Ansbachs Stadtrat will einen externen Citymanager | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.10.2023 07:00

Ansbachs Stadtrat will einen externen Citymanager

Wird die Neustadt wieder zur kleinen Shopping-Meile? Die bunten Regenschirme und die lachenden Gesichter dienen jedenfalls der Aufhellung der Stimmung. (Foto: Irmeli Pohl)
Wird die Neustadt wieder zur kleinen Shopping-Meile? Die bunten Regenschirme und die lachenden Gesichter dienen jedenfalls der Aufhellung der Stimmung. (Foto: Irmeli Pohl)
Wird die Neustadt wieder zur kleinen Shopping-Meile? Die bunten Regenschirme und die lachenden Gesichter dienen jedenfalls der Aufhellung der Stimmung. (Foto: Irmeli Pohl)

Die Entscheidung ist gefallen: Ab März 2024 soll ein Nicht-Ansbacher die Kommune fit für die Zukunft machen und die Aufenthaltsqualität der Innenstadt signifikant verbessern. Nach einer zähen Diskussion um die Schaffung der auf drei Jahre befristeten Stelle eines Innenstadtmanagers hat der Stadtrat für eine externe Lösung votiert.

Grundlage der künftigen Ausrichtung ist das über ein Programm der Europäischen Union finanzierte Gutachten, das die aktuellen Gegebenheiten in der Altstadt sowie verschiedene Arbeitsprozesse innerhalb der Verwaltung unter die Lupe genommen hat. Das Papier empfahl neben der Einbeziehung der Menschen in der Frühphase eines Projekts auch einen Citymanager, der den Blick von außen auf Ansbach richte.

Oberbürgermeister wollte die externe Lösung

Wirtschaftsförderer Christoph Albrecht und Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) sprachen sich explizit für die externe Lösung aus. Grund dafür: Das Verhältnis vieler Innenstadt-Akteure zur städtischen Verwaltung ist von Frust und Enttäuschung gekennzeichnet.

„Da wollen doch viele gar nicht mit der Stadt reden“, hatte es jüngst Stadtrat Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher) auf den Punkt gebracht. Er legte nun nach. Eff erinnerte daran, dass eine vom Oberbürgermeister forcierte Stelle für einen Citymanager vor einigen Jahren keine Mehrheit fand. „Damals wurde der Citymanager abgelehnt, weil er an die Stadt angebunden werden sollte.“

Vielen sind die Kosten zu hoch

Allerdings erschienen die prognostizierten Kosten von bis zu 200.000 Euro pro Jahr für den kontaktfreudigen Citymanager in spe vielen Gremiumsmitgliedern zu hoch. So präsentierte Hannes Hüttinger (BAP) einen eigenen Vorschlag, der eine halbe Stelle bei der Verwaltung vorsah und einen externen Dienstleister nur für bestimmte Projekte engagieren wollte. „Wir können einsparen und es besser machen“, schlug Hüttinger vor. Nach seinen Vorstellungen hätten sich die Kosten auf 150.000 Euro per annum summiert.

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„Wenn der Manager bei der Stadt angesiedelt ist, braucht der einen ganz breiten Rücken“, argumentierte OB Deffner und erinnerte an das erfolgreiche Wirken der Citywerkstatt, die es seit ihrer Gründung vor rund eineinhalb Jahren zunehmend schafft, Bürger einzubinden und Pilotprojekte für eine bessere Aufenthaltsqualität in Ansbach umzusetzen.

„Keine Garantie, aber eine Chance

„Wir brauchen etwas wirklich Neues“, brachte Otto Schaudig die Haltung der CSU-Fraktion im Stadtrat auf den Punkt. Natürlich müsse die Auswahl sorgfältig getroffen werden, und selbstverständlich müsse der Posten im ohnehin stark belasteten Haushalt zu finanzieren sein. Gleichwohl blieb Schaudigs Einlassung ein flammendes Plädoyer: „Dieser Mann ist keine Garantie, aber eine Chance. Sonst können wir so weiterwursteln wie seit 35 Jahren.“

Boris-André Meyer von der Offenen Linken interpretierte in den Verwaltungsvorschlag „eine eierlegende Wollmilchsau“. Er favorisierte stattdessen eine halbe Stelle bei der Stadt und hätte anstehende Aufgaben gerne priorisiert. Ein Leerstandsmanagement, also eine Erfassung freier Flächen, Läden und Wohnungen, hielt Meyer für den wichtigsten Punkt. „Das muss an erster Stelle stehen, damit über Wohnen und Kultur wieder Leben in die Stadt kommt.“

Die Grünen sehen die Stadt der Zukunft als „multifunktionalen Standort“. Oliver Rühl erinnerte an das „sehr breite Aufgabenspektrum“, das die Wirtschaftsförderung mit dem Gründerzentrum, der Bestandsbetreuung und dem Leerstandsmanagement abzudecken habe. In der Realität bleibe davon einiges auf der Strecke, räumte Albrecht ein. „Wir sind nicht die, die jeden Tag durch die Stadt laufen und Eigentümer kontaktieren“, erklärte er zum Zwei-Mann-Team der Wirtschaftsförderung: „Wir sind gut beschäftigt.“

SPD wollte Entscheidung vertagen

Genau so jemanden, der Bürgern wie Unternehmern zuhöre, sie einbinde und Projekte auf den Weg bringe, brauche es aber, befand Friedmann Seiler (ÖDP): „Wenn jetzt nichts passiert, entstehen durch den Niedergang der Innenstadt deutlich höhere Kosten.“ Der Einwand Martin Porzners (SPD), die Entscheidung wegen der angespannten finanziellen Lage zu vertagen und zunächst eine Haushaltsklausur abzuhalten, fand kein Gehör.

Mit dem Votum von CSU, FW/Die Ansbacher, ÖDP und AfD wurde der Verwaltungsvorschlag mit 22:16 Stimmen auf den Weg gebracht. Vorbehaltlich der Finanzierung – erst im Rahmen der Haushaltsberatungen können dann Fakten geschaffen werden. Als Wunschkandidat für den Posten gilt Gregor Heilmaier, Moderator der Citywerkstatt, der nach FLZ-Informationen bereits Bereitschaft signalisiert hat.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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