Soziale Angststörung: Absolventin der Hochschule Ansbach klärt mit einem Spiel auf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.04.2026 12:00

Soziale Angststörung: Absolventin der Hochschule Ansbach klärt mit einem Spiel auf

Wer das Spiel spielt (wie in dieser gestellten Szene mit einer fiktiven Nutzerin), hilft der Figur Liz, sich ihren Ängsten zu stellen. So schildert es das Diakonische Werk Ansbach. (Symbolbild: Oliver Herbst)
Wer das Spiel spielt (wie in dieser gestellten Szene mit einer fiktiven Nutzerin), hilft der Figur Liz, sich ihren Ängsten zu stellen. So schildert es das Diakonische Werk Ansbach. (Symbolbild: Oliver Herbst)
Wer das Spiel spielt (wie in dieser gestellten Szene mit einer fiktiven Nutzerin), hilft der Figur Liz, sich ihren Ängsten zu stellen. So schildert es das Diakonische Werk Ansbach. (Symbolbild: Oliver Herbst)

Eine Absolventin der Hochschule Ansbach lebt seit Jahren mit einer sozialen Angststörung. Mit ihrem Professor und einer Pädagogin und Soziologin vom Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) im Diakonischen Werk Ansbach entwickelte sie ein Videospiel. Es trägt den Titel „Wenn die Angst sticht“. Was möchte sie damit erreichen?

„Ein Brötchen beim Bäcker zu kaufen, ein Buch bei der Bibliothek abzugeben oder einfach im Einkaufszentrum zu sein, gehört für viele Menschen zum normalen Alltag”, sagt Melissa Egyed. Die Studienabsolventin ist 25 Jahre alt. „Für mich bedeuten solche Situationen eine große Überwindung”, erläutert sie.

Oft von Rückzug und Isolation begleitet

Die ständige Angst, im Mittelpunkt zu stehen oder verurteilt zu werden, schränkt sie im Alltag enorm ein und macht Situationen, die von außen betrachtet einfach wirken mögen, zu einer Herausforderung. Dies erklärt das Diakonische Werk. Eine soziale Angststörung ist gemäß dessen Angaben oft begleitet von sozialem Rückzug und Isolation.

Diese Erkrankung sei in Medien wie dem sozialen Netzwerk Instagram, im Gegensatz zu anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, kaum thematisiert – und wenn, dann nicht so, dass Melissa Egyed sich wiederfinden konnte. Sie entschied sich also, selbst einen entstigmatisierenden Beitrag dazu zu leisten und etwas zu entwerfen, was Angehörigen und Betroffenen dieser Erkrankung helfen soll, die Thematik besser zu verstehen.

Sie entwickelte mit Professor Sebastian Stamm von der Hochschule (Professur für 2D-/3D-Content-Produktion in interaktiven Anwendungen) sowie mit Pädagogin und Soziologin Lena Kruse vom Sozialpsychiatrischen Dienst das Videospiel. Den Rahmen bildete ihre Bachelorarbeit im Studiengang Visualisierung und Interaktion in digitalen Medien.

Die Nutzenden begleiten eine Figur namens Liz

In dem Spiel, das Melissa Egyed für den SpDi erarbeitete, begleiten Nutzende die Spielfigur Liz, die an einer sozialen Angststörung leidet. Sie muss sich einer scheinbar einfachen Alltagssituation stellen, wie das Diakonische Werk mitteilt. „Die Spielenden helfen ihr, sich ihren Ängsten zu stellen, und erhalten dabei einen Einblick in die Gedankenwelt einer Person mit sozialer Phobie.”

So würden das Denken und Handeln mit dieser Erkrankung beispielhaft nachvollziehbar. Wer das Spiel spielt, lerne kleine Techniken kennen, die die Aufmerksamkeit von der Angst ablenken oder durch Atemübungen das Nervensystem beruhigen. „Das Spiel soll nicht nur aufklären, sondern auch Betroffenen Mut machen und Wege aufzeigen, besser mit ihrer Angst umzugehen.”

Psychische Erkrankungen und seelische Krisen können jeden Menschen treffen, ganz ohne Vorwarnung. So schildert es das Diakonische Werk. Der Sozialpsychiatrische Dienst in Ansbach biete hier eine vertrauliche und kostenfreie Möglichkeit, Orientierung zu finden.

Offene Ohren beim Diakonischen Werk

Erwachsene ab 18 Jahren, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind oder sich in einer Lebenskrise befinden, und auch Angehörige finden im SpDi offene Ohren, fachliche Ratschläge und passende Hilfsangebote, wie es vom Diakonischen Werk heißt.

Das Team aus Fachkräften begleite nicht nur beim Übergang von einem Klinikaufenthalt zurück in den Alltag oder dabei, die Zeit zu überbrücken, bis eine Psychotherapie beginnt, sondern biete auch an, alltagsnah zu begleiten und zu unterstützen. „Zudem gibt es Gruppenangebote, die helfen können, die eigene Erkrankung besser zu verstehen oder durch Austausch mit anderen Stabilität zu gewinnen.”

Für zusätzliche Vorhaben sind Spenden notwendig

Mit der Hauptstelle in Ansbach und Außenstellen in Rothenburg, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Wassertrüdingen und in Windsbach sei der Sozialpsychiatrische Dienst in der ganzen Region präsent. Der Bezirk Mittelfranken finanziere die Beratungsstelle, und Träger sei das Diakonische Werk. Dadurch ist gemäß dessen Angaben die Grundversorgung gesichert.

Doch viele Angebote, die Betroffene besonders schätzen, gingen darüber hinaus: kreative Gruppen, niedrigschwellige Freizeitaktionen oder Projekte, die das Thema seelische Gesundheit sichtbarer machten. Damit diese zusätzlichen Vorhaben möglich werden, sei der SpDi auf Spenden angewiesen. „Jeder Beitrag unterstützt direkt die Arbeit vor Ort und hilft mit, dass Menschen in seelischen Krisen nicht allein bleiben müssen.”

Das Spiel ist auf der Internet-Spieleplattform itch.io erreichbar. Außerdem ist es auf der Webseite des Diakonischen Werks Ansbach veröffentlicht. Für Spenden zugunsten des Sozialpsychiatrischen Dienstes dient ein Konto mit der IBAN DE12 7655 0000 0000 3443 33 (Verwendungszweck SpDi).


Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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