Zecken warten im hohen Gras und in Büschen auf einen Wirt. Kommt ein Hund oder eine Katze vorbei, lassen sich die Plagegeister fallen. Manchmal streifen Vierbeiner eine Zecke auch beim Vorbeigehen oder beim Schnüffeln im Gras ab.
Das Problem: Die blutsaugenden Parasiten können Erreger übertragen, die gefährliche Krankheiten wie Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen. Tierhalter sollten daher nach jedem Spaziergang oder Freigang ihr Haustier gründlich absuchen. Dazu rät die Tierschutzstiftung Vier Pfoten.
Besonders gerne mögen Zecken weiche, gut durchblutete Körperstellen, etwa den Achsel- und Lendenbereich sowie die Ohren. Häufig setzen sich Zecken auch im Hals- oder Kopfbereich, etwa auf der Schnauze fest. Wer eine Zecke auf der Haut oder im Fell seines Vierbeiners entdeckt, sollte sie möglichst schnell entfernen. Denn manche Krankheitserreger werden über den Speichel der Zecken erst nach und nach übertragen. Mit Blick auf den Menschen schreibt das Robert Koch-Institut etwa: Nach einem Einstich dauert es ein bis zwei Tage, bis Borrelien übertragen werden.
„Am besten nutzt man eine Zeckenkarte oder eine Zeckenzange“, rät Ursula von Einem, Sprecherin des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte. Damit kann man die Zecke am Kopf möglichst dicht an der Haut des Haustiers greifen. „Die Zecke sollte man dann vorsichtig herausziehen - nicht drehen oder quetschen, sondern einfach langsam und gerade von der Haut weg ziehen“, so die Tierärztin.
Wichtig ist, dass man darauf achtet, dass man alle Teile der Zecke entfernt - sonst bleibt vielleicht das Mundwerkzeug stecken und die Stelle kann sich entzünden.
„Öl oder Klebstoff sind übrigens nicht geeignet, um Zecken zu entfernen“, so Ursula von Einem. Denn wenn man diese auf die Zecke aufträgt, erstickt der Parasit. „Das kann dazu führen, dass die Zecke im Stress sogar mehr Erreger überträgt, als es sonst der Fall wäre.“
Nach dem Entfernen sollte man die Stichstelle mit einem tierärztlich empfohlenen Mittel reinigen, um Infektionen vorzubeugen. Dazu rät die Tierschutzstiftung Vier Pfoten.
Die Stichstelle sollte man auch einige Tage danach weiter kontrollieren. „Rötet und entzündet sie sich, sollte man einen Tierarzt aufsuchen“, so Ursula von Einem. Das gilt auch, wenn das Tier einige Tage oder wenige Wochen nach dem Zeckenstich krank wird, etwa Müdigkeit oder Appetitlosigkeit zeigt sowie Fieber, Durchfall oder geschwollene Lymphknoten bekommt.
Die Viren und Bakterien, die Zecken übertragen, können auch Haustiere mit ernsthaften Krankheiten infizieren. „Leider sind einige diese Erkrankungen nicht heilbar und können zum Tod führen. Daher ist es wichtig, sein Tier vor einem Befall zu schützen“, so Ursula von Einem.
In Sachen Schutz lässt man sich am besten in einer Tierarztpraxis beraten, empfiehlt die Tierschutzstiftung Vier Pfoten. Denn nicht jedes Zecken-Präparat eigne sich für jedes Tier. Vorsicht sei etwa bei dem Wirkstoff Permethrin geboten. Während Hunde das Präparat in der Regel gut vertragen, kann es bei Katzen zu schweren Vergiftungen führen.
Und es gibt weitere Unterschiede: Tatsächlich sind FSME-Erkrankungen beim Hund - anders als beim Menschen - äußerst selten. Deshalb gibt es hier der Tierärztin zufolge keine Impfung. „Für Hunde gibt es aber eine Impfung gegen Borreliose. Diese wird in Risikogebieten empfohlen“, so Ursula von Einem. „Allerdings schützt sie nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion.“
Der beste Schutz ist also, Zeckenstichen vorzubeugen. Dafür gibt es etwa Halsbänder und Tabletten oder tierärztlich empfohlene Spot-on-Präparate. Diese träufelt man laut Vier Pfoten in den Nacken oder an den Rutenansatz, wo das Tier sie nicht oder nur schwer ablecken kann.
„Solche Präparate haben im Vergleich zur Schwere der übertragenen Erkrankungen geringe Nebenwirkungen. Sie sollten das ganze Jahr über angewendet werden“, rät die Tierärztin. Denn aufgrund des Klimawandels sind Zecken mittlerweile ganzjährig aktiv.
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