Demenz ist eine heikle Sache und sie wird noch immer gerne totgeschwiegen. Dabei ist sie überall anzutreffen. Der Seniorenbeirat Ansbach will das Thema aus der Tabuzone holen. Zur Demenzwoche in Bayern holt das Gremium die Ausstellung „Demenz neu sehen” in die Stadt. Sie wird auf dem Plateau vor dem Theater zu sehen sein.
Es handelt sich um ein bewusst sehr niederschwelliges Angebot. Die Bilder und Erläuterungstexte sind auf Bauzäunen befestigt, die jeweils im Dreieck aufgebaut sind. So kann die Ausstellung auch in den Abendstunden oder am Wochenende besucht werden, betont Fritz Heubeck, der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Insgesamt 15 Bilder werden zu sehen sein, erklärt Peter Zeus. Er ist Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheit und Soziales im Seniorenbeirat.
Die Openair-Fotoausstellung zeigt ausgewählte Werke des Preises für Fotografie von Desideria. Der gemeinnützige Verein Desideria Care hat es sich zum Ziel gesetzt, der Demenz mehr Aufmerksamkeit zu geben und den Blick auf die Erkrankung zu verändern. Die Fotos, die bei einem Wettbewerb entstanden sind, sollen dabei als Brücke dienen, erklärt Peter Zeus: „Sie berühren, schaffen Nähe und öffnen neue Perspektiven”, schreibt Desideria selbst auf seiner Homepage.
Das Ziel ist es, die Menschen und die Angehörigen hinter der Krankheit in den Fokus zu rücken. „Sie zeigt die Vielfalt unserer Gesellschaft und lädt dazu ein, genauer hinzusehen, statt wegzuschauen”, macht Desideria deutlich. Über QR-Codes gelangt man mit dem Smartphone zu den Geschichten hinter den Bildern.
„Uns geht es darum, Demenzkranke nicht zu verstecken”, betont Zeus. „Die Würde des Einzelnen ist dabei ein ganz entscheidender Punkt. Menschen mit Demenz gehören in die Mitte der Gesellschaft.” Die Erkrankung sei allerdings mit Scham verbunden, weil sie die Lebensfähigkeit einschränkt. Er und Heubeck sind froh, dass es ihnen gelungen ist, die vielfach nachgefragte Ausstellung just zur Demenzwoche in Bayern zu bekommen. Die Demenzwoche läuft von Freitag, 18. September, bis Sonntag, 27. September. Die Ausstellung in Ansbach beginnt erst am 19. September.
Es gibt übrigens nicht die Demenz als Erkrankung. Vielmehr handelt es sich um einen Oberbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Gehirns. Alzheimer ist mit nahezu zwei Dritteln der Fälle die häufigste Form, etwa ein Viertel der Fälle gehört zu den gefäßbedingten Demenzen. Immer wieder kommen beide Krankheiten auch in Kombination vor.
Der Seniorenbeirat hat sich Partner vor Ort gesucht, um die Ausstellung nach Ansbach holen zu können. Neben der Stadt und der Gesundheitsregion plus haben auch die Sparkasse und die AOK unterstützt. Daneben sind auch das Theater Ansbach und die Kammerspiele als Partner im Boot.
Als Rahmenprogramm gibt es immer von 14 bis 16 Uhr Infostände, die bei trockenem Wetter in der Ausstellung, bei Regen im Theater-Foyer stattfinden: Fachstelle für Demenz und Pflege (21. September), Hospizverein Ansbach (22. September), Bezirkskliniken Mittelfranken (23. September), Johanniter (24. September), Fachstelle für pflegende Angehörige (25. September) und Pflegestützpunkt Ansbach (26. September).
Ergänzend wird am Donnerstag, 24. September, um 15 Uhr in den Kammerspielen der Film „Blauer Himmel, weiße Wolken” gezeigt. Der Eintritt ist frei. Die Gratis-Tickets kann man sich bei Tante Anna in der Neustadt oder im Seniorenbüro holen.
Die Filmemacherin Astrid Menzel und ihr Bruder machen sich mit ihrer Großmutter auf zu einer Kanufahrt von Bremen nach Kiel. Die 86-Jährige leidet unter immer mehr Gedächtnislücken, seit sie in einem Seniorenheim lebt. Und die neuen Erfahrungen auf der Reise machen die Situation nicht leichter.
Die Ausstellung „Demenz neu sehen” ist von Samstag, 19. September, bis Sonntag, 27. September, auf dem Platz vor dem Theater Ansbach aufgebaut.