Kochen wie die alten Römer: Das ist jetzt im Limeseum in Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) möglich. Zumindest fast. Besucherinnen und Besucher können mit einer speziellen Brille eintauchen in eine virtuelle Küche. Das Ganze hat Jenny Haase-Rieger aus Ansbach erstellt.
Und zwar im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule Ansbach. Die 32-Jährige hat dort bis vor Kurzem Multimedia und Kommunikation (kurz MUK) mit Schwerpunkt 3D und Design studiert. Von Anfang an war ihr klar, dass ihre Abschlussarbeit etwas in 3D sein soll, erzählt sie im Gespräch mit der FLZ. Die Idee: „Eine Rekonstruktion von einer alten Stätte, die nicht mehr existiert.”
Ähnliche Projekte gibt es bereits in anderen Museen, meistens kann man dort allerdings die alten Stätten nur in Form eines Videos sehen. Jenny Haase-Rieger wollte mehr. „VR hat für mich am meisten Sinn gemacht”, sagt sie. VR bedeutet Virtual Reality, also Virtuelle Realität. Man kann also mithilfe der VR-Brille in eine andere Welt eintauchen, sogar aktiv werden. Allerdings hatte die Studentin vorher noch nie mit VR gearbeitet, sagt sie. Haase-Rieger entschied sich, das Projekt mit dem Limeseum zu machen. Auch, weil es in der Nähe ist. Für eine erste Besprechung mit Museumsleiter Matthias Pausch war sie vor Ort. Der konnte sich eine alte römische Küche vorstellen.
Dann musste sich die Studentin erstmal in das Thema einarbeiten, sagt sie. „Wenn man drin ist, geht es.” Um an Informationen zu kommen, führte sie zuerst ein Interview mit Pausch. Er erklärte ihr, wie eine römische Küche aussah, welche Gegenstände es braucht und so weiter. Ab da an erfolgte ziemlich jeder Schritt an der Arbeit in enger Absprache mit dem Museumsleiter. Denn natürlich sollte die virtuelle Küche auch historisch korrekt sein. Gar nicht so einfach.
Am Ende dauerte das ganze Projekt ein Jahr lang, bis es nun seit Mitte September von Besuchenden des Limeseums getestet werden kann. Mit einer 3D-Grafiksoftware erstellte die 32-Jährige Möbel, Gefäße, Küchenutensilien und so weiter. Später programmierte sie dann die Anwendungen der entstandenen 3D-Modelle. Es war eine „Herausforderung”, sagt sie. Denn Ziel war es, sich an Bildern von Realkonstruktionen zu orientieren. Auch technische Schwierigkeiten gab es. Gefördert wurde das Projekt vom Media Lab in Ansbach, sagt Jenny Haase-Rieger, die ihr Studium nun abgeschlossen hat und selbstständig ist.
Aber wie genau kann man sich die Nutzung der virtuellen Küche im Limeseum vorstellen? An einen bestimmten Punkt im Raum gestellt und die VR-Brille aufgesetzt, kann es losgehen, erklärt Jenny Haase-Rieger. Vor sich sieht man dann einen Bildschirm und kann über die Steuerung zwischen einem Informations- und Erkundungsmodus wählen. Wie der Name schon sagt, zeigt der erste Modus verschiedene Info-Elemente im Raum. So werden zum Beispiel Gegenstände mit Tafeln erklärt.
Beim Erkundungsmodus können Nutzerinnen und Nutzer selbst aktiv werden. Man läuft durch den Raum, fasst Dinge an und kann sogar selbst kochen. Steht man am Herd, erscheint ein Rezept für Puls, einen typischen Getreidebrei. Dann kann man einen Topf auf dem Feuer platzieren und sich die einzelnen Zutaten zusammensuchen und loskochen. „Der Fokus liegt auf der Anwendung”, so Haase-Rieger, „der Nutzer soll ein möglichst historisches Erlebnis erfahren”.
Zur gleichen Zeit kann immer nur eine Person die virtuelle Küche ausprobieren. Weil es ein bisschen Anleitung und Betreuung braucht, ist die Aktion allerdings nicht zu jeder Zeit im Limeseum nutzbar, sondern nur zu bestimmten Aktionstagen, wie Museumsleiter Matthias Pausch erklärt. Genaue Termine sind noch nicht absehbar, denkbar wäre vielleicht der Tag der Deutschen Einheit.
Zum ersten Mal nutzen konnten Besuchende die Installation am Aktionswochenende zum Tag des offenen Denkmals. Auch Jenny Haase-Rieger war vor Ort. Die Rückmeldungen waren gut, sagt sie. Das bestätigt auch Matthias Pausch. Vor allem einer bestimmten Zielgruppe habe es die virtuelle Küche angetan: „Für die Kinder war es super”, sagt die Ansbacherin und lacht. Geeignet ist das Ganze aber für fast jeden ab zirka sieben Jahren.