Für den 2:1-Sieg beim FC Bayern München spendierte Trainer Niklas Reutelhuber den Regionalliga-Fußballern der SpVgg Ansbach ein freies Wochenende. Er selbst musste zwei Tage später schon wieder ran.
Als Spieler des SV Alesheim reiste Reutelhuber zum Bezirksliga-Auswärtsspiel beim FV Uffenheim. Als das angepfiffen wurde, dürften auch die ausdauerndsten Feierlichkeiten des ersten Ansbacher Sieges beim FC Bayern II vorbei gewesen sein. Einige nullneuner waren gleich in München geblieben und hatten dann ein langes freies Wochenende ohne Training vor sich.
„Wir haben die Bayern in einem günstigen Moment erwischt, aber wir haben auch ein sehr gutes Spiel gemacht”, freute sich Reutelhuber über den Erfolg im Grünwalder Stadion gegen den durch Verletzungen und Sperren personell geschwächten Nachwuchs des Rekordmeisters.
„Angesichts der aktuellen Umstände war die erste Halbzeit in Ordnung. Wir sind zu Recht in Führung gegangen und haben das Ergebnis mit in die Pause genommen. Den Gegentreffer bekommen wir dann durch individuelle Fehler und hatten in der Folge damit zu kämpfen. Danach war es ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten, die Ansbach besser genutzt hat als wir“, sagte Bayern-Trainer Holger Seitz.
Reutelhuber hatte durch diverse Neujustierungen an diesem denkwürdigen Abend großen Anteil am Erfolg. „Wir wollten hoch Mann gegen Mann pressen”, so Reutelhuber, wobei er zunächst auf eine 5-2-1-2-Formation setzte. Die passte aber nicht genau zum System der Bayern, woraus sich Zuteilungsprobleme ergaben. „Mit der Fünferkette in Mannorientierung zu finden, hat ab und zu etwas gedauert”, so Reutelhuber, „wir haben dann auf ein flaches 4-4-2 umgestellt, das hat besser gepasst”.
Nicht nur durch diese Entscheidung, sondern auch durch die Einwechslungen wurde das Spiel zu einem persönlichen Erfolgserlebnis für den Trainer. Die Ansbacher Torschützen Ken Mata (56. Minute) und Dino Nuhanovic (87.) kamen von der Bank, ebenso der Vorbereiter des Siegtores, Sven Landshuter. Julien Yanda hatte die Münchner nach sechs Minuten in Führung geschossen.
Als das Spiel völlig verdient in Richtung der Ansbacher kippte, war Üveys Ayan nicht mehr auf dem Feld. Der 17-Jährige startete als zentraler offensiver Mittelfeldspieler. „Es war klar, dass er nicht 90 Minuten gehen würde. Ich war mit seiner Leistung auf der Zehn zufrieden”, kommentierte Reutelhuber das Startelfdebüt des Jugendspielers.
Eine enorme Menge an Glückwünschen brach in den vergangenen Tagen über Ken Mata herein. Der 22-jährige Winterneuzugangwurde am Tag vor dem Spiel erstmals Vater, die Tochter heißt Lelia, und er erzielte in München sein erstes Tor für Ansbach. „Wenn er sofort nach jeder Geburt ein Tor schießt, darf seine Frau gerne noch ein paar Kinder mehr bekommen”, scherzt Reutelhuber.
Es besteht natürlich die Hoffnung, dass es unabhängig von Schwangerschaften zwischen Kinderzahl und Trefferkonto nicht dauerhaft 1:1 steht. Durch seine Dribblings, bei denen er auch gerne mal mehrere Gegenspieler austanzt, hat sich Mata in Ansbach schon eine Fangemeinde erspielt, die dem Ballkünstler immer wieder Szenenapplaus spendet.
„Das motiviert natürlich und ich bin froh, dass mit dem Tor endlich der Knoten bei mir geplatzt ist, ich hatte ja schon zuvor die eine oder andere Torgelegenheit”, sagt Mata, für den Franken eine weitere Station in einem bewegten Leben ist. Er wurde in Düsseldorf geboren, fing in Köln mit dem Kicken an und lebte dann unter anderem in Dortmund und Gelsenkirchen.
„Wir waren so dicht dran an der Sensation”
Als Jugendlicher war Mata unter anderem für Borussia Dortmund aktiv und spielte später dann auch für den FSV Mainz 05 II und den FC Homburg in der Regionalliga Südwest.
Das Highlight seiner Karriere war ein DFB-Pokalspiel mit dem SV Straelen. Vor knapp 6000 Zuschauern in Duisburg unterlag der West-Regionalligist 2022 dem Zweitligisten St. Pauli durch ein Tor in letzter Sekunde mit 3:4. „Wir waren so dicht dran an der Sensation”, erinnert sich Mata.
„Er ist einer der besten Dribbler in der Mannschaft und wir wollen ihn ermutigen, seine Stärke weiterhin auszuspielen”, sagt Reutelhuber, „damit ist er eine Waffe vor allem, wenn er im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen trifft”. So wie der Trainer gegen Bayern.