Der 47-Jährige strahlt Ruhe aus. Günther Schell, Bürgermeisterkandidat in Sugenheim, gilt als Mann der Zahlen. Als Kämmerer arbeitet er derzeit in Iphofen. Der kleine Weinort Ingolstadt ist seit jeher sein Zuhause.
Schell stammt aus einer Landwirtschaftsfamilie. Seine Eltern betrieben einen Hof. Sein Vater war zudem als Metzger bei Hausschlachtungen im Einsatz.
„Ich sollte es einmal besser haben“, erzählt Schell. So habe ihn seine Mutter nach dem Realschulabschluss in Scheinfeld gedrängt, die Verwaltungslaufbahn einzuschlagen. Manchmal vermisse er die praktische Arbeit. Immerhin: Weinberge und Wald sind geblieben. Darum kümmert sich Schell gerne. Die wöchentliche Probe als Klarinettist bei der Altmannshäuser Blaskapelle ist ihm ebenso ein wichtiger Ausgleich zur Büroarbeit.
Nach der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und acht Jahren Dienst in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Scheinfeld übernahm Schell 2004 dort die Kämmerei. Zwei Jahre später wollte Schell es nochmal wissen und studierte an der Verwaltungshochschule in Hof; die Ausbildung für den gehobenen Dienst schloss er als einer der Besten Bayerns ab.
Sugenheim wählt am 27. April einen neuen Bürgermeister. Gegeneinander treten die Kandidaten Toni Schiefer (SPD) und Günther Schell (Freie Wähler) an.
Zunächst kehrte Schell in die VG Scheinfeld zurück. 2010 wechselte er zur Regierung nach Ansbach. Es begannen die Jahre, in denen er heiratete und seine erste Tochter geboren wurde. Später kamen seine Drillinge zur Welt. Der Ingolstädter war froh, dass er in die Kämmerei nach Iphofen wechseln konnte. Der Arbeitsweg war kürzer und Home-Office gibt es ja noch nicht so lange, erzählt er.
Worum er sich vor allem kümmern möchte: „Um die Jüngsten und die Ältesten“, sagt Schell. Er sei froh, wenn die Kinderkrippe gebaut ist. Denn bislang gibt es nur eine Interimslösung in Sugenheim.
Leider habe sich der Versuch, eine Altenpflegeeinrichtung im Neuen Schloss unterzubringen, zerschlagen. Momentan glaubt Schell eher daran, dass es gelingen könnte, die häusliche Pflege auf solidere Füße zu stellen. Auch bezahlbarer, barrierefreier Wohnraum sei erstrebenswert. Schell findet es schade, wenn Menschen, „die immer hier gewohnt haben, im Alter wegziehen müssen“.
Bei seiner Nominierung im Februar im Dorfhaus in Ingolstadt hatte Schell offenkundig ein Heimspiel. Amtsinhaber Reinhold Klein, der ebenfalls aus den Reihen der Freien Wähler Oberer Ehegrund stammt, war dabei, ebenso wie viele Ingolstädter sowie Wähler aus anderen Ortsteilen des oberen Ehegrundes.
Ich zähle mich zum bürgerlich-konservativen Lager.
Es gelang dem Ingolstädter, zu dessen Ehrenämtern auch der Vorsitz in der Feldgeschworenenvereinigung Scheinfeld gehört, eine Wahlempfehlung seitens der CSU zu bekommen. Seine politische Einstellung beschrieb er als zwar parteilos, aber im „bürgerlich-konservativen Lager“.
In den nächsten Jahren, das weiß auch Schell, steht die Sanierung der Ehegrundschule im Zentrum. Das sei wichtig. „Kurze Beine, kurze Wege“, sagt er. Würde nicht in die Schule investiert, so müssten die Kinder irgendwann nach Scheinfeld. Wegen der hohen Kosten könne man in den nächsten drei bis fünf Jahren kaum andere Projekte angehen.
Als Haushaltsexperte spricht Schell von der „dauerhaften Leistungsfähigkeit“: Eine Gemeinde darf sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. So sei das in Sugenheim immer gehandhabt worden. In jüngster Vergangenheit war es die Kläranlage, jetzt eben die Grundschule.
Wie steht er zur Energiewende? Sie ist wohl notwendig, sagt er. Privat betreibt Schell eine Hackschnitzelheizung. Zudem: Die Besichtigung eines Batteriespeichers „hat mich zuversichtlich gemacht“, sagt Schell.
Vor dem Bürgermeisteramt hat er Respekt. „Das wird kein Sonntagsspaziergang“, weiß Schell. Als Finanzchef einer VG hat er oft mit Bürgermeistern zu tun, kennt deren Sorgen und Nöte. Auch seine Ratsarbeit seit 2020 hat ihn gelehrt, dass das Amt kein Ort für große Visionen ist – jedenfalls nicht derzeit, sagt Schell und bleibt wie stets nüchtern.