Elisabeth Derrer und Uta Gampe haben gut lachen. Seit nunmehr einem Jahr organisieren sie die Bad Windsheimer Nachbarschaftshilfe. Und es läuft. Das Angebot wird immer mehr nachgefragt – und auch die Anzahl der ehrenamtlich Engagierten wächst. Entsprechend positiv ist die Bilanz, die sie rund ein Jahr nach dem offiziellen Start des Angebots ziehen.
In die verantwortliche Position bei der Nachbarschaftshilfe sind Gampe und Derrer eher zufällig gekommen. Derrer hatte den Verantwortlichen der Stadt ursprünglich ein ganz anderes soziales Projekt vorgestellt, das sie gerne umgesetzt hätte. „Jetzt fangen sie doch erstmal bei der Nachbarschaftshilfe an“, habe es daraufhin geheißen. Und Derrer fand, dass das eine gute Idee sei.
Gampe hingegen hatte sich nach einer Informationsveranstaltung im Kur- und Kongress-Center (KKC) in Bad Windsheim zum Thema „Demografiefeste Kommune“, bei der auch die Nachbarschaftshilfe vorgestellt worden war, als Ehrenamtliche gemeldet. Als sie später am finalen Treffen zur Initiierung der Nachbarschaftshilfe teilgenommen hatte, bei dem sich herausstellte, dass noch eine Person fürs Organisationsteam fehlte, „war ich nach einer Stunde so weit, dass ich den Posten übernommen habe“.
Weder Derrer noch Gampe bereuen den Schritt. „Wir ergänzen uns gut“, sagen sie. Das könnte ihrer Meinung nach unter anderem daran liegen, dass sie beruflich ähnliche Hintergründe haben. Während Derrer gelernte Krankenschwester ist und die Krankenpflegeschule in Scheinfeld geleitet hat, war Gampe als medizinisch technische Assistentin (MTA) tätig. Nun sind beide in Rente und froh darüber, mit der Nachbarschaftshilfe eine neue, sinnvolle Aufgabe gefunden zu haben.
Dass sie dies ist, hat das Duo schon vielfach erfahren dürfen. Dabei ist ihnen auch ein Problem sehr bewusst geworden, das sie bislang gar nicht so sehr im Fokus hatten: das der Einsamkeit. „Viele Menschen sind einsam. Es sind vor allem Ältere, die sich häufig nicht mehr trauen, das Haus allein zu verlassen“, erzählt Gampe. Immer wieder würden sich Menschen an die Nachbarschaftshilfe wenden, die einfach mal mit jemandem ein Eis essen gehen möchten. Oder sie möchten einen Spaziergang machen und sich zwanglos unterhalten.
Weil solche Wünsche mittlerweile immer häufiger an das Organisationsteam der Nachbarschaftshilfe herangetragen werden, werden aktuell Ehrenamtliche gesucht, die solche Aufgaben gerne übernehmen würden. „Wer das machen möchte, sollte die Bereitschaft haben, sich auf einen bestimmten Menschen langfristig einzulassen – vorausgesetzt, die Chemie stimmt“, sagt Gampe. Denn während das Kernangebot der Nachbarschaftshilfe darauf ausgelegt ist, kurzfristig und punktuell zu helfen, ist der Einsatz gegen die Einsamkeit längerfristig angedacht und auf Regelmäßigkeit angelegt.
Doch auch für andere Hilfsangebote werden weiterhin Ehrenamtliche gesucht. Aktuell gehören insgesamt 16 Personen zum Team der Nachbarschaftshilfe. Dass es nach einem Jahr bereits so viele Engagierte gibt, freut Derrer und Gampe sehr. „Da können wir auf die Bad Windsheimer stolz sein“, sagt Derrer. Sie hätte erwartet, dass es länger dauern würde, einen solchen Stamm an Einsatzkräften aufzubauen. Trotzdem dürften es gerne noch mehr werden, betont sie. Denn je mehr zur Verfügung stehen, desto flexibler könne man reagieren.
Wer sich einbringen möchte, kann das mit dem tun, was er am besten kann. Denn eingesetzt werden die Ehrenamtlichen ihren Fähigkeiten entsprechend. Wer sich gut mit Computern auskennt, wird bei PC- oder Handy-Problemen vermittelt. Wer hingegen handwerklich begabt ist, darf mitunter beim Aufbauen eines Schrankes helfen. Immer wieder nachgefragt wird zudem die Übernahme des Einkaufs, die Versorgung von Haustieren, Unterstützung beim Schriftverkehr mit Behörden, Hausaufgabenbetreuung oder die Begleitung zum Arzt. „Wir haben mittlerweile Stammgäste, die sich immer wieder an uns wenden“, so Gampe. Aber auch von Angehörigen älterer Menschen werden sie kontaktiert.
Dem Organisationsteam der Nachbarschaftshilfe ist aber eines ganz wichtig: dass nicht nur Senioren auf das Angebot zurückgreifen. „Die Nachbarschaftshilfe ist für alle da, man muss nicht über 70 Jahre alt sein, um sie nutzen zu dürfen“, sagt Derrer.
Schließlich könne jeder mal in die Situation kommen, Hilfe zu benötigen. Wenn beispielsweise eine alleinerziehende Mutter krank sei und niemanden habe, der den Einkauf erledige, könne sie sich an die Nachbarschaftshilfe wenden. Kurzfristige Hilfe könne zudem jemand benötigen, der sich die Hand oder den Fuß verletzt habe und vorübergehend eingeschränkt sei.
Wer die Nummer der Nachbarschaftshilfe wählt, spricht entweder mit Gampe oder Derrer. Eine von beiden hat das Telefon immer dabei. Sogar im Urlaub. So hat Uta Gampe die Einsätze schon mal vom Campingplatz aus koordiniert und Elisabeth Derrer von einer Bergwanderung aus 2000 Metern Höhe.
Sollten sie tatsächlich mal nicht sofort ans Telefon gehen, bitten sie dringend darum, den Namen und die Telefonnummer zu hinterlassen. „Wir rufen garantiert zurück, aber das können wir nur, wenn wir auch die Nummer dazu haben“, erklärt Gampe und betont, dass jeder ehrenamtlich Tätige der Nachbarschaftshilfe der Schweigepflicht unterliege. Außerdem werde auf einen verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Daten geachtet.
Für die Zukunft haben es sich Gampe und Derrer zur Aufgabe gemacht, die Nachbarschaftshilfe noch bekannter zu machen. Sie persönlich sind mit Herzblut dabei und vom Angebot absolut überzeugt. Das Schöne dabei: Es ist auch für sie selbst eine Bereicherung. Weil sich „total interessante Begegnungen“ ergeben und man „außergewöhnliche Lebensgeschichten“ erfährt.