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Veröffentlicht am 02.02.2026 08:43, aktualisiert am 02.02.2026 14:44

Wichtiger Gaza-Grenzübergang wieder eingeschränkt geöffnet

Der Grenzübergang ist wieder geöffnet. (Archivbild) (Foto: Ahmed abudraa/AP/dpa)
Der Grenzübergang ist wieder geöffnet. (Archivbild) (Foto: Ahmed abudraa/AP/dpa)
Der Grenzübergang ist wieder geöffnet. (Archivbild) (Foto: Ahmed abudraa/AP/dpa)

Die eingeschränkte Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen für den Personenverkehr ist für viele Palästinenser ein Zeichen der Hoffnung. Rund ein Jahr lang war der Übergang geschlossen. Nun sei die Ein- und Ausreise der Gaza-Bewohner wieder möglich, hieß es aus israelischen Sicherheitskreisen. Auch der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News meldete die begrenzte Öffnung. Am Nachmittag berichtete der Sender, aus Ägypten einreisende Palästinenser hätten die palästinensische Seite des Gaza-Grenzübergangs erreicht.

Die Öffnung ist Teil des von den USA vorangetriebenen Gaza-Friedensplans. Seit dem 10. Oktober 2025 gilt im Rahmen des Abkommens bereits eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Geplant ist in einem nächsten Schritt auch die Entwaffnung der Terrororganisation sowie der Wiederaufbau des im Krieg großflächig zerstörten Gazastreifens. Auslöser war das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel.

Nur wenige Palästinenser können ein- und ausreisen

Laut israelischen Berichten dürfen ab sofort rund 150 Palästinenser - kranke und verletzte Menschen sowie ihre Begleiter - den Gazastreifen verlassen. Zugleich können demnach rund 50 Menschen, die das Gebiet während des Kriegs verlassen haben, wieder zurückkehren. Al-Kahira News berichtete, nur 50 Menschen würden aus- und 50 einreisen. Insgesamt sind israelischen Angaben zufolge rund 42.000 Palästinenser im Zuge des Kriegs ausgereist.

Hilfsgüter werden vorerst weiterhin nicht direkt aus Ägypten in den Gazastreifen geliefert. Sie kommen über Übergänge, die nach Israel führen. 

Für viele Menschen ist dies also eher symbolische Öffnung und trotzdem ein wichtiger Schritt. Rafah ist der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen, der nicht über israelisches Gebiet führt. Er gilt den Menschen in dem Küstengebiet als „Tor zur Welt“. Israels Armee hatte an dem Übergang während ihrer Offensive im Gazastreifen im Mai 2024 auf palästinensischer Seite die Kontrolle übernommen. Seitdem war er fast durchgehend geschlossen. Zuletzt war er kurzzeitig Anfang 2025 geöffnet.

„Zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Hoffnung verspürt“

Die Nachricht, dass der Grenzübergang wieder für Fußgänger geöffnet werde, habe ihn sehr gefreut, sagte kürzlich der herzkranke Palästinenser Ahmed Abu Salmija der Deutschen Presse-Agentur. „Ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Hoffnung verspürt.“ Ärzte im Gazastreifen hätten ihm schon vor Monaten gesagt, dass er im Ausland behandelt werden müsse. Nun hofft der 47-Jährige aus der Stadt Gaza eigenen Angaben zufolge darauf, ausreisen zu können. „Ich möchte nur in ein Krankenhaus, das mich behandeln kann, bevor es zu spät ist.“

Die Gesundheitsversorgung im Gazastreifen ist weiterhin schlecht. Nach palästinensischen Angaben warten rund 20.000 Kranke und Verletzte in Gaza auf Behandlung im Ausland. 

Die 35 Jahre alte Huda Al-Masri aus der im südlichen Gazastreifen gelegenen Stadt Chan Junis wünscht sich, nach mehr als zwei Jahren ihre Eltern und Geschwister wiedersehen zu können, die in Ägypten leben. Auch ihre beiden Kinder sehnten sich nach einem Treffen mit ihren Großeltern. „Die Ankündigung der Wiedereröffnung von Rafah hat mich zum Weinen gebracht“, so die Palästinenserin.

Öffnung um einen Tag verschoben

Die Öffnung war eigentlich bereits für Sonntag angekündigt worden. Sie verzögerte sich jedoch um einen Tag. Am Sonntag wurde laut israelischen Angaben zunächst der Betriebsablauf getestet. 

Die Öffnung Rafahs wurde schon vor Wochen geplant, verzögerte sich aber immer wieder. Eine Hürde war die Rückführung der letzten Geisel, die sich noch im Gazastreifen befand. Die sterblichen Überreste des Polizisten Ran Gvili wurden vor einer Woche identifiziert und nach Israel geholt. 

Kontrollen durch Israel, Stempel von palästinensischen Beamten

Der Personenverkehr über Rafah folgt einem mehrstufigen Verfahren. Ägypten soll laut israelischen Medienberichten täglich eine Liste mit Namen der passierenden Personen vorlegen. Die Ein- und Ausreise läuft unter Aufsicht und mit Unterstützung der EU-Mission vor Ort (Eubam Rafah) und wird nur gestattet in Fällen, die vom israelischen Geheimdienst genehmigt wurden. Die Stempel im Pass vergeben dagegen Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde. Palästinenser konnten Gaza zuletzt nur unter strengen Auflagen über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom verlassen.

EU unterstützt palästinensische Grenzschützer in Rafah

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, Experten der zivilen EU-Mission seien vor Ort, um den Betrieb des Grenzübergangs zwischen Gaza und Ägypten zu überwachen und die palästinensischen Grenzschutzkräfte zu unterstützen. Sie betonte, dass die Menschen im Gazastreifen weiterhin dringend auf Hilfe angewiesen seien.

Palästinenser: Wieder Tote in Gaza

Trotz Waffenruhe soll es palästinensischen Angaben zufolge durch Beschuss der israelischen Armee im Gazastreifen drei Tote gegeben haben. Aus medizinischen Kreisen dort hieß es, darunter sei ein dreijähriges Kind, das bei einem Angriff der israelischen Marine im Süden des Küstenstreifens getroffen und getötet worden sein soll. Das Kind habe sich vor einem Zelt für Binnenvertriebene aufgehalten. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Israels Armee sagte auf Nachfrage, sie gehe dem Bericht nach. Immer wieder gibt es trotz der geltenden Waffenruhe weiterhin tödliche Vorfälle in Gaza.

© dpa-infocom, dpa:260202-930-629755/3


Von dpa
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