Und wieder einmal erhob sich die 21B, der Nachbau von Gustav Weißkopfs wichtigstem Flieger, in die Lüfte. Diesmal allerdings flügellos, an einem Kranhaken. Am Donnerstag wurde der Rumpf ins neue Museum bugsiert: Muskelkraft und Millimeterarbeit.
Eine schlaflose Nacht lag hinter Projektleiterin Dr. Laura Gebauer. Wird der Transport klappen? Und was, wenn dem filigranen Flugmodell dabei etwas zustößt? Schließlich wird die Replik, die vor Jahrzehnten im Hobbykeller des Ansbacher Ingenieurs Fritz Bruder entstanden ist, bald das Herzstück der Flugpionier-Ausstellung sein. Frei schwebend soll sie über den Besuchern hängen und sie staunen lassen.
Die letzten Jahre hatte der Nachbau, mit dem vor einem Vierteljahrhundert in Manching erfolgreiche Flugversuche absolviert worden waren, in einem ehemaligen Supermarkt an der Färbereistraße gelagert. Nur Auftritte auf der Luftfahrtmesse „Aero“ in Friedrichshafen hatten den Dornröschenschlaf unterbrochen.
Nun aber wird die 21B zu neuem Leben erweckt. Mitglieder der Forschungsgemeinschaft Gustav Weißkopf (FFGW) demontierten zunächst die an Fledermaus-Flügel erinnernden Tragflächen, denn komplett hätte der Flieger durch keine Öffnung im ehemaligen Landgericht gepasst. Lediglich der bootsförmige Rumpf zog gestern um – alle weiteren, handlicheren Teile folgen laut Dr. Gebauer erst, wenn die 21B Ende August im zentralen Raum des neuen Museums aufgehängt wird.
Mitarbeiter des Bauhofes bugsierten den Bauch des Flugzeuges auf einem Pritschen-Lkw durch die Stadt. Für den Baukran am Landgericht war die mit Stoff bespannte Holzkonstruktion eine leichte Last. Übers Dach wurde der Rumpf neben den Treppenturm gehievt, wo ihn von der eben erst montierten Nottreppe aus helfende Hände in Empfang nahmen und ins Haus trugen.
Dort ruht die Replik nun noch eine Weile auf Ziegelsteinen, bis sie an ihrem endgültigen Ausstellungsort installiert wird – erst kurz vor der Museumseröffnung Mitte September. Bis dahin ist noch viel zu tun in der ehemaligen Zehntscheune – und immer wieder erlebt die Projektleiterin böse Überraschungen. So mussten in die Wände des bereits fertig verputzten und gestrichenen „Hangars“, der sich über zwei Etagen erstreckt, noch einmal Schlitze geschlagen werden: Die Elektriker hatten diverse Kabel vergessen.
Laura Gebauer bringt nach all den Überraschungen auf der Großbaustelle kaum noch etwas aus der Ruhe. „Aber als ich das erfahren habe“, räumt sie ein, „hätte ich beinahe geheult.“