In der Woche ab Ostermontag, 5. April 1926, gibt die Fränkische Zeitung Tipps zum Umgang mit Zimmerpflanzen: „Bei Sonnenschein darf die Wärme im Zimmer nicht zu hoch steigen, aber man darf sich bei schönem Wetter auch nicht verleiten lassen, die Topfblumen vorzeitig ins Freie zu bringen.”
Denn „die verwöhnten Pflanzen werden bei den starken Wärmeschwankungen leicht Opfer kalter Tage und vor allem der Nächte”, warnt die Redaktion. „Ganz harte Topfpflanzen, die einige Grad Frost aushalten, zum Beispiel Lorbeer, können um die Mitte des Monats ins Freie kommen, besser ist es aber, bis Ende des Monats damit zu warten.”
Auf Einladung der Volksbildungsvereinigung „besuchte am Ostermontag die Städtische Jugendkapelle Nördlingen unsere Stadt”, berichtet die Zeitung. „Pünktlich um 12 Uhr 39 Minuten mittag trafen, von einer großen Menschenmenge erwartet, die jungen Musikanten in ihrer schmucken historischen Tracht am Bahnhof ein, von wo sie mit klingendem Spiel durch verschiedene Straßen zum Mittagsmahl in den ,Schwarzen Bock‘ marschierten.”
Am Nachmittag spielte die Kapelle dann bei bestem Wetter im Hofgarten: „Der prächtige Ostertag füllte schnell den Park. Die immer wieder das Blut wachrüttelnden Klänge des ,Fridericus Rex‘ eröffneten das volkstümliche Konzert und die lockenden Klänge des Straußschen Walzers ,Künstlerleben‘ hoben sichtlich die Frühlingsstimmung der dankbaren Zuhörer inmitten des lenzgrünen Hofgartens.”
Es ist zwar erst April, dennoch wird im Café Probst schon Mai-Bowle mit Waldmeister ausgeschenkt – auch die bessert gewiss die Laune. Die Drogerie Samhammer empfiehlt, im Frühjahr eine Blutreinigung mit einer Hefekur durchzuführen: „Jeder Mensch ist es seiner Gesundheit schuldig, von Zeit zu Zeit eine solche Kur zu machen, um sein Blut von Schärfen zu befreien und eine Ablagerung giftiger Abfallstoffe zu verhüten.”
Um das körperliche Wohl geht es auch in der „Reichsgesundheitswoche”, in deren Rahmen allerorten Vorträge und Filmvorführungen angeboten werden. In Ansbach hält den Eröffnungsvortrag Bezirksarzt Dr. Raß. Die Presse fasst seine Ratschläge für den Alltag zusammen: „Man stehe frühe auf und kleide sich ruhig und bequem an! Der Kopfarbeiter mache nach dem Aufstehen einige Minuten Muskelübungen. Man nehme eine gründliche Körperreinigung vor. Die Kleidung soll dem Körper nur locker anliegen. Das Schuhwerk soll nirgends beengen. Zu hohe Absätze sind schädlich. Das Frühstück nehme man reichlich und nicht zu hastig ein.”
Weitere Leitsätze lauten: „Die gründliche Lüftung der Zimmer ist außerordentlich wesentlich für die Hygiene der Wohnung. Die Küche darf nicht für die ganze Familie als Wohn- oder womöglich noch als Schlafraum dienen. Man wasche sich vor dem Essen gründlich die Hände! Für das wachsende Kind ist ausgiebige Bewegung in frischer Luft unerläßlich. Für die Schuljugend sind 10 bis 12 Stunden Schlaf notwendig. Auf die Hygiene des Schlafzimmers ist besonders zu achten. Man schlafe auf fester Matratze und, wenn möglich, bei offenem Fenster.”
Im anschließend gezeigten Film ist eine dreiköpfige Familie zu sehen, „die in hygienischer Weise den Tag verbringt vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und als Gegenbeispiel ebenfalls eine dreiköpfige Familie, deren Lebensweise zu erheblichen hygienischen Bedenken Anlaß gibt”.
Erbaulicher ist vermutlich der Streifen „Südliche Liebe” in den Bären-Lichtspielen, den die Zeitung in einer Annonce euphorisch anpreist: „Sie müssen wissen, daß es sich hier um einen Schlager allerersten Ranges handelt, um einen Film, der wunderbare Dekorationen und herrliche Naturaufnahmen enthält – daß Betty Blythe und Liane Haid in diesem Film auftreten, zwei Frauen, die einen Weltruf besitzen – daß die Handlung dieses Films spannend, interessant und stark dramatisch ist und in einem Milieu spielt, das stets bewundert wird.” Die US-amerikanische Schauspielerin Betty Blythe ist für ihre freizügigen Kostüme bekannt.
„In der an den Exerzierplatz Urlas anstoßenden Staatswaldung brannte etwa ein Tagwerk zehnjährigen Fichtenbestandes nieder”, meldet die Presse. „Durch das energische Eingreifen der in der Nähe arbeitenden Landbevölkerung konnte das Feuer eingedämmt und weiterer Schaden verhütet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt; wahrscheinlich liegt Fahrlässigkeit vor.”
Die Redaktion weist „auf die große Feuersgefahr in der jetzigen Jahreszeit” hin: „Diese ist jetzt, wo dürres Gras und Unkraut den Boden bedeckt, größer als selbst im heißen Sommer. Der jetzige Brand kann mit Sicherheit auf die Unvorsichtigkeit der Ausflügler zurückgeführt werden, von denen ja an diesem Tage der Wald voll war.”
Musikmeister und Saitenfabrikant Albrecht Schübel feiert seinen 80. Geburtstag: „Der in weiteren Kreisen bekannte und allseits beliebte Jubilar hat sich einer für sein Alter seltenen körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische zu erfreuen.” Auch die ehemalige Wäscherin Luise Mai und der frühere Kutscher Leonhard Scheuermann finden Erwähnung in der Fränkischen Zeitung, da sie 80 und 84 Jahre alt werden „und sich noch guten Wohlbefindens zu erfreuen haben”.
An „alle Ansbacher Hausfrauen” richtet sich eine Werbeanzeige für Sunlicht-Seife: „Ist das eine strahlende Frische, ein köstlicher Duft! Sunlicht-Seife pflegt den kostbaren Wäscheschatz. Mühelos löst ihr prächtiger Schaum den Schmutz.” Die Seife wurde zunächst bei Liverpool unter dem Markennamen Sunlight hergestellt und weltweit vertrieben, ehe sie ab 1899 auch in Mannheim in einer riesigen Seifensiederei produziert wird. Das Waschmittel mit dem nun teils eingedeutschten Namen wird intensiv mit Zeitungsannoncen, Plakaten und auch in Haushaltsratgebern und Trivialromanen aus dem firmeneigenen Verlag beworben.
Die „Abituria Ansbach”, der Abschlussjahrgang des hiesigen Gymnasiums, feiert groß in der Orangerie: „Commers am 7. April Punkt halb 8, Festball am 8. April 8 Uhr. Nur durch Karten Geladene haben Zutritt.” Am Wochenende veranstaltet dann der Turnverein Ansbach 1860 zwei „turnerische und vaterländische Werbeabende”; eingeladen sind Mitglieder und Gönner sowie „die vaterländisch gesinnte Einwohnerschaft”.