Während die ehemaligen Mitspieler bei der SpVgg Ansbach noch mit der Wintervorbereitung beschäftigt sind, ist Tarkan Ücüncü bei seinem neuen Verein in der Türkei schon voll im Wettkampfmodus. Und der Saisonhöhepunkt steht kurz bevor.
Der offensive Mittelfeldspieler ist vom Regionalligisten im Winter zu Bandirmaspor gewechselt, wo er einen Profivertrag bekam. Von Bandirma, gelegen am Marmarameer, ging es gleich noch weiter in den Süden. Der Zweitligist reichte seinen Neuzugang aus Bayern nämlich umgehend an einen Drittligisten weiter. „Im Winter tut sich bei Wechseln in der Türkei immer relativ viel, es ist nicht ungewöhnlich, dass man da gleich weiterverliehen wird”, sagt Ücüncü.
So kam Ücüncü nach Isparta, gelegen auf rund 1000 Metern im Taurusgebirge, bekannt für Teppiche und Rosenanbau. Sollte es den 23-Jährigen nach deutscher Gesellschaft oder auch deutschem Essen verlangen, müsste er nur eineinhalb Stunden nach Süden fahren, dort liegt Antalya. Das Zentrum der Urlaubsregion am Mittelmeer ist für die Fußballer aber nicht in erster Linie wegen der Strände wichtig, sondern wegen des Flughafens. Heimweh hat Ücüncü ohnehin nicht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er für den Sport die Stadt wechselt.
Die Liga, in der Isparta 32 Spor spielt, ist zweigeteilt, allerdings nicht nach regionalen Gesichtspunkten. Daher braucht es für einige Auswärtsspiele das Flugzeug.
Es wird hier nicht so viel Pressing gespielt.
Enorm wichtig war der 1:0-Erfolg im Wochentagsspiel gegen Menemen, einen direkten Konkurrenten im Kampf um die Qualifikation zu den Play-Off-Spielen um den Aufstieg in die zweite Liga. Ücüncü wurde in der Schlussviertelstunde eingewechselt, Bereits sein dritter Einsatz für den neuen Verein. Am 8. Februar steht das Heimspiel gegen den Tabellenführer und ehemaligen Erstligisten Bursaspor an, der eine riesige Fangemeinde hat. „Beim Hinspiel waren da 45000 Zuschauer”, hat man Ücüncü erzählt.
„Mein Ziel war immer, Profi zu werden”, sagt Ücüncü. Das hat er nun geschafft. Der Vertrag mit Bandirmaspor läuft bis 2028. „Ich soll in Isparta Spielzeit sammeln und mich an den Fußball in der Türkei gewöhnen”, so Ücüncü. Der ist doch anders als der in Ansbach gewohnte. „Der Fußball hier ist technischer, nicht so intensiv. Es wird nicht so viel Pressing gespielt”, so seine Erfahrungen.
Dass es mit dem Profivertrag geklappt hat, hat Ücüncü aus mehreren Gründen der SpVgg Ansbach zu verdanken. Im Trikot der nullneuner zeigte Ücüncü im ersten Halbjahr etliche überzeugende Spiele. Vor allem im so unglücklich nach spätem Gegentor im Elfmeterschießen verlorenen Pokalspiel gegen Jahn Regensburg, bei dem er im Mittelfeld klug Regie führte, und im Ligaspiel gegen den FC Bayern München II, bei dem er ein Tor erzielte, stach Ücüncü heraus. Starke Argumente für seinen Berater, sich für den Schützling im Formhoch umzutun.
Als dann das Angebot von Bandirmaspor stand, „hat mir die SpVgg keine Steine in den Weg gelegt, dafür bin ich sehr dankbar”, so Ücüncü. Der aus Lauf stammende Sohn eines türkischen Vaters spielte in der Jugend eine Zeit lang für den 1. FC Nürnberg, ehe er ins Internat des FC Carl-Zeiss Jena ging.
Mit Mitspielern teilt er auch jetzt wieder das Dach über dem Kopf. Etwa ein Dutzend Isparta-Akteure wohnen in einer Unterkunft des Vereins zusammen, an Partnern für Playstation-Abende mangelt es also nicht.
Er gibt sogar einen weiteren Spieler mit Erfahrung in der Regionalliga Bayern in seinem Team. Resul Türkkalesi spielte einst im Nachwuchs des FC Bayern und wurde 2019 Meister mit der Reserve.