Auch eine Frage der Erde: So geht klimaschonendes Gärtnern | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.03.2026 00:07

Auch eine Frage der Erde: So geht klimaschonendes Gärtnern

Wie und womit wir gärtnern, kann für das Klima einen Unterschied machen.  (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn)
Wie und womit wir gärtnern, kann für das Klima einen Unterschied machen. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn)
Wie und womit wir gärtnern, kann für das Klima einen Unterschied machen. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn)

Pflanzen brauchen Wasser und Erde, um zu wachsen? Nicht unbedingt. Manchen Exemplaren reicht auch nur Wasser. Dazu gehören etwa Zimmerpflanzen wie der Glücksbambus, Monstera, Ficus Benjamini und Philodendron sowie manche Kräuter. 

Wichtig ist, dass diese Pflanzen viel Feuchtigkeit vertragen und unempfindlich gegenüber Staunässe sind, so der Industrieverband Agrar (IVA). Zudem mögen sogenannte „Water Plants“ halbschattige Standorte mit indirektem Licht. Neben Wasser brauchen sie aber trotzdem Nährstoffe. Die bekommen sie statt aus dem Boden in Form von flüssigem Dünger. 

Sobald es ums Anpflanzen im Garten oder auf dem Balkon geht, kommt Erde ins Spiel. Wissen Sie, warum die Wahl der Erde nicht nur für Pflanzen eine wichtige Rolle spielt, sondern auch, wenn Sie klimaschonend Gärtnern wollen?

Welche Pflanzen mögen welchen Boden? 

Bei Erde gibt es große Unterschiede. Bestes Beispiel dafür ist die Kräuterspirale. „Oben wachsen wärmeliebende Arten, etwa Rosmarin, Lavendel oder Thymian. Hier kann der Boden mager sein, also mit hohem Sandanteil“, erklärt Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Gartenerde wird hier etwa zur Hälfte mit Sand gemischt. 

Unten nimmt der Sandanteil immer weiter ab und der Anteil an nährstoffreicher Komposterde steigt. „Im mittleren Bereich mit höherem Humusanteil fühlen sich Melisse und Oregano wohl. Ganz unten, wo es feucht und nährstoffreich ist, kommen Minze, Schnittlauch und Petersilie gut zurecht“, so Hölzel.

Das zeigt: Nicht jede Pflanze braucht die gleichen Nährstoffe und den gleichen Boden. Gärtner können je nach Bedarf darauf reagieren, indem sie den Boden etwa mit Nährstoffen anreichern und dort Komposterde einarbeiten. 

Wer keine Lust hat, selbst zu mischen, kann passende Erde zu der jeweiligen Pflanze kaufen - so gibt es etwa spezielle Mischungen für Kräuter, Tomaten oder Rhododendren. 

Was ist beim Kauf von Erde wichtig?

Wenn Gärtnern das Klima und die Umwelt am Herzen liegen, sollten sie beim Kauf darauf achten, dass die Erde keinen Torf enthält. Corinna Hölzel: „Torf stammt aus Mooren, die wertvolle Lebensräume für zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen sind. Wird Torf abgebaut, wird dieser Lebensraum unwiederbringlich zerstört.“

Hinzu kommt, dass Torf „gigantische Mengen an Kohlenstoff“ speichert. Beim Torfabbau allerdings werden die Moore trockengelegt. Dadurch „gelangt der Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre und beschleunigt den Klimawandel.“ 

Wie kommt man an torffreie Erde? 

Im Handel gibt es bereits zahlreiche Anbieter. Zu finden sind torffreie Produkte etwa in Gartencentern, in Baumärkten oder über die Datenbank der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), die auf der Webseite „torffrei.info“ zu finden ist. 

Wichtig: Die Bezeichnungen „torffrei“ und „ohne Torf“ sind Hölzel zufolge sicher. „Dort ist wirklich kein Torf drin.“ In „Bio-Erde“ hingegen kann ein Torfanteil enthalten sein. Regionale Produkte kommen ohne lange Transportwege aus. 

Auf der Internetseite des Naturschutzbundes (Nabu) findet man zudem eine Anleitung, um torffreie Erde selbst herzustellen. Oft beinhaltet torffreie Erde für Kübelpflanzen eine Mischung aus Rindenhumus, Holzfasern, Kokosfasern, Chinaschilffasern und Hanffasern. Weitere Zusätze wie Sand, Lavagranulat oder Tonminerale helfen, die Pflanzen optimal zu versorgen.

Als Alternative eignet sich auch Kompost - am besten aus dem eigenen Garten oder von gewerblichen und kommunalen Kompostierungsanlagen. Oft ist Gartenkompost erheblich reicher an Nährstoffen als Torf. So wird der Zusatz von Düngemitteln oft überflüssig. Kompost ist zudem preiswert und naturverträglich.

Tipp: Anzuchterde ist für viele Pflanzen zu nährstoffreich. Corinna Hölzel rät dann, Gartenerde, Kompost und Sand zu gleichen Teilen zu mischen. 

Was muss man beim Gärtnern mit torffreier Erde beachten?

Je gröber die Struktur des Substrates ist, desto durchlässiger ist es - und desto weniger Wasser kann es speichern. „Bei Komposterde ist das kein Problem. Sie ist oft fein krümelig und kann Wasser gut speichern“, so Hölzel. Bei Rindenhumus muss man jedoch häufiger gießen oder ihn mit Komposterde oder feineren Substraten mischen. 

Am besten, man beobachtet genau, wie schnell die Erde austrocknet und passt das Gießverhalten entsprechend an. Lieber öfter und dafür in kleinen Mengen je nach Bedarf gießen. „Zusätzliches Mulchen, also Bedecken des Bodens mit organischem Material, verhindert ein Austrocknen“, rät Corinna Hölzel. 

Ihr Tipp: Vorher informieren, wie viel Wasser und Nährstoffe die gewünschten Pflanzen benötigen und dazu die passende torffreie Erde auswählen.

© dpa-infocom, dpa:260311-930-804262/1


Von dpa
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