Die einen schenken den Fingernägeln nur alle zwei Wochen kurz einmal Aufmerksamkeit - wenn sie gekürzt werden müssen. Die anderen widmen sich ihnen zweimal pro Woche, um sie mit Lack und Co. aufzuhübschen.
Doch unsere Fingernägel sind nicht nur da, um gut auszusehen - sie helfen uns durch unseren Alltag. „Nägel stabilisieren die Fingerkuppe“, sagt der Hausarzt Lutz Weber. Sie erleichtern es uns, nach kleinen Gegenständen zu greifen, ebenso helfen sie beim Kratzen und generell bei feinem Hantieren.
Sinneswahrnehmungen wie Druck oder Temperatur werden zwar nicht von den Nägeln selbst, sondern von den Rezeptoren in der Haut der Fingerspitze registriert. „Die Nägel verstärken aber die Empfindung, indem sie einen Gegenhalt bieten“, erklärt Lutz Weber. Und: In früheren Zeiten seien Fingernägel eine exzellente Waffe gewesen, so der Dermatologe Jan-Olaf Piontek. Sechs Fragen und Antworten rund um unsere Nägel.
„Unser Nagel besteht hauptsächlich aus dem festen, fasrigen Protein Keratin, das auch in den Haaren und der äußeren Hautschicht vorkommt“, sagt Lutz Weber.
Wie schnell Nägel wachsen, ist individuell verschieden. Grob lässt sich sagen: Zehennägel wachsen etwa ein bis zwei Millimeter pro Monat, Fingernägel kommen auf einen Millimeter pro Woche.
„Enthält die Ernährung viel Biotin und Zink, die Grundbausteine der Nagelplatte, wachsen sie schneller“, sagt Jan-Olaf Piontek. Aber dazu später mehr.
„Ähnlich wie bei den Haaren sind auch die Fingernägel ein Signalgeber“, sagt Lutz Weber. Sie können uns also etwas über den Zustand unseres Körpers verraten.
Gar nicht so selten kommt eine tiefe Rille vor, die aus dem Nagel rauswächst. Sie zeigt an, dass das Wachstum vorübergehend gestört war - etwa aufgrund eines Infektes. „In der Regel wächst aber alles weiter und die Nagelwurzel geht nicht kaputt“, sagt Jan-Olaf Piontek.
Andere Veränderungen können kritischer für den Nagel sein. Etwa, wenn er dick und bröckelig wird und gelbliche Verfärbungen am Nagelrand zeigt. Das spricht für einen Nagelpilz. Er sollte behandelt werden, sonst droht ein Verlust des Nagels.
Auch wenn eine Nagelvariante aus der Norm fällt, etwa so ins Fleisch einschneidet, dass sich die Stelle entzündet und womöglich sogar eitert, ist ein Arztbesuch angesagt.
Das gilt auch, wenn Pigmentflecke unter dem Nagel zu sehen sind. „Bei verschleppten Tumoren denken Patienten oft, das sei ein Leberfleck“, sagt Piontek. „Bitte solche Veränderungen nicht als „Das ist ja nix!” abtun.“
Wer zum Hautkrebsscreening geht, sollte dabei übrigens keinen Nagellack auf Finger- oder Fußnägeln tragen. Schließlich sollen Arzt oder Ärztin auch Hautveränderungen unter den Nägeln sehen können.
„Da ist alles möglich“, sagt Lutz Weber. Äußere Einflüsse wie der häufige Kontakt mit Wasser und Spülmittel können den Nägeln Feuchtigkeit entziehen, was sie instabiler macht. Auch aggressive Chemikalien führen oft zu brüchigen Nägeln - ein Beispiel: Nagellackentferner.
Die Ursache kann aber auch im Körper liegen: „Bei einem Nährstoffmangel mit Biotin, Eisen, Zink oder Vitamin D3 kann sich der Nagel nicht mehr richtig bilden“, sagt Lutz Weber. Wer den Verdacht hat, nicht gut genug damit versorgt zu sein, lässt am besten eine Blutuntersuchung machen.
Jan-Olaf Piontek rät: „Schneiden Sie den Nagel an der entsprechenden Ecke nah am Nagelbett ab und kleben im Zweifel ein Pflaster darauf.“ Auf keinen Fall sollte man den Nagel weiter abziehen bis es blutet. „Dann wird das Nagelbett verletzt.“ Jetzt braucht es nur noch Geduld, bis der Riss herausgewachsen ist.
„Man sollte die Nägel vor äußeren Einflüssen schützen“, rät Lutz Weber. „Bei der Hausarbeit empfiehlt es sich zum Beispiel, Handschuhe zu tragen.“ Und aufzupassen, mit welchen Chemikalien man in Kontakt kommt.
Handcremes schützen die Nagelsubstanz. Jan-Olaf Piontek: „Allerdings nur, wenn sie ohne Zusatzstoffe wie Parfüm und Pflanzenbestandteile sind.“ Letztere können Allergien auslösen.
Und dann ist da noch der Faktor Ernährung: Wer sich ausgewogen und vielfältig ernährt, tut schon viel für schöne und starke Nägel. Auf Biotin und Zink kommt es besonders an. Als gute Lieferanten zählt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf:
Auch Nahrungsergänzungsmittel können Weber zufolge eine Option sein, wenn man mit brüchigen Nägeln zu kämpfen hat - und sie auf einen Nährstoffmangel zurückgehen. Also am besten bespricht man das Thema mit Hausarzt oder Hausärztin.
„All das ist aus medizinischer Sicht Murks“, lautet die Einschätzung von Jan-Olaf Piontek. Optisch seien Kunstnägel und Lacke Geschmackssache, aber gesundheitlich unumstritten bedenklich.
„Jeder Lack oder Kleber ist aggressiv. Sie schädigen auf Dauer das Nagelbett“, sagt Lutz Weber. Wird viel von der Matrix geschädigt, also vom Ausgangspunkt des Nagels, kann das dauerhafte Folgen haben. „Der nachfolgende Nagel ist nicht mehr so stabil und fest. Er könnte zudem wellig, verformt, verfärbt und eventuell mit Rissen nachwachsen“, sagt Lutz Weber.
Zudem können sich durch Nagellacke laut Piontek mit der Zeit Allergien entwickeln. Erst entstünden Entzündungen und Rötungen, später Schwellungen auf der Haut. Viele haben dann gar nicht auf dem Schirm, dass der Nagellack der Übeltäter sein könnte.
Nicht zuletzt rät Piontek auch aus hygienischer Sicht von langen Kunstnägeln ab. „Darunter sammeln sich Schmutz und Bakterien zuhauf an.“
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