll das laut Projektleiter Stephan Weber alles abgeschlossen sein, ehe die Räumlichkeiten von Hotel und Gastronomie mit viel Liebe zum Detail ausgestattet werden können.

Parallel dazu ist geplant, gleich nebenan im Projektbüro in der Pfarrstraße Kurse zu Berufsbildungsfragen aller Art anzubieten. Angesprochen werden sollen unter dem Credo „Lebenslanges Lernen“ die Menschen, die sich für die Inklusions-Arbeitsplätze im Hotel und Restaurant interessieren. Das Angebot ist aber offen – „für Menschen mit und ohne Assistenzbedarf“.


Florian Pöhlmann

Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.

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