Bin ich aromantisch? Psychologe verrät, wie man es erkennt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.05.2026 00:08

Bin ich aromantisch? Psychologe verrät, wie man es erkennt

Menschen, die aromantisch sind, verspüren kaum oder keine romantische Anziehung zu anderen.  (Foto: Tobias Hase/dpa-tmn)
Menschen, die aromantisch sind, verspüren kaum oder keine romantische Anziehung zu anderen. (Foto: Tobias Hase/dpa-tmn)
Menschen, die aromantisch sind, verspüren kaum oder keine romantische Anziehung zu anderen. (Foto: Tobias Hase/dpa-tmn)

Diese eine Person, zu der man eine ganz besonders innige Verbindung spürt, neben der man morgens aufwachen und abends in den Sonnenuntergang spazieren will. Viele Menschen kennen die Sehnsucht nach romantischer Liebe. 

Andere können damit nur wenig oder gar nichts anfangen - und das ist genauso in Ordnung. Sie identifizieren sich möglicherweise mit dem Label „aromantisch“. Doch woran erkennt man, dass man aromantisch ist - und romantische Bindungen nicht aus anderen Gründen, etwa Angst vor Verletzungen, meidet?

Laut dem Psychologen Robert Coordes ist der entscheidende Unterschied: „Die einen haben einen Leidensdruck und die anderen eben nicht.“ 

Wer aromantisch ist, hat schlicht kein Interesse an romantischen Beziehungen, also kein Bedürfnis danach. „Wenn ich nichts vermisse, habe ich auch kein Problem“, sagt Coordes. Er zieht den Vergleich: „Wenn Sie keinen Schokopudding mögen, kein Interesse an Schokopudding haben, dann haben Sie ja auch kein Problem.“

Oder steckt doch eine Beziehungsstörung dahinter?

Anders schaut es aus, wenn man romantische Bindungen aufgrund von Beziehungsstörungen meidet. Dann besteht, wenn man ganz ehrlich zu sich ist, schon einen Leidensdruck. Eigentlich sehnt man sich nach romantischer Liebe, der Gedanke daran löst aber unter Umständen negative Gefühle wie Angst aus. 

Hinter so einer Beziehungsstörung, also der Schwierigkeit, sich auf eine andere Person einzulassen, stecken Robert Coordes zufolge üblicherweise negative Vorerfahrungen. „Vielleicht habe ich in der Kindheit eine bestimmte Art der Bindung als bedrohlich erlebt, die Erfahrung gemacht, dass ich meine Autonomie verliere, emotional einverleibt werde, etwa von einem Elternteil.“ 

Sein Rat: sich einmal durch die eigene Biografie durcharbeiten. War das schon immer so, dass man kein Bedürfnis nach Romantik hatte? „Oder hatte man in der Vergangenheit durchaus Verliebtheitsphasen, romantische Sehnsüchte, wurde aber verletzt und hat sich deshalb davon abgeschnitten?“, beschreibt Coordes.

Das Label „aromantisch“ kann für Frieden sorgen

Wer feststellt, dass da tatsächlich nie ein Bedürfnis nach romantischer Liebe war, findet in dem Label „aromantisch“ vielleicht einen gewissen Frieden. 

Schließlich sehen wir überall Romantik, nicht zuletzt in Film und Fernsehen. Da kann schon die Frage aufkommen, ob denn mit einem selbst etwas nicht stimmt, weil man sich danach so gar nicht sehnt. „Mit dem Label habe ich einen Namen dafür und kann mich mit etwas identifizieren, und das gibt Sicherheit“, so Coordes.

Ein geeigneter Indikator, zu erkennen, ob man wirklich aromantisch ist, ist laut dem Psychologen deswegen: „Ist das für mich etwas Gutes, wenn ich das Label habe? Fühle ich mich dann leichter und entspannter?“. 

Lautet die Antwort Ja, erleichtert das auch die Suche nach Gleichgesinnten. Online gibt es Communitys, die sich über ihre Erfahrungen austauschen. 

Und: Zu wissen, dass man aromantisch ist, kann bei der Suche nach Sexualpartnern helfen. Denn wer aromantisch ist, ist nicht automatisch auch asexuell. Die eigene Identität zu kommunizieren, kann dann Missverständnissen vorbeugen.

© dpa-infocom, dpa:260510-930-62425/1


Von dpa
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