Die möglichen Verkehrsströme rund ums geplante Montessori-Zentrum am Bocksberg werfen Fragen auf. Im Stadtrat war ein Gutachten dazu Thema. Im Vordergrund standen der Knoten Hohenzollernring/Waldheimweg und Stellplätze für den Hol- und Bringverkehr. In der Standortfrage meldet sich nun der Montessori-Verein Ansbach.
Der Verein will in der Grenzstraße ein Zentrum mit den drei Bausteinen Grundschule, Sekundarstufe und Kinderhaus errichten. Schon jetzt sind hier die Sekundarstufe und die Verwaltung angesiedelt. Vom Verein liegt deshalb ein Antrag darauf vor, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auszuführen.
Zu dem Bauleitplanverfahren hatte die Stadtverwaltung das Verkehrsgutachten vergeben. Kritik von Anwohnerinnen und Anwohnern betrifft die Einfahrsituation am Hohenzollernring. Schon jetzt gleiche die Stelle einem Nadelöhr, und durch den zusätzlichen Hol- und Bringverkehr würde sich die Lage noch verschärfen, fürchtet die Siedlergemeinschaft.
Jasper Püschel vom Architektur- und Ingenieurbüro Sweco stellte das Gutachten im Stadtrat vor. In der Verwaltungsvorlage war mit Blick auf die Ergebnisse zu lesen, dass der Knotenpunkt mit dem prognostizierten Mehrverkehr seine Auslastungsgrenze erreiche.
Einen Kreisverkehr empfiehlt das Gutachten „aufgrund der sehr ungleichmäßigen Verteilung der Verkehrsströme und der hohen Baukosten” nicht. Jasper Püschel sprach „von einer Größenordnung von bis zu einer Million Euro”.
Vielmehr sieht das Gutachten gemäß den Angaben in der Vorlage einige Vorteile für eine Ampelanlage. Die Kosten lägen nur bei etwa 150.000 Euro – mit jährlichen Unterhaltskosten von rund 2500 Euro. Aus Sicht der Verwaltung müsste man die Kosten je zur Hälfte auf Vorhabenträger und Stadt aufteilen.
Was den Stellplatzbedarf betrifft, ermittelte das Gutachten gemäß der Verwaltungsvorlage etwa 25 bis 30 Abstellplätze für Fahrräder und Tretroller, circa 25 bis 28 für Autos der Beschäftigten sowie um die 40 für bringende und abholende Eltern. Die Kosten habe der Vorhabenträger zu stemmen. Als problematisch und komplex erweise sich die hohe Zahl an nötigen Stellplätzen für den Hol- und Bringverkehr, heißt es in der Vorlage.
Wie Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) betonte, ging es jetzt im Stadtrat lediglich „um die Vorstellung des Verkehrsgutachtens”. Es sei „also noch keine Entscheidung zu treffen”. Darauf ging auch die Leiterin des städtischen Amtes für Stadtentwicklung und Klimaschutz, Andrea Heinlein, nochmals ein.
Die Offene Linke (OLA) beantragte, zwei Lösungen eingehender zu prüfen und mit dem Schulträger abzustimmen: Zum einen ist dies eine Schulstraße für den Waldheimweg (mit Zufahrt frei nur für Anwohnende, Bus und Lehrkräfte während der Bring- und Holzeiten). Bring- und Holflächen für das Zentrum sollten hingegen am Aquella-Parkplatz angesiedelt sein.
Mittelfristig will die OLA die Situation im Zusammenhang mit dem Bau des S-Bahn-Halts Ansbach West ganzheitlich betrachtet wissen. Fraktionschef Boris-André Meyer war überdies ein klares Signal des Stadtrats für den Montessori-Standort wichtig. ÖDP-Fraktionschef Friedmann Seiler brach „eine ganz besondere Lanze” für die Schulstraßen.
Grünen-Co-Fraktionschefin Meike Erbguth-Feldner brachte eine Dienstanweisung für Beschäftigte ins Gespräch, nicht in bestimmten Straßen zu parken. Über Beispiele von Schulstraßenprojekten mit Schranken oder anderen Barrieren für eine halbe oder ganze Stunde informierte Stadtrat Dr. Bernhard Schmid (Grüne). Auf die Frage des OB, wer das kontrollieren soll, brachte er Schülerlotsinnen oder -lotsen ins Gespräch.
Für die CSU blickte Co-Fraktionsvorsitzender Jochen Sauerhöfer zurück. Als das Thema vor einigen Monaten erstmals auf der Tagesordnung stand, „haben wir gesagt, ob sich der Montessori-Verein nicht ein anderes Grundstück vorstellen könnte”. In einem Wohngebiet sei dies einfach zu groß, und es gebe viel zu viel Fahrverkehr.
„Dieser Standort ist nicht geeignet”, meinte Bürgermeister Dr. Markus Bucka (BAP) ebenso. Er bezeichnete die Stellplatzsituation als „Knackpunkt”. Auch wenn man eine Schulstraße einrichte, „hält sich sowieso keiner dran”. Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, dann zu entscheiden, wenn alle Zahlen und Stellungnahmen, auch vom Montessori-Verein, auf dem Tisch liegen.
Stadtrat Claus Kotzurek (Die Ansbacher) ist „auf jeden Fall für den Bau da oben”. Stau um 8 Uhr sei doch eine ganz normale Situation an einer Schule. Für die SPD machte sich Co-Fraktionschef Martin Porzner für den Standort stark. Er rief die, die ihn absolut ablehnen, dazu auf, vielleicht wenigstens selbst einen Ersatzstandort vorzuschlagen.
Nach der Sitzung äußerte sich die hauptamtliche Vorständin des Montessori-Vereins gegenüber der FLZ. Den Auftrag des Stadtrats „haben wir mitgenommen, jetzt zeitnah eine Entscheidung zu treffen”, also über den Standort, sagte Anette Haupt angesichts des Gutachtens.