Wadephul erwartet Sieg - und Putin eine Niederlage Kiews | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.08.2026 05:00

Wadephul erwartet Sieg - und Putin eine Niederlage Kiews

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erwartet, dass die Ukraine den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt. (Archivbild) (Foto: Michael Fischer/dpa)
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erwartet, dass die Ukraine den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt. (Archivbild) (Foto: Michael Fischer/dpa)
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erwartet, dass die Ukraine den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt. (Archivbild) (Foto: Michael Fischer/dpa)

Nach viereinhalb Jahren Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine erwartet Kremlchef Wladimir Putin in Moskau trotz bisher unerreichter Invasionsziele weiter eine Niederlage Kiews. Bundesaußenminister Johann Wadephul hingegen sieht die Ukraine bei einem weiteren Besuch in dem Land klar auf Siegeskurs. „Putin muss wissen, gemeinsam mit ihren Unterstützern hat die Ukraine den längeren Atem auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: endlich Frieden“, sagte der CDU-Politiker in Kiew.

Wie der Krieg ende, sei eine entscheidende Frage für die Zukunft Europas. „Und er muss so enden, dass nicht das Recht des Stärkeren sich durchsetzt, sondern dass die Stärke des Rechts sich durchsetzt“, sagte der Minister. Nach massiven russischen Luftschlägen mit vielen getöteten ukrainischen Zivilisten - wie zuletzt am Freitag in Krywyj Rih, wo 16 Menschen bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum starben und rund 130 weitere verletzt wurden - fordert die Ukraine vor allem mehr westliche Hilfe bei der Flugabwehr.

Selenskyj braucht Patriots - Wadephul will sich kümmern

Nach ukrainischen Angaben führte auch ein russischer Angriff mit ballistischen Raketen in einem Kiewer Vorort Wadephul unmittelbar vor Augen, was der Ukraine derzeit am meisten zu schaffen macht. Ihr fehlen die Mittel, um die Angriffe mit den im Vergleich zu Marschflugkörpern und Drohnen sehr schnellen ballistischen Raketen abzuwehren. Selenskyj bekniet die Alliierten seit langem, zusätzliche Patriot-Abwehrraketen US-amerikanischer Bauart zu liefern - bisher ohne Erfolg.

Wadephul betonte aber, dass er schon nächste Woche weiter versuchen werde, Bündnispartner zur Abgabe von Patriots zu bewegen. „Die Dringlichkeit, die Ukraine mit weiteren Luftverteidigungssystemen zu unterstützen, wird hier noch einmal deutlich“, sagte er in Kiew. 

Zu den möglichen Lieferanten zählen Griechenland, Italien, Japan und Südkorea. Die Bundeswehr hat schon fünf Systeme an die Ukraine abgegeben und sieht eigentlich keine Möglichkeit mehr, aus ihren eigenen Beständen zu liefern. Die Bundeswehr habe alles mobilisiert, was möglich war, und sei an ihre Reserven herangegangen, sagte Wadephul. Er regte aber an, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Bestände noch einmal prüft. 

Wadephul befindet sich nach wie vor in der Ukraine, sein weiteres Programm wurde nicht veröffentlicht.

Putin droht Kiew mit Vergeltung: „Büchse der Pandora“ geöffnet

Erstmals seit Beginn der massiven ukrainischen Drohnenangriffe gegen Ölraffinerien und Logistikzentren in Russland äußerte sich Kremlchef Putin am Samstag in einem Interview des Moskauer Staatsfernsehens. Er kündigt eine scharfe Antwort Moskaus an. Die Ukraine habe mit den gegen Russlands Wirtschaft gerichteten Attacken die „Büchse der Pandora“ geöffnet, Kiew habe selbst den „Geist aus der Flasche“ gelassen.

„Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen“, sagte er. Ultranationalistische Kreise in Russland hatten Putin zuletzt aufgefordert, härter gegen die Ukraine vorzugehen. Nun sagte er: „Dabei werden die Handlungen der russischen Armee noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen.“ Die Ukraine habe diese Reaktion selbst provoziert, behauptete Putin, der selbst vor viereinhalb Jahren seinen Angriffskriegskrieg gegen das Nachbarland begonnen hatte.

Schon in den vergangenen Wochen hatte Russland immer häufiger ballistische Raketen gegen die Ukraine eingesetzt - in dem Wissen, dass das Land kaum noch Abfangraketen hat, um sich dagegen zu wehren. Diese Schläge, bei denen so viele Zivilisten getötet wurden wie seit langem nicht, bezeichnete Putin als passend und effektiv. Sie hätten den russischen Soldaten an der Front geholfen, ihre Aufgaben zu erfüllen, behauptete er.

Putin und Medwedew demonstrieren Siegesgewissheit

Auf einem Parteitag der regierenden Kremlpartei Geeintes Russland am Samstag zeigten sich Putin und sein politischer Ziehsohn Dmitri Medwedew siegessicher in dem Krieg. „Russland wird sich immer mehr Gebiete zurückholen. Unsere tapfere Armee bestätigt das stets aufs Neue“, sagte Parteichef Medwedew, der auch Vizechef des nationalen Sicherheitsrates ist. Die Ukraine bezeichnete er als ein verschwindendes „Phantom-Land“, das schon jetzt 20 Prozent seines Gebiets verloren habe. Trotz massiver Verluste konnte das russische Militär in der Ukraine allerdings seit vielen Monaten keine großen Gebietsgewinne melden.

Das Land bewege sich trotz beispiellosen Drucks von außen auf den Sieg zu, meinte der frühere Präsident Medwedew weiter. Es werde auch dem Westen nicht gelingen, Russland zu zerschlagen. 

Putin sagte im Interview mit Pawel Sarubin, der als sein Haus- und Hofreporter gilt, dass die Ukraine zuletzt „exotische Vorschläge“ für eine Friedenslösung gemacht habe. Der Kremlchef wies diese durch Vermittler überbrachten Ideen zurück, ohne Details zu nennen. Nach Darstellung Putins wird so versucht, eine für die Ukraine „katastrophale Entwicklung“ abzuwenden. Ein Dialog über eine Friedenslösung sei nur auf Grundlage der Situation an der Front auf dem Boden möglich, sagte er.

© dpa-infocom, dpa:260823-930-568976/1


Von dpa
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