Wider das Vergessen: Gedenken an Hiroshima und Nagasaki in Neustadt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.08.2024 08:00

Wider das Vergessen: Gedenken an Hiroshima und Nagasaki in Neustadt

Mit Musik, Gebeten und Schwimmkerzen, die in den Neptunbrunnen gesetzt wurden, wurde in Neustadt der Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki gedacht. (Foto: Ute Niephaus)
Mit Musik, Gebeten und Schwimmkerzen, die in den Neptunbrunnen gesetzt wurden, wurde in Neustadt der Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki gedacht. (Foto: Ute Niephaus)
Mit Musik, Gebeten und Schwimmkerzen, die in den Neptunbrunnen gesetzt wurden, wurde in Neustadt der Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki gedacht. (Foto: Ute Niephaus)

Wider das Vergessen, heißt es alljährlich, wenn auch in Neustadt der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gedacht wird. Neben den rund 140.000 Menschen, die bei den Angriffen am 6. und 9. August 1945 sofort getötet wurden, starben viele an den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung. Man geht, so Bürgermeister Klaus Meier, von mehr als 230.000 Opfern in Japan aus.

Dieses schreckliche Ereignis jährte sich nun zum 79. Mal. Es müsse uns allen eine Verpflichtung sein, diese „verabscheuungswürdige Tat“ im Gedächtnis zu festigen – besonders in Zeiten mit zwei menschenverachtenden Kriegen in der Ukraine und in Nahost, betonte Neustadts Bürgermeister am Dienstagabend im Rahmen der „Nacht der 100.000 Kerzen“.

An die vielen Opfer wird immer gedacht

Zu dieser Gedenkveranstaltung hatte die Stadt Neustadt gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche auf den Marktplatz eingeladen. Mit dabei war auch der Bund Naturschutz (BN). Meier erklärte auch in seiner Funktion als „Major for peace“, Bürgermeister für den Frieden, dass man das Andenken der Opfer von Hiroshima und Nagasaki ehre und sie niemals vergesse, verbunden mit dem Versprechen, eine Wiederholung der Tat mit aller Kraft zu verhindern.

„Der Hiroshima-Gedenktag soll uns alle an unsere Verantwortung für eine Politik der nuklearen Abrüstung erinnern“, sagte der Bürgermeister. Dem schloss sich Karin Eigenthaler vom Bund Naturschutz (BN) an. Sie erinnerte daran, dass auch nach den Atombombenabwürfen weitere Atomtests stattfanden, welche die betroffenen Länder verstrahlten, Menschen aus ihrer Heimat vertrieben sowie Krebs- und Strahlenkrankheiten verursachten. „Die Auswirkungen sind heute noch spürbar.“ Insgesamt wurden weltweit 200 Atomtest von den USA, Russland, Frankreich, China, Großbritannien, Nordkorea, Indien und Pakistan vorgenommen.

Friedliche Nutzung der Kernenergie schädigt

Schäden verursache darüber hinaus auch die friedliche Nutzung der Kernenergie – sei es nun beim Abbau des spaltbaren Materials, bei Unfällen wie in Tschernobyl oder bei Explosionen wie in Fukushima. „Freigesetzte Radioaktivität schädigt alles Leben über Jahrtausende.“ Zudem sei in Deutschland die Lagerung des strahlenden Materials ungeklärt. Das Abschalten der letzten Atomkraftwerke sei ein Riesenerfolg für die Umweltbewegung, so Eigenthaler. Nun gelte es, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen, aber auch Energie zu sparen.

Auf die Atomwaffen zurückkommend, merkte Klaus Meier an, dass geplant sei, im Jahr 2026 in Deutschland US-Raketen zu stationieren, die bis weit nach Russland hinein tödliche Atombomben fliegen können. „Wenn diese Waffen bei uns stationiert werden, wird dies eine gefährliche Eskalation zur Folge haben.“ Eine solche brandgefährliche Situation für die Menschen in Mitteleuropa müsse abgewendet werden – vor allem mit Blick darauf, dass ein völlig unberechenbarer Donald Trump wieder US-Präsident werden könnte.

Atomwaffen weltweit abschaffen, verschrotten und ächten

Als wichtiges Ziel nannte er, wie auch Pfarrerin Christiane Schäfer, Atomwaffen weltweit abzuschaffen, zu verschrotten und zu ächten. Mehr als drei Jahrzehnte nach Ende des „Kalten Krieges“ gebe es weltweit noch mehr als 12.000 Atomwaffen – mit einer zehn Mal so großen Sprengkraft wie die Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Pfarrerin Schäfer ging auch auf die derzeitige Spirale der Gewalt ein, die sich immer schneller drehe.

Menschen nutzten ihre Macht aus, um Soldaten in den Krieg zu schicken und gezielt Menschen zu töten. Zudem werde der Tod von Kindern billigend in Kauf genommen. „Atomwaffen werden hoffähig“, so die Geistliche. Es würden neue Waffen getestet, die Verschmutzung der Umwelt ignoriert. Auch in der Bibel stoße man auf Kriegsgeschichten, die unglaubliche Zerstörung und den Tod vieler mit sich brachten. Auch dort hätten die Menschen lieber in Frieden gelebt. Damals wie heute bedürfe es eines langen Atems, um Frieden zu wahren. Schäfer: „Es braucht Menschen, die der Zerstörung Hoffnung entgegensetzen, die das Lebendige weiter pflegen, damit die Erinnerung nicht verloren geht.“

Klimagerechtigkeit und Frieden eng verbunden

Zu bedenken gab die Pfarrerin auch, dass der Friede bedroht sei, wenn die Natur leidet. „Frieden und Klimagerechtigkeit hängen eng zusammen.“ Sich mit Worten und Taten für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen und durch Gott die Kraft zu finden, sich eigene Fehler einzugestehen, dazu forderte die katholische Gemeindereferentin Jutta Friedel, die auch für die musikalische Umrahmung sorgte, in den Fürbitten auf.

Zuvor hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung bereits Schwimmkerzen in den Neptunbrunnen gesetzt – eine Erinnerung an die Menschen, die sich nach den Atombombenabwürfen ins Wasser stürzten, um Linderung von den Schmerzen zu erfahren, so Meier.

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