Wie Ebola-Patienten auf Isolierstationen behandelt werden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.07.2026 03:48

Wie Ebola-Patienten auf Isolierstationen behandelt werden

Bei einer Übung wird gezeigt, wie Ganzkörper-Gebläse-Schutzanzüge angelegt werden. (Archivbild) (Foto: Bernd Thissen/dpa)
Bei einer Übung wird gezeigt, wie Ganzkörper-Gebläse-Schutzanzüge angelegt werden. (Archivbild) (Foto: Bernd Thissen/dpa)
Bei einer Übung wird gezeigt, wie Ganzkörper-Gebläse-Schutzanzüge angelegt werden. (Archivbild) (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Höchste Sicherheitsstandards sind nötig, wenn Patienten mit gefährlichen Erregern wie Ebola in ein Krankenhaus aufgenommen werden. Nur wenige Gesundheitszentren in Deutschland sind darauf vorbereitet. Im Mai nahm die Berliner Charité einen Ebola-Patienten in ihrer Sonderisolierstation auf, nun wird ein weiterer Fall in der Uniklinik in Frankfurt am Main behandelt.

Wie arbeitet eine solche Sonderisolierstation?

Stationen dieser Art sind vom regulären Klinikbetrieb getrennt, sodass Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten ausgeschlossen werden kann. Verhindert werden nicht nur direkte Begegnungen - auch die Raumluft, das Wasser und sogar der Müll werden strikt getrennt, wie das Bundesgesundheitsministerium informiert. 

„Entscheidend ist, dass kein Risiko für die Bevölkerung besteht, und auch nicht für die Mitarbeitenden“, erklärt Oberarzt Torsten Feldt, Leiter des Bereichs Tropenmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf. Aus den Sonderisolierstationen in Deutschland sei „noch kein Erreger entkommen“. 

Das Abwasser des Patienten wird in speziellen Tanks gesammelt, aufbereitet und neutralisiert. Müll wie die gebrauchten Schutzanzüge wird getrennt gesammelt und durch ein spezialisiertes Unternehmen sicher entsorgt. 

In den Räumen herrscht außerdem Unterdruck, damit beim Öffnen der Türen oder bei kleinen Lecks die Luft in die Station hineingesogen wird und nicht entfleucht - so können auch die Krankheitserreger nicht nach außen dringen. Hinzu kommen besondere Filteranlagen: „Die Luft wird, bevor sie wieder in die Umwelt abgegeben wird, mit einem Hochleistungsfilter gefiltert“, erklärt Feldt.

Wie schützt sich das medizinische Personal?

Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte betreten die isolierten Bereiche immer in speziellen Ganzkörper-Schutzanzügen, inklusive einer Art Helm, Fußteilen und Handschuhen. Dazu gehört auch ein integriertes Gebläse-Luftfiltersystem. Das An- und Ausziehen kann laut Bundesgesundheitsministerium etwa 20 Minuten dauern.

Fachleute der Infektiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf demonstrierten kürzlich das Prozedere, bei dem auf einen Besuch des Patientenzimmers eine Dekontaminationsdusche folgt. Dabei wird nicht nur mit Essigsäure desinfiziert, sondern auch noch händisch mit einer Bürste in allen Falten des Anzugs von oben bis unten geschrubbt. Anschließend wird der Einmal-Anzug mit Schutzausrüstung aufgeschnitten und entsorgt.

Weil die Arbeit in diesen gelben Anzügen so anstrengend ist, dürfen die Fachleute laut Feldt maximal zwei Stunden darin arbeiten. Dann wird gewechselt.

Wo in Deutschland gibt es Sonderisolierstationen?

Insgesamt gibt es sieben davon - in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Sie sind von überall in der Bundesrepublik auf dem Landweg innerhalb von wenigen Stunden erreichbar.

Die Kapazität ist unterschiedlich. In Düsseldorf können nach dortigen Angaben maximal drei Patienten mit der gleichen Krankheit behandelt werden, in der Berliner Charité sind es bis zu 20 Personen - das ist die größte Station. Insgesamt liegt die Kapazität im mittleren zweistelligen Bereich.

Sind diese Sonderisolierstationen immer aktiv?

Nein, sie werden nur aktiviert, wenn es einen entsprechenden Verdachtsfall gibt, wie Oberarzt Feldt erklärt. „Das wichtigste dabei ist, das Team zusammenzutrommeln, denn die Personalstärke, die benötigt wird für die Versorgung der Patientinnen und Patienten, ist doch beträchtlich.“ Für einen Patienten seien etwa 50 Fachleute nötig, da die Teams im Schichtsystem arbeiten müssten.

Im normalen Alltag sei die Sonderisolierstation bei ihm im Klinikum eine Infektionsstation, erläutert Feldt - das bedeute, dass alle Betten mit infektiösen Patienten belegt seien. Diese müssten erst einmal verlegt werden, entweder innerhalb des Hauses oder in andere Krankenhäuser. „Die Vorbereitung nach der Alarmierung dauert etwa vier Stunden - manchmal geht es etwas schneller.“

Wie häufig wird so ein Alarm ausgelöst?

„Das ist ein extrem seltenes Ereignis, das kommt alle Jahre einmal vor“, sagt der Tropenmediziner. In Düsseldorf seien bisher noch keine viral hämorrhagischen Fieber wie Ebola oder Lassa behandelt worden. In jüngster Vergangenheit aber befand sich dort eine Kontaktperson jener Menschen, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ mit dem Hantavirus infiziert hatten. 

Auf der Sonderisolierstation in Frankfurt am Main hat man Erfahrung mit hämorrhagischem Fieber: „Wir haben hier mehrere Patienten mit der Sars-Erkrankung, dem Lassa-Fieber sowie einen mit dem Ebolavirus infizierten Patienten erfolgreich behandelt“, heißt es auf der Webseite. Im Jahr 2014 waren schon einmal drei Ebola-Patienten aus Afrika nach Deutschland geflogen worden.

Warum wird der Patient in Deutschland behandelt?

Die USA haben die Bundesregierung bereits in der Vergangenheit um Hilfe bei der Behandlung eines mit Ebola infizierten US-Staatsbürgers gebeten, wie das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Webseite mitteilt. Als Grund nennt das Ministerium die im Vergleich zum Reiseziel USA kürzere Flugzeit vom Kongo nach Deutschland sowie die vorhandene medizinische Infrastruktur. Neben den sieben Sonderisolierstationen gibt es auch das bundesweite Expertennetzwerk Stakob, das auf die Behandlung von Patienten mit hochpathogenen Erregern spezialisiert ist.

© dpa-infocom, dpa:260713-930-375118/1


Von dpa
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