Vermisste Schülerin Lisa tot gefunden - Verdächtiger gefasst | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.11.2026 14:23, aktualisiert am 08.11.2026 19:56

Vermisste Schülerin Lisa tot gefunden - Verdächtiger gefasst

Die vermisste 13-jährige Schülerin Lisa ist tot. Ihre Leiche wurde in einem Haus in Brandenburg gefunden.  (Foto: Marco Porzig/dpa)
Die vermisste 13-jährige Schülerin Lisa ist tot. Ihre Leiche wurde in einem Haus in Brandenburg gefunden. (Foto: Marco Porzig/dpa)
Die vermisste 13-jährige Schülerin Lisa ist tot. Ihre Leiche wurde in einem Haus in Brandenburg gefunden. (Foto: Marco Porzig/dpa)

Die schockierende Nachricht traf am Sonntagabend ein, fünf Tage nach dem Verschwinden der 13-jährigen Lisa T. aus Berlin-Marzahn. Im Nordosten Brandenburgs, nahe der Grenze zu Polen, fand die Polizei in einem unbewohnten Einfamilienhaus die Leiche eines Mädchens. Schnell wurde klar: Es ist die Vermisste, wie die Berliner Staatsanwaltschaft mitteilte. Lisa ist tot. 

Bis zuletzt hatte Lisas Mutter Unterstützer für die Suche mobilisiert und in Internet-Streams um Hilfe gebeten. Vergeblich. Ihre Hoffnung und die vieler Menschen, dass das am Dienstagmorgen auf dem Weg zur Schule verschwundene Mädchen lebend wieder auftaucht, ging nicht in Erfüllung. 

Mutmaßlicher Entführer wollte sich töten

In dem Haus, wo die Leiche entdeckt wurde, fanden die Ermittler einen schwer verletzten Mann. Er steht laut Staatsanwaltschaft im Verdacht, Lisa T. verschleppt und getötet zu haben. Der Verdächtige habe sich selbst lebensgefährlich verletzt und befinde sich in einem kritischen Zustand, hieß es. „Es ist derzeit unklar, ob er seine Verletzungen überleben wird“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Petzold. Der Verdächtige wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht, wo er von Polizisten bewacht wird. Seine Identität sei bislang ungeklärt.

Die Leiche des Mädchens soll am Montag obduziert werden. Die Todesursache war zunächst noch unbekannt.  

Fund der Leiche durch Zufall

Gegen 12.00 Uhr am Sonntag wurde die Polizei informiert, dass jemand in ein unbewohntes Einfamilienhaus im Stadtteil Altglietzen von Bad Freienwalde eingebrochen sei. Der Ort liegt 50 Kilometer nordöstlich von Berlin-Marzahn. Nach einem Bericht von „Bild“ soll der Besitzer des Hauses die Leiche und den lebensgefährlich verletzten Mann gefunden und die Polizei alarmiert haben. 

Der Staatsanwaltschafts-Sprecher sagte: „Es hat letztlich kein Hinweis an den Ort in Brandenburg geführt. Das war reiner Zufall, dass durch den Hausfriedensbruch das ans Tageslicht getreten ist.“ 

Weitere Ermittlungen der Mordkommission

Vermutlich wollte der mutmaßliche Täter sich selbst töten, als er die Entdeckung bemerkte, hieß es. Gegen den Mann besteht nun dringender Mordverdacht. Die Mordkommission des LKA sicherte am Abend vor Ort Spuren. Fotos zeigten Experten vom LKA in weißen Schutzanzügen hinter Absperrbändern. Die Polizei muss klären, wie das Mädchen entführt wurde.

Lisa wurde zuletzt gesehen, als sie am Dienstagmorgen in Berlin-Marzahn am östlichen Stadtrand gegen 7.15 Uhr zu einer Haltestelle ging, von wo sie zur Schule fahren wollte. Die Polizei gab eine Suchmeldung mit einem Foto heraus. Am Freitag sprachen die Ermittler von einem mutmaßlichen Verbrechen. Aussagen von Zeugen führten offenbar zu dieser Einschätzung. Nach Medienberichten soll die Verbindung von Lisas Handy kurz nach Verlassen ihres Wohnhauses abgebrochen sein.

Umfangreiche Suche mit Drohnen und Hunden

Eine Mordkommission leitete nun die Ermittlungen. Die Polizei startete eine umfangreiche Suchaktion mit Hunderten Beamten in dem Viertel mit vielen Grünflächen und kleinen Waldgebieten. Polizisten gingen in Plattenbauten von Tür zu Tür, sprachen mit Anwohnern, und verteilen Zeugenaufrufe. Hinweise im dreistelligen Bereich gingen ein.

Die Polizei setzte Spürhunde ein, ein Hubschrauber überflog die Straßen. Am Sonntagnachmittag sammelten sich zahlreiche Helfer vom Roten Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund. Auch hier waren Suchhunde dabei und stöberten in Gebüschen und Waldstücken. In Seen nahe der Stadtgrenze ließ das Rote Kreuz eine Unterwasserdrohne ins Wasser. 

Nachbarn alarmiert

Die Anwohner waren alarmiert. „Die ganze Nachbarschaft redet seit Tagen über dieses arme Mädchen“, sagte eine Mutter, die am Sonntagmittag mit zwei Kindern unterwegs war. Sie spreche mit vielen anderen Eltern über das Verschwinden der 13-Jährigen. „Man muss wirklich gut aufpassen auf die Kinder. Aber was soll man machen, wenn sie alleine zur Schule fahren?“

Zwei Teenager im Alter von 16 und 17 Jahren, Marie und Antonia, berichteten am Mittag, also vor dem Fund der Leiche, dass auch in der Schule und im Unterricht über das Verschwinden gesprochen wurde. Die ganze Schule mache sich Sorgen. „Meine Mutter hat richtig Angst bekommen“, sagte die eine. 

In einer Tankstelle, vor der Wagen der Mordkommission standen, wurden Gerüchte diskutiert. Ein Polizist soll gesagt haben, dass eine Sim-Karte in der Gegend gefunden worden sei. Von einem weißen Lieferwagen ist die Rede, der in der Nähe des Wohnhauses gesehen worden sei. 

Frühere Fälle Georgine und Rebecca

Der Fall erinnert an zwei weitere Teenager, die in Berlin vor vielen Jahren verschwanden. 2006 war es Georgine K. die in Moabit auf dem Rückweg von der Schule war und nicht zu Hause ankam. Erst 2016 kam die Kripo auf die Spur eines Nachbarn. Der Mann wurde wegen Mordes verurteilt, er hatte die Jugendliche um Hilfe gebeten und in einen Keller gelockt und erwürgt. 

Der bekannteste Fall ereignete sich 2019 als die 15-jährige Rebecca aus dem Stadtteil Britz im Berliner Bezirk Neukölln spurlos verschwand. Bis heute wurden weder sie noch ihre Leiche gefunden. Auch hier hatte die Polizei wochenlang in Brandenburg Suchtrupps mit Hunderten Beamten, Hunde, Hubschrauber, Drohnen, Bagger, Boote und Taucher eingesetzt. Handydaten sowie Hunderte von Hinweisen wurden ausgewertet, aber ohne Ergebnis.

Rebeccas Familie hat bis heute die Hoffnung, dass ihre Tochter wieder auftaucht. Für die Mutter von Lisa ist diese Hoffnung nicht mehr vorhanden.

© dpa-infocom, dpa:261108-930-962845/10


Von dpa
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