Steigende Gold- und Silberpreise: Ansturm auf die Händler | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.01.2026 15:44

Steigende Gold- und Silberpreise: Ansturm auf die Händler

Knapp und teuer: Die silbernen „Wiener Philharmoniker“-Anlagemünzen. Der Silberpreis steigt derzeit noch schneller als der Goldpreis. (Archiv)  (Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa)
Knapp und teuer: Die silbernen „Wiener Philharmoniker“-Anlagemünzen. Der Silberpreis steigt derzeit noch schneller als der Goldpreis. (Archiv) (Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa)
Knapp und teuer: Die silbernen „Wiener Philharmoniker“-Anlagemünzen. Der Silberpreis steigt derzeit noch schneller als der Goldpreis. (Archiv) (Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa)

Der rapide Anstieg der Gold- und Silberpreise hat einen Ansturm von Sparern und Privatanlegern auf Deutschlands Edelmetallhändler zur Folge. Vor allem im Silbergeschäft sind Barren und auch einige Anlagemünzen mittlerweile nur noch mit Verzögerung lieferbar. Das berichten BayernLB und Pro Aurum, zwei der führenden Handelshäuser in Deutschland. Der Anstieg des Goldpreises setzte sich am Mittwoch mit hohem Tempo fort, ausgelöst durch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump und einem schwächeren Dollar. 

Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) stieg im frühen Handel um bis zu 1,6 Prozent auf 5.265 US-Dollar. Allein in den zurückliegenden eineinhalb Wochen hat der Goldkurs um fast 700 Dollar oder knapp 15 Prozent angezogen. Noch rasanter schießt jedoch seit vergangenem Jahr der Silberpreis nach oben: Der Preis einer Feinzunze lag am Mittwoch bei gut 111 Dollar, das bedeutet seit Jahresbeginn einen Anstieg um mehr als die Hälfte. Gold hat sich im Vergleich seit Anfang Januar „nur“ um gut 22 Prozent verteuert.

Nachfrage verdoppelt

„Das Nachfragevolumen hat sich verdoppelt“, sagt Michael Eubel, der Leiter des Edelmetallgeschäfts der BayernLB in München. „Wir hatten im Schnitt über die Jahre 2500 Anfragen am Tag, jetzt sind es an die 5000.“ Die bayerische Landesbank betreibt in Nürnberg ein großes Handelszentrum für Edelmetalle, sie verkauft Gold und Silber jedoch nicht selbst an Privatkunden, sondern beliefert Banken, Sparkassen und Unternehmen.

„Bei Silber wird es langsam dünn, manche Produkte gehen aus“, sagt Eubel. Schwer erhältlich sind demnach „Känguru“ und „Wiener Philharmoniker“ - ersteres bezeichnet in diesem Fall die australische Anlagemünze, letztere die österreichische. Die drei wichtigsten Anlagemünzen in Silber auf dem deutschen Markt sind nach Worten des Edelmetallfachmanns neben den Philharmonikern Krügerrand aus Südafrika und kanadische Maple Leaf.

Mangelware Silberbarren

„Kilobarren in Silber haben mittlerweile Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen, kleinere Barren sind gar nicht zu bekommen“, sagt Eubel. „Die Scheideanstalten haben mittlerweile Mühe, Rohsilber zu bekommen.“

Das Handelshaus Pro Aurum berichtet von „außergewöhnlich hoher Kundenfrequenz“. In Zahlen: Gemessen am gehandelten Gewicht hat das Goldgeschäft seit Januar 2025 um zwanzig Prozent zugelegt - „und bei Silber sehen wir eine Verdreifachung“. 

Bei Goldmünzen ist die Liefersituation nach Summas Worten stabil, auch bei Goldbarren hat sich die Lage demnach zuletzt entspannt. Anders sieht es bei Silber aus: Dass die Liefersituation bei Barren angespannt sei, berichtet auch Pro Aurum. „Gegossene Silberbarren ab einem Kilogramm weisen teilweise Lieferzeiten von mehreren Wochen auf, während geprägte Silberbarren unter einem Kilogramm aktuell nur sehr eingeschränkt verfügbar sind“, sagt Summa. 

Die Auswirkungen spüren auch die bayerischen Regionalbanken, obwohl Gold und Silber traditionell nicht zu deren Hauptgeschäften zählen. Bei der Münchner Stadtsparkasse ist die Nachfrage nach Silber seit Ende Dezember stark gestiegen, wie deren Edelmetallexperte Max Fulir berichtet. „Bei Lieferanten gibt es aufgrund der extrem hohen Nachfrage Engpässe bei fast allen Silberprodukten, auch bei Silbermünzen.“ 

Den ländlichen Volks- und Raiffeisenbanken liegen Glanz und Glitter traditionell ohnehin fern, doch auch einige der genossenschaftlichen Geldhäuser haben in den vergangenen Jahren das Geschäft entdeckt. Dazu gehört in Bayern die VR-Bank Landsberg-Ammersee - auf deren Webseite das hauseigene Goldzentrum derzeit zu den „beliebtesten Themen“ zählt.

Den Goldpreis treibt die Angst

Doch warum steigen die Preise für Gold und Silber in immer größere Höhen? Bei Gold nennen Investmentbanken und Fachleute dabei vor allem die geopolitische Unsicherheit sowie die Sorgen beziehungsweise Ängste vor US-Präsident Trumps sprunghafter Politik und/oder einem möglichen Aktiencrash. So zählen zu den großen Goldkäufern auch etliche Zentralbanken, die ihre Reserven aufstocken. 

Die Angst vor Trump spiegelt sich auch in den Rufen wider, den in New York lagernden Teil der deutschen Goldreserve heimzuholen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel erteilte dem eine neuerliche Absage: „Ich zweifele nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York sicher aufbewahrt ist“, sagte Nagel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Das sind unsere Währungsreserven mit besonderem Schutzstatus.“ In der US-Metropole lagern 1.236 Tonnen deutschen Golds, mehr als ein Drittel der gesamten Reserve. 

... und beim Silberpreis mischt China mit

Die Ursache des noch schnelleren Anstiegs des Silberpreises hat - allein geografisch - andere Gründe: Nicht Sorge vor der US-Politik ist der Treiber, sondern China. „Silber ist ein Zwittermetall“, sagt BayernLB-Chefhändler Eubel. „Eine Hälfte der Produktion wird für die Industrie benötigt, die andere geht in den Anlagemarkt.“ 

China hat Anfang Januar Exportkontrollen für Silber erlassen, weil die Pekinger Führung das Edelmetall für die heimische Industrie sichern will. „Das trägt ebenso zum Preisanstieg bei wie die massive Nachfrage“, sagt Eubel. „Privatanleger, Family Offices, alle wollen plötzlich Silber.“ Er sieht keine Spekulationsblase, „sondern eine fundamentale Änderung des Markts“.

© dpa-infocom, dpa:260128-930-609432/1


Von dpa
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