Fasten hat viele Formen: Die eine legt alle Mahlzeiten des Tages in ein Zeitfenster von höchstens 8 Stunden und pausiert dann mindestens 16 Stunden - Stichwort Intervallfasten. Der andere verzichtet im Fastenmonat Ramadan zwischen Sonnenaufgang und -untergang komplett auf Essen und Trinken.
Egal, welches Fastenkonzept: Verzichten wir eine Weile auf Nahrung, sinkt der Blutzuckerspiegel. Menschen mit Diabetes müssen aufpassen, damit es nicht zu gefährlichen Stoffwechselentgleisungen kommt - etwa einer Unterzuckerung oder einer Ketoazidose, also einer Übersäuerung des Blutes.
Für Diabetiker gilt deshalb: „Fasten darf nie auf eigene Faust begonnen werden - weder aus religiöser Überzeugung noch aus gesundheitlichem Ehrgeiz“, so Theresia Schoppe, Vorstandsmitglied im Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD).
Immer eine gute Idee ist also, die Fastenpläne vorab mit der Ärztin oder dem Diabetesberater zu besprechen. Was genau es zu beachten gibt, hängt von der Art des Fastens, aber auch von Diabetestyp und Therapie ab. Zwei Beispiele im Detail:
Menschen mit Typ-2-Diabetes können laut VDBD im Ramadan fasten - vorausgesetzt, ihr Stoffwechsel ist stabil eingestellt. Ein Anhaltspunkt, dass das der Fall ist: Der Langzeitblutzucker HbA1c liegt unter acht Prozent.
Konkret sollten sie Folgendes beachten:
Und was gilt für Menschen mit einem Typ-1-Diabetes? Der VDBD rät Typ-1-Patienten mit instabilen Werten, einer Neigung zu Unterzuckerung und/oder Diabetes-Komplikationen wie Nierenschäden dazu, auf das Fasten im Ramadan lieber zu verzichten.
„Allen anderen möchten wir nicht pauschal abraten, doch es braucht in jedem Fall eine spezialisierte Betreuung, klare Abbruchregeln und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden“, fasst Diabetes-Beraterin Schoppe zusammen. So sind unter anderem Schwindel, Übelkeit und Zittern Warnzeichen, bei denen man das Fasten sofort unterbrechen sollte.
16 Stunden fasten, 8 Stunden essen. Oder: Fünf Tage pro Woche normal essen und dann zwei Tage Pause einlegen. Das sind zwei häufige Intervallfasten-Konzepte.
Solche strukturierten Fasten-Formate können für Menschen mit einem Typ-2-Diabetes durchaus Vorteile bringen. Denn sie können den Langzeitblutzucker senken und bei der Gewichtsabnahme helfen, der VDBD verweist auf entsprechende Untersuchungen.
Auch beim Intervallfasten ist für alle mit einem Typ-1-Diabetes Vorsicht geboten. Laut VDBD sind ihnen höchstens milde Formen mit kurzen Essenspausen zu empfehlen, begleitet von Blutzuckermessungen alle zwei bis drei Stunden.
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