„Mit Entsetzen“ hat die Initiative „Bürgerprotest gegen Tiefflieger“ auf die Ankündigung der Bundeswehr reagiert, wieder Tiefflüge in der Area 7 zuzulassen. Für Dieter Beyer (Ansbach) und Monika Dollinger (Markt Berolzheim) werden die Interessen von hunderttausenden Menschen ignoriert.
Eine Presseerklärung weist auf drei Punkte hin: auf mögliche Katastrophen, sprich im schlimmsten Fall auf Abstürze, auf die Gefährdung durch Abgase und auf die Auswirkungen des Tieffluglärms auf Verhalten und Gesundheit. Befürchtet werden zudem „große wirtschaftliche Schäden“. Die Region sei in den vergangenen 20 Jahren wirtschaftlich und touristisch aufgeblüht. „Große Investitionen werden zunichtegemacht, wenn fluglärmgeschädigte Touristen fernbleiben.“
Sollte die Reaktivierung nicht zurückgenommen werden, „sehen wir uns gezwungen, unsere Regionalinitiativen in Weißenburg, Gunzenhausen, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Wassertrüdingen, Wemding, Pappenheim und Triesdorf ebenfalls wieder zu reaktivieren“. Beyer ist sich sicher: „Dass Militärmaschinen nur 75 Meter über Grund wieder fliegen können, darüber sind viele enttäuscht.“ Ein Gastwirt aus dem Hesselbergraum drückt es im Gespräch mit der FLZ so aus: „Es war schlimm, ganz schlimm, ich bin froh, dass es vorbei ist, und ich hoffe, dass es nicht wieder so kommt.“
„Es war äußerst, äußerst grenzwertig, man konnte sich draußen nicht unterhalten, manchmal klirrten sogar die Kaffeetassen“, erinnert sich ein Lehrer. „Die Düsenjets waren überfallartig schnell da, schnell wieder weg. Man ist regelrecht zusammengezuckt. Manchmal veranstalteten die Piloten regelrecht Luftspiele. Alle waren froh, als es in den 1990ern weniger wurde und schließlich ganz aufhörte.“
Beyer wünscht sich viele junge, aktive Tieffluggegner. „Wir selbst sind inzwischen alt und können einen Widerstand wie damals nicht mehr leisten.“ Eine Bedrohung für Deutschland sieht der 77-Jährige nicht. „Putin wird die Bundesrepublik nicht angreifen, von daher muss dort geübt werden, wo ein Angriff wahrscheinlich ist, beispielsweise in Litauen.“
Für Manfred Scholl, Jahrgang 1969, Berufsoffizier, CSU-Stadt- und Kreisrat aus Dinkelsbühl, ist Tiefflug auch in Zeiten von Drohnen sinnvoll. So würden in der Ukraine Jets russische Raketen abschießen. Und: Piloten müssten erst einen gewissen Einsatzstatus erreichen, um in Litauen üben zu können. Daher seien Übungen hier nötig. Angesichts der Drohnen-Technik könne sich jedoch vieles ändern. „Die Zukunft ist komplett offen.“
„Der Tieffluglärm war wirklich laut, der Zeit geschuldet, es war Kalter Krieg“, erinnert sich Scholl. Bei seiner Deutsch-Abschlussprüfung in der alten TSV-Turnhalle gab es zehn Minuten Zusatzzeit wegen Lärm und Störung durch Luftkämpfe. Als junger Soldat war er bei Rosenberg im Ostalbkreis eingesetzt, um die Absturzstelle einer amerikanischen F16 zu bewachen.
Scholl kann sich „nur schwer vorstellen“, dass die Belastung wieder so hoch sein wird wie damals. „Der Lärm wird sehr, sehr viel geringer sein, nicht mehr diese Intensität erreichen.“ Zum einen übe nur noch die Bundeswehr, es fliegen keine Alliierten mehr wie damals. Auch habe die Luftwaffe nicht mehr so viele Jets. „Und die Ausbildung hat sich verändert: Vieles geschieht im Simulator, schon allein wegen der Kosten.“
Und die Gesundheit? Müssen die Menschen in der Area 7 leiden, weil sich die Zeiten gewandelt haben? Scholl sagt: „Der Gesetzgeber hat so entschieden.“
Wissenschaftler haben für den Bundestag die Auswirkungen von Fluglärm im Januar 2025 untersucht. Ein Arzt aus Mönchsroth im Landkreis Ansbach warnte schon in den 1980er Jahren vor den Gefahren, vor allem für Kinder.