Ansbacher Kammerspiele: Tante Friedl zwischen Blues und Suserl-Zwiefachen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.01.2026 20:14

Ansbacher Kammerspiele: Tante Friedl zwischen Blues und Suserl-Zwiefachen

Bayerisch-amerikanisches Weltmusikduo: Tante Friedl, Dan Wall und Magdalena Kriss. (Foto: Elke Walter)
Bayerisch-amerikanisches Weltmusikduo: Tante Friedl, Dan Wall und Magdalena Kriss. (Foto: Elke Walter)
Bayerisch-amerikanisches Weltmusikduo: Tante Friedl, Dan Wall und Magdalena Kriss. (Foto: Elke Walter)

Jedes Land, auch jede Kultur, hat eine eigene musikalische Sprache. Auf eine abwechslungsreiche Reise durch Europa und Amerika, nahm das bayerisch-amerikanische Duo Tante Friedl unter dem Motto „Tandem Music Tour“ sein Publikum am Donnerstag in den Kammerspielen mit.

Schon ihre Besetzung ließ einen etwas anderen Abend erahnen. Volksmusik mit Banjo und Akkordeon? Ungewöhnlich, aber bei Tante Friedl – das sind die bayerische Akkordeonistin Magdalena Kriss und der US-amerikanische Banjo-Spieler Dan Wall – wirkte das so, als hätte es nie etwas anderes gegeben.

Gern mit Tandem und Fahrradanhänger auf Tour

Kennengelernt hatten sich die beiden, die im Sommer bevorzugt mit einem Tandem-Rad sowie einem Fahrradanhänger für Instrumente und Reisezubehör auf Tournee unterwegs sind, auf einem internationalen Volksmusiktreffen und nebenbei festgestellt, dass beide Tanten mit dem Spitznamen „Friedl“ haben. Der Duo-Name war dann schnell gefunden.

Was die beiden auch anpackten, es entstand ein unverwechselbarer, authentischer Sound. Für einige Stücke wechselte Wall zur Geige, die eine weitere Facette einbrachte. Gerade die Kontraste, das traf auch auf die Stimmen zu, machten die Musik einzigartig und ansprechend.

Das Duo eröffnete sein Konzert mit „Lay Low“, einem Stück von Dan Wall, unternahm dann einen ziemlich gewagten geografischen Sprung ins Bayerische, zum „Suserl-Zwiefachen“, einem verzwickten Volkstanz im Wechsel von Dreiviertel- und Zweivierteltakt.

Walzerromantik brachte ein jiddisches Hochzeitslied mit, in dem sich der Bräutigam an den ersten Tanz mit seiner Zukünftigen erinnert. Das dunkle Timbre Walls und die hell strahlende Stimme seiner Partnerin umschmeichelten einander oder schienen in zwei gleichberechtigten, übereinander liegenden Ebenen gemeinsam zu schweben.

Beide übernahmen im Wechsel die Leadstimme, berührten aber besonders, wenn sie im Duett sangen. Die Reise des bestens gelaunten Duos führte unter anderem mit einem Erntelied nach Bulgarien oder auch nach Serbien. Hier hatten die beiden das Rachelied einer betrogenen Ehefrau entdeckt, das in ihrer Interpretation einen emotionalen Krimi erahnen ließ.

Romantisch wurde es mit „Fisherman’s Blues“, einem Cover der englischen Gruppe „The Waterboys“. Auch diesem Song verliehen die beiden ihre ganz eigene Charakteristik.

Vom Geburtstagslied bis zum Protestsong

Im Programm hatte das Duo auch Stücke aus Irland, Norwegen oder Schweden. Tanzrhythmen, die im Kammersaal in die Beine gingen. Ein ukrainisches Geburtstagslied, das ursprünglich als Kinderlied entstanden war, hatten das Duo auch dabei. Die Stücke erzählten von den Menschen, ihrem Leben, ihren Sehnsüchten oder auch dem, was sie bewegte. So etwa auch in den amerikanischen Protestliedern „Blue Skies“ oder auch „Little Boxes“.

Den Kontakt zum Publikum hatten die beiden schnell geknüpft, sie hielten ihn auch während des gesamten Abends aufrecht. Die Begeisterung in den Sitzreihen war spürbar, der Applaus am Ende groß.


Von FM Elke Walter [ELKE WALTER] (elke.walter.21@web.de, Elke_Leo)
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