Als Nicholas Hofbauer ins Scheinwerferlicht tritt, ist es mucksmäuschenstill. Rund 500 Menschen blicken gebannt auf den 32-Jährigen. Oder vielmehr: Sie lauschen. Warten auf die Stimme des Mannes, dem gerade das Herz bis zum Hals schlägt.
Nicholas Hofbauer ist diesen Mittwoch Kandidat bei der TV-Castingshow „The Voice of Germany” (TVOG) des Senders ProSieben. In Wolframs-Eschenbach ist er aufgewachsen, an seinem Gesang feilt er schon seit der Kindheit. „In die Wiege gelegt” habe ihm das Vater Wolfgang. Der ist einer der Sänger der A-cappella-Band „Harmonia Vocalis”, gegründet aus ehemaligen Mitgliedern des Windsbacher Knabenchores.
Jetzt ist es der Sohn, auf dem die Aufmerksamkeit des Publikums ruht. Die stärksten Zeiten des Formates sind mit Blick auf die Quoten inzwischen wohl vorbei, doch neben „Deutschland sucht den Superstar” ist TVOG hierzulande weiterhin Platzhirsch unter den Castingshows. Immerhin rund 1,5 Millionen Menschen schalteten zuletzt in der aktuellen Staffel im Schnitt ein. Im Gegensatz zu den TV-Zuschauern weiß Hofbauer aber natürlich längst, wie es ausgeht. Die Aufzeichnung der Show war bereits im Juni. „Es war der Wahnsinn”, erinnert sich der Kandidat.
Wenn er ins Reden über seine Erlebnisse gerät, wird Hofbauer schnell emotional. „Ich hatte richtig Angst”, gesteht er. Kein Wunder: In „The Voice” haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine Chance, die Jury von sich zu überzeugen. In den „Blind Auditions” müssen sie vor laufenden Kameras ihr Bestes geben. Die Juroren, bestehend aus Yvonne Catterfeld, Mark Forster, Kamrad und Samu Haber, dürfen zunächst nur zuhören. Die Person zur Stimme sehen sie erst, sollten sie sich aufgrund des Gesangs für sie entscheiden.
„Ich hab' total gezittert”, sagt Hofbauer. „Ich musste mit beiden Händen das Mikro festhalten.” Den Song, den er auf der Bühne dann anstimmte, dürfte aber doch den einen oder anderen Zuschauer überraschen: „Ich war mal Frontmann einer Metalcore-Band”, sagt Hofbauer, dessen durchtrainierte Oberarme mit zahlreichen Tattoos geschmückt sind. „Und da fand es die Redaktion natürlich lustig, wenn ich einen Disney-Song singen würde.” Also interpretierte Hofbauer „Go the Distance” aus dem Zeichentrickfilm „Hercules”.
Quer durch die TV-Landschaft werden Menschen gecastet: ob für Kuppel- oder Talentshows, als Laienschauspielerinnen oder Quizkandidaten. Wenn dann plötzlich der Nachbar im TV zu sehen ist, dann ist klar: Der hat eine spannende Geschichte zu erzählen.
Das haben längst auch die TV-Sender bemerkt und informieren Lokalzeitungen oft schon vor den Sendungen über Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Die Sender haben ganze Portale installiert, damit Journalistinnen und Journalisten schnell an Informationen und Bilder kommen.
In diesem Fall allerdings kam Nicholas Hofbauers Mutter ProSieben zuvor. Sie gab der FLZ-Redaktion einen Tipp über den Auftritt ihres Sohnes. Nach einem Telefonat mit ihm und weiterer Recherche entstand daraus diese Geschichte.
Sicherheit habe ihm während des Auftrittes gegeben, als er seine Familie im Publikum entdeckte. Mutter, Vater, Bruder und sein elfjähriger Sohn hatten ihn ins Studio nach Berlin begleiten dürfen. Außerdem dabei: Hofbauers früherer Chef einer regionalen Sicherheitsfirma. Seit drei Wochen macht Hofbauer allerdings in Ansbach eine Fachlehrerausbildung für Grund- und Mittelschule.
Sofern das mit der Musik nun nicht durch die Decke geht. Denn, Herr Hofbauer, wie ging der Auftritt denn jetzt aus? „Ich sag's mal so: Der Applaus tat wahnsinnig gut, und das Feedback der Coaches hat mir gut gefallen. Es war für mich der mit Abstand beste Auftritt, den ich in der Größenordnung je hatte.” Ob das objektiv so war, könne er nicht genau sagen, er sei da schon kritisch: „Ich bin selbst gespannt: War es so gut, oder habe ich einen Bock geschossen?” Immerhin habe er die Aufnahme noch nie gesehen. In dieser Sache ist er auch nicht weiter als der Rest der „Voice”-Fans.
Eines steht für ihn aber jetzt schon fest: Der Auftritt hat in ihm die Leidenschaft fürs Musizieren neu entfacht. „Ich bin wieder auf der Suche nach einer Metalcore-Band”, sagt er. Disney-Song hin oder her.
Wie die „Voice”-Jury auf Hofbauers Song reagiert hat, lesen Sie hier: