Dämmen mit Stroh: Aus einer maroden Scheune wird ein schickes Büro | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.04.2025 15:14

Dämmen mit Stroh: Aus einer maroden Scheune wird ein schickes Büro

Handwerker dämmten das Haus in eineinhalb Wochen. (Foto: Pia Regner)
Handwerker dämmten das Haus in eineinhalb Wochen. (Foto: Pia Regner)
Handwerker dämmten das Haus in eineinhalb Wochen. (Foto: Pia Regner)

In einer modernen Umgebung arbeiten und dabei noch Energie sparen – dies war der Gedanke von Ingenieurin Pia Regner. Eine umgebaute und erweiterte Scheune wird nun zum neuen Büro. Dabei achtet sie sehr auf Nachhaltigkeit und verwendet einen Dämmstoff, der in dieser Verwendung vielen nicht bekannt ist: Stroh.

Für Pia Regner ist Nachhaltigkeit wichtig. Die Ingenieurin hat 2007 mit Architekt Mario Bodem das Büro Ing+Arch in Ehingen am Hesselberg gegründet. „Wir haben uns auf energieeffiziente Bauvorhaben, Gewerbebauten und Wohnungsbauvorhaben spezialisiert“, sagt sie.

Holz spart Energie schon beim Bau

Viele Planungen übernehmen sie für die öffentliche Hand und weisen stets auf ihren Ansatz hin: „Auch wenn es anfangs etwas teuerer sein mag, rechnet sich eine hohe Energieeinsparung über die Jahre.“ Dabei berücksichtigt sie auch die Energie, die in der Herstellung verbraucht wird: „Mit der Energieeinsparung beim Bau einer mittelgroßen Kindertagesstätte in Holzbauweise mit natürlichen Dämmstoffen im Vergleich zu einem normalen Massivbau könnte man 75 mal nach New York fliegen.“

So entstand nach den Plänen des Büros in Herrieden die erste Passivhaus- und Plusenergie-Dreifachsporthalle in Europa. Passivhaus bedeutet, das Gebäude verliert so wenig Wärme, dass in der Regel keine Gebäudeheizung benötigt wird. Ein Plusenergiegebäude erzeugt mehr Energie als es verbraucht.

Die Philosophie um die Nachhaltigkeit sollte sich auch im eigenen Unternehmenssitz widerspiegeln. Darum erweitert und baut Regner gerade eine alte Scheune zum Bürogebäude für die zwölf Mitarbeiter um. Das Besondere daran: Die Dämmung erfolgt ausschließlich mit Stroh.

Charme des ehemaligen Hofs erhalten

Das Gebäude steht in einem Vogel-und Naturschutzgebiet und diente früher als Schreinerei. Eine marode Hälfte riss die Ingenieurin kurzerhand ab. In Skelettbauweise baute sie einen Holzbau in ähnlicher Größe wieder an. Es misst nun 17 Meter auf 12,5 Meter bei einer Höhe von neun Metern. „Mein Grundgedanke war, dass der Hofcharakter des frei stehenden Ensembles erhalten bleibt“, sagt die Ingenieurin.

Die Strohballen sind keine Spezialfertigung, sondern gewöhnliches Weizenstroh aus der Umgebung des Nachbarorts Lentersheim. Durch eine dichtere Pressung wird der Brandschutz gewährleistet. Regner erklärt mit einem Lachen: „Nach dem Verputzen könnte man auch mit einem Bunsenbrenner draufhalten. Die Brandeigenschaften sind vergleichbar mit jeder anderen Dämmung.“ Um das Stroh in die Wände und das Dach zu bringen, benötigten Handwerker etwa eineinhalb Wochen. Insgesamt verbauten sie etwa 115 Kubikmeter Strohballen.

PV-Anlage, Wärmepumpe und Fußbodenheizung

Die Bauarbeiten laufen seit November 2024 und sollen Anfang 2026 abgeschlossen sein. Eine Luft-Wasser Wärmepumpe wird das Gebäude über eine Fußbodenheizung wärmen, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll für Energie sorgen. Nach Fertigstellung soll das Gebäude die Eigenschaften Passivhaus und Energieplusgebäude erfüllen.

„Der Hintergrund ist vor allem der Gedanke, das neue Bürogebäude mit einem möglichst geringem ökologischen Fußabdruck zu realisieren und Wertschöpfung durch die Zusammenarbeit mit regionale Firmen zu generieren“, erklärt Regner.

Ganz neu ist die Idee nicht. „Dass Gebäude mit Strohballen gebaut und gedämmt werden, hat in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen“, informiert Regner. Angefeuert werde diese alternative Dämmform durch die Diskussion über den Kohlenstoffdioxid-Ausstoss im Bausektor. In der Umgebung gebe es schon ein so gedämmtes Ferienhaus in Leutershausen. Bekannt seien laut Regner auch das neue Gästehaus der Benediktinerabtei Plankstetten oder das Ökodorf Sieben Linden in Sachsen-Anhalt.

Regners Beispiel erregt schon Interesse. In der Umgebung haben sich öffentliche Bauträger aus dem Landkreis Ansbach nach der alternativen Dämmform mit Stroh erkundigt. Darüber freut sich die Ingenieurin Regner.

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