Nach der letzten Premiere der aktuellen Spielzeit, „Bis dass der Bus kommt“, wurde der Axel Krauße am Samstag bei Premierenfeier im Foyer verabschiedet. Der scheidende Intendant nutzte den Anlass für acht Thesen zum Theater. Zuvor hatte sich das Ensemble, unmittelbar nach der Premiere noch auf der Bühne von Krauße verabschiedet.
„Kein Intendant und keine Intendantin“, so Heribert Schmidt, in Vertretung des Vorstands der Theatergenossenschaft, „hatte so einen schwierigen Start wie Axel Krauße.” Vielversprechend vorgelegt habe der neue Intendant im September 2019 gleich mit der ersten Premiere „Der Ballade vom großen Makabren“.
Alles habe gut begonnen, bevor Corona im März 2020 die Vorbereitungen der folgenden Produktionen ausgebremst hatte. „Aufgegeben“, so Schmidt, „hat Axel Krauße dennoch nicht.“ Er habe möglich gemacht, was ging. Mit „Mätressen“ und der Inszenierung der „Dreigroschenoper“, die dann auch noch zu den Privattheatertagen nach Hamburg eingeladen wurde, habe er weitere Wegmarken gesetzt, bevor im Februar 2024, wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Schließung des Großen Hauses in die Theaterplanung eingeschlagen hat. Der Intendant habe weitergemacht, nach Wegen gesucht.
Als das Angebot aus Wolfsburg, die Intendanz am Scharoun-Theater zu übernehmen, kam, habe er – Schmidt war damals noch Vorstandsvorsitzender der Theatergenossenschaft – ihm geraten, dort zuzusagen. Er dankte dem scheidenden Intendanten für seine Arbeit, wünschte für den neuen Weg alles Gute.
Unerwartet entpuppte sich Krauße, von Hildegard Pohl am Klavier begleitet, im Anschluss als Interpret von beziehungsreich gewählten Kabarettliedern, Georg Kreislers „Als der Zirkus in Flammen stand” und Rainald Grebes „Der Bass muss laufen”. Als Sänger dürften die wenigsten den Intendanten bisher erlebt haben.
„Wir haben herausragend gutes Theater gemacht“, betonte Krauße, „darauf dürfen wir stolz sein.“ Angefangen habe er mit einem achtköpfigen Ensemble, mehreren Regisseuren und Dramaturgen. Das habe sich dann aber leider anders entwickelt, etwa als sich 2022 die ersten Kürzungs- und Schließungsdebatten angekündigt hatten. Derzeit hat das Theater drei Schauspielstellen.
„Es hat viel Kraft gekostet“, so Krauße, „bei jedem neuen Wirtschaftsplan um die Daseinsberechtigung des Theaters zu diskutieren. Diese Kraft hätte ich lieber in die künstlerische Theaterarbeit gesteckt.“ Beurteilungen von außen hätten die Leistung des Hauses immer hervorgehoben. Andere Städte wären froh gewesen und hätten die Entwicklung mit vorangetrieben.
Krauße dankte allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, ohne die diese Arbeit nie möglich gewesen wäre. Schauspieler seien wie Forschungsreisende in die Seelen der Menschen, könnten zum Nachdenken anregen und eine Basis für Gespräche legen. „Wir Kulturschaffende erfüllen einen Gesellschaftsauftrag“, betonte Krauße mehrfach, „daher darf unsere Arbeit auch den Anspruch stellen, öffentlich bezuschusst zu werden. Sie ist kein Selbstzweck.“
Zum Abschluss stellte Krauße noch acht durchaus auch provokative Thesen zur weiteren Entwicklung des Hauses auf, auszugsweise etwa derart „Die Beseitigung der Brandschutzmängel wird länger dauern als der Bau des ganzen Theaters hundert Jahre zuvor bei deutlich schlechterer Bautechnik unserer Vorfahren.“ Oder: „Das Theater Ansbach wird nie eine Ausweichspielstätte haben, weil niemand die Kosten tragen wird. Während einer Umbauzeit wird es in eine Art „Bauschlaf analog zum Winterschlaf versetzt.” Oder: „Das Theater Ansbach wird kein Ensembletheater mehr sein. Drei festangestellte Schauspieler sind kein Ensemble.“ „Widerlegen Sie mich“, sagte er noch, „zeigen Sie mir, dass ich Unrecht habe.“ Man müsse mit allem rechnen, auch mit dem Guten.
Vor der Premierenfeier für den Schlager-Liederabend „Bis dass der Bus kommt“ hatten sich Theaterleute, fest angestellte und freie, auf der Bühne hinterm Eisernen Vorhang vor dem Publikum vom Intendanten verabschiedet. Die Begleitmusik dafür war Udo Jürgens' „Liebe ohne Leiden”.